Sammelaktionen zur WM 2018: 350 Kinderriegel für einen Fußball

Sammelaktionen zur WM : 350 Schokoriegel für einen Fußball

Zur Fußball-WM gibt es wieder zahlreiche Sammelaktionen, bei denen Kunden ihre Punkte gegen Fan-Produkte einlösen können. Die Verbraucherzentrale kritisiert diese Aktionen, weil sie zu teuren Einkäufen verleiten. Wir haben uns angeschaut, wie viel Sie für die Prämien ausgeben müssen.

In drei Wochen startet die Fußballweltmeisterschaft in Russland. Viele Fans sind schon seit Wochen im Sammelfieber. In fast allen Supermärkten stehen WM-Produkte in den Regalen.

Nutella, Kinderriegel, Knoppers, Nimm2 – alle sollen mit der Vorfreude auf die WM verführen. Zum Punkte sammeln für Fußbälle, Kopfhörer oder Gläser – und zum Kaufen. Damit sie besonders attraktiv aus den Regalen hervorstechen, tragen sie Schwarz-Rot-Gold und vier Sterne. Die Prämien zieren die Verpackung ebenfalls.

Die Verlockung ist groß, die Punkte finden sich direkt in der Schokoriegel-Packung oder können mit einem Code im Internet eingesammelt werden. Je größer die Packung, umso mehr Punkte bringt sie dem Sammler ein.

Aber was kostet der Spaß am Sammeln? Wie viele Gläser Nutella oder Packungen Toffifee braucht es, bis das Sammelheft voll ist? Und wie viele Kalorien kauft der Sammler damit ein?

Rewe setzt bei seinen Fußball-Karten ganz auf das Sammel- und Tauschfieber der Kinder und Jugendlichen. An der Kasse gibt es die verpackten Bilder zum Einkauf dazu. Je zehn Euro Einkaufswert eine Karte. Bis alle 36 Karten vollständig sind, haben sich einige doppelte angehäuft. Wer nur sammelt, ohne mit anderen zu tauschen, der muss für deutlich mehr als 400 Euro bei Rewe einkaufen. Wie viel er genau ausgeben muss, ist in dem Fall auch etwas Glückssache. Allerdings kann der Sammler sein Album auch für viel weniger Geld voll bekommen: Wenn er mit Freunden doppelte Karten tauscht oder Großeltern, Nachbarn und Freunde mitsammeln, weil sie ohnehin in dem Supermarkt einkaufen.

Bei der Ferrero-WM-Aktion muss der Kunde erstmal Punkte sammeln, bevor er eine Prämie erhält. Für 35 Punkte gibt es die erste: zwei Gläser mit der Aufschrift „Teamplayer“ und „Spielmacher“. Ohne Aufschrift kosten diese beim Hersteller 1,25 Euro pro Stück. Für zum Beispiel acht 700-Gramm-Gläser Nutella und eine große Packung Kinderschokobons (300 Gramm) kann man künftig aus der WM-Edition dieser Gläser trinken. Ausgegeben hat man dann etwa 33 Euro, je nach Supermarkt. 31864 Kalorien sind in diesem Fall für die 35 Punkte im Einkaufswagen gelandet – mehr als der 15-fache Tagesbedarf eines Erwachsenen.

Abtrainieren kann man die Kalorien theoretisch mit dem DFB-Ball – wenn der wegen der aufgedruckten Autogramme nicht nur auf dem Schrank liegt. Allerdings brauchen die Sammler für diese Prämie schon deutlich mehr Ausdauer. 35 Hanuta-Packungen mit je zehn Haselnussschnitten oder genauso viele Kinderriegel bringen die nötigen 70 Punkte ein. Kostenpunkt: fast 77 Euro. Kalorien: etwa 42.000. Vergleichbare Unterschriften-Bälle kosten in verschiedenen Märkten um die 30 Euro.

Ähnlich sieht es bei dem unsignierten Fußball aus, den man bei Storck ersammeln kann. Für die 55 Punkte müsste man zum Beispiel 20 kleine Aktionspackungen wie Nimm2-Bonbons oder Knoppers sowie fünf große Toffifee-Packungen kaufen. Um die 60 Euro kostet das. 40 Euro mehr als ein ähnlicher Ball im Sportgeschäft kosten würde. Auf dem Kalorien-Konto landen dafür 25.000 bis 32.000 Kalorien.

Für fünf Packungen mehr kann der Sammler seine Punkte gegen die Top-Prämie von Storck eintauschen: ein Bluetooth-Lautsprecher im Toffifee-Design. Macht 72 Euro weniger im Portemonnaie und fast 40.000 Kalorien mehr auf dem Speiseplan.

Wer für die Top-Prämie von Ferrero sammelt, kauft noch mehr Kalorien ein. 90 Punkte braucht es, um das Sammelheft gegen Kopfhörer tauschen zu können – also 45 Packungen Kinderriegel, 53.550 Kalorien, 90 Euro.

Doch nicht nur für Süßigkeiten wird die Fußball-WM zum Markenbotschafter. Selbst Taschentücher, Küchenrollen und Wattepads von Tempo tragen ein WM-Emblem, das zum Sammeln auffordert. 25 Punkte braucht der Sammler in diesem Fall maximal. Dann kann er sie gegen eine Sporttasche eintauschen. Wer also einen Großeinkauf an Wattepads (zehn Packungen), Taschentüchern, Toilettenpapier und Küchentüchern (zusammen ca. sieben bis neun Packungen) vor sich hat, der bekommt für circa 33 Euro eine Sporttasche dazu.

Genau an diesem Punkt setzt die Marketingstrategie solcher Aktionen an: Die Kunden werden durch die Prämien animiert, vermehrt die Produkte der Marke zu kaufen. „Solche Aktionen sind immer ein Anreiz. Sie haben einen Effekt wie Glücksrad oder Verlosungen. Die Menschen haben das Gefühl, sie bekommen etwas geschenkt oder günstiger“, sagt Gabriele Janthur von der Verbraucherzentrale NRW. Wer Punkte sammle, solle sich überlegen, wie viele Schokoriegel das überhaupt sind.

Für den Kunden lohnen sich Sammelaktionen dann, wenn er die Schokoriegel, Bonbons oder Weingummi ohnehin kaufen wollte. Wenn ein Großeinkauf, zum Beispiel für Geburtstagsfeiern, ansteht, die Familie gemeinsam sammelt oder ohnehin ein Vorrat an Schokoaufstrich, der mindestens sechs Monate haltbar ist, angelegt wird. Also immer dann, wenn man die Produkte nicht ausschließlich kauft, um die Punkte zu sammeln. Dann ist die Prämie eine Zugabe zu den ohnehin eingeplanten Ausgaben.

„Aber es ist schwierig zu sagen, warum wir ein Produkt kaufen und ein anderes nicht und was uns dabei beeinflusst“, gibt die Verbraucherschützerin zu bedenken. So oder so sei das Geld nicht umsonst ausgegeben. Immerhin habe man immer den Gegenwert des Produktes, auch wenn man so viel Schokolade vielleicht gar nicht essen kann.

(rent)
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