Säureanschlag auf Innogy-Manager: Staatsanwaltschaft bestätigt Festnahme

Säure-Anschlag auf Innogy-Manager : Anonymer Hinweis führte zur Festnahme des Verdächtigen

Im März 2018 wurde der Innogy-Manager Bernhard Günther mit Säure attackiert. Jetzt wurde ein Mann festgenommen. Politische Gründe schließt die Staatsanwaltschaft aus.

Eineinhalb Jahre nach dem Säureanschlag auf den Innogy-Manager Bernhard Günther in Haan bei Düsseldorf haben die Ermittler einen Durchbruch erzielt und einen Verdächtigen festgenommen. Die im September 2018 eingestellten Ermittlungen seien aufgrund anonymer Hinweise wieder aufgenommen worden und hätten zu einem 32-jährigen Mann geführt. Er sei am vergangenen Freitag bei einer Sportveranstaltung in Köln festgenommen worden, teilte die Wuppertaler Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit.

Ein Richter des Amtsgerichts Wuppertal habe Haftbefehl gegen ihn erlassen. Er sitze somit in Untersuchungshaft. In mehreren Städten habe es zudem Durchsuchungen gegeben, die sich gegen weitere Verdächtige richteten. Die Auswertung der dabei sichergestellten Beweismittel dauere an, teilte die Behörde mit. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung über die Festnahme berichtet.

Bernhard Günther, Finanzvorstand des Ökostrom-Konzerns Innogy, im März 2019. Foto: dpa/Federico Gambarini

Was hinter dem Säureanschlag steckt und wie viele Verdächtige es gibt, wollten die Ermittler aus taktischen Gründen nicht verraten. Es habe sich aber nicht um einen politisch motivierten Anschlag gehandelt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Ermittelt werde derzeit wegen schwerer Körperverletzung.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Focus“ handelt es sich bei dem Verdächtigen um ein Mitglied einer bekannten Rockergruppe. Er soll, wie aus den Ermittlungsunterlagen hervorgehe, laut Zeugenaussagen im Auftrag eines konkurrierenden Managers aus der Strombranche gehandelt haben, schreibt das Magazin. Die Staatsanwaltschaft wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurde der Verdächtige bei einem Ringer-Turnier in Köln festgenommen. Das bestätigte der Vorsitzende des Vereins, in dem der Mann Sport treibt, der Agentur.

Der Innogy-Finanzchef war am 4. März 2018 – einem Sonntag – nach dem Joggen auf einem Fußweg in der Nähe seines Wohnhauses in Haan bei Düsseldorf überfallen worden. Zwei Männer warfen ihn zu Boden und übergossen ihn mit Säure. Günther erlitt schwerste Verletzungen und schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Mit einem Hubschrauber wurde er in eine Spezialklinik gebracht. Der Fall schlug bundesweit Wellen. Günther lag mehrere Wochen im Krankenhaus, nahm aber kurz darauf die Arbeit wieder auf.

Die Staatsanwaltschaft Wuppertal hatte zunächst wegen versuchten Mordes ermittelt, die umfangreichen Ermittlungen nach einem halben Jahr aber erfolglos eingestellt. Innogy hatte bis zu 80.000 Euro Belohnung für Hinweise auf die Täter ausgesetzt. Das Unternehmen wollte sich am Donnerstag nicht äußern.

Der Manager war im März 2019 – rund ein Jahr nach dem Angriff – bei einer Bilanzpressekonferenz erstmals wieder öffentlich aufgetreten. Die Folgen des brutalen Angriffs waren ihm dabei noch anzusehen. Er trug eine getönte Sonnenbrille und ein schwarzes Band um die Stirn. „Ich freue mich hier zu sein“, hatte er gesagt. Das sei „vor einem Jahr alles andere als klar gewesen“.

Wenige Tage nach dem Überfall auf Günther war bekannt geworden, dass die RWE-Tochter Innogy zerschlagen und Teile vom Konkurrenten Eon übernommen werden sollten. Die Übernahmeofferte von Eon habe seine Rückkehr ins Arbeitsleben beschleunigt, hatte Günther gesagt.

Günther hatte vier Monate nach dem Anschlag in einem Interview gesagt: Er habe zwar eine Theorie, „die will ich aber für mich behalten“. Der Angriff habe nur wenige Sekunden gedauert, die Täter hätten nichts gesagt. Er sei dann nach Hause gelaufen, habe möglichst viel von der Säure abgewaschen und selbst den Notruf gewählt.

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(lukra/dpa)