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694 Millionen Euro-Gebot für Air Lingus: Ryanair will Luftfahrt-Riesen bilden

694 Millionen Euro-Gebot für Air Lingus : Ryanair will Luftfahrt-Riesen bilden

Dem Billigflieger Ryanair könnte es in einem dritten Anlauf gelingen, einen neuen Luftfahrt-Riesen zu bilden. Das Unternehmen bot am Dienstagabend 694 Millionen Euro für den Konkurrenten Aer Lingus. Die irische Fluggesellschaft und die Regierung in Dublin äußerten sich skeptisch - doch haben dem Vorhaben vermutlich wenig entgegenzusetzen.

Zusammen könnten Ryanair und Aer Lingus eine "starke irische Fluggesellschaft" bilden, die den großen europäischen Unternehmen wie Air France, British Airways und Lufthansa Konkurrenz machen könne, argumentierte Ryanair-Chef Michael OLeary. Ryanair bietet den Aer-Lingus-Aktionären 1,30 Euro pro Anteilschein - 38,3 Prozent mehr als der Schlusskurs vom Dienstagabend und sogar 46,7 Prozent mehr als der Schnitt der letzten sechs Monate.

Ryanair hatte 2006 das erste Mal für Aer Lingus geboten. Ende 2006 bis 2007 kaufte sich der Billigflieger dann zu knapp 30 Prozent bei der irischen Fluggesellschaft ein. 2008 bot Ryanair ein zweites Mal. Aer Lingus, zu 25 Prozent in Staatsbesitz, wies dies beide Male zurück; die EU-Kommission verbot den Deal zudem, weil die beiden Airlines durch den Zusammenschluss eine Monopolstellung auf vielen Strecken erhalten würden.

OLeary erklärte nun, die Umstände hätten sich "grundlegend" geändert. Es gebe "zwingende Gründe" für eine Zustimmung seitens der Regierung in Dublin und der EU-Kommission. Die "starke irische Fluggesellschaft" als Konkurrenz zu den großen europäischen Airlines hatte OLeary zwar auch schon 2008 als Begründung angeführt. Geändert hat sich aber die Bereitschaft der irischen Regierung, den Staatsanteil an Aer Lingus zu verkaufen, weil sie die 85 Milliarden Euro Hilfe aus dem Euro-Rettungsschirm zurückfahren will.

Ryanair erklärte, die Regierung werde den Aer-Lingus-Anteil wohl Anfang 2013 veräußern. Es sei eine "wichtige Entscheidung", ob dieser Anteil an ein "erfolgreiches Unternehmen mit Sitz in Irland" gehe, das das Wachstum von Aer Lingus unterstützen, die Kosten reduzieren und neue Jobs schaffen werde - oder an einen nicht-irischen Investor. Das werde "unvermeidlich" zur Zerschlagung von Aer Lingus führen, warnte Ryanair.

Aer Lingus nahm das "dritte unerwünschte Angebot" am Mittwoch offiziell zur Kenntnis. Seinen Aktionären riet das Unternehmen, zunächst abzuwarten. "Aer Lingus wird sich zu gegebener Zeit äußern", erklärte das Unternehmen. Irlands Regierungschef Enda Kenny sagte am Mittwoch im Parlament, die Regierung sei angesichts von Wettbewerbsfragen "natürlich beunruhigt". "Es ist aber eine Minderheitsbeteiligung, die der Staat besitzt. Wir haben kein Vetorecht in der Frage, kein Recht zum Blockieren."

Das erneute Übernahmeangebot ruft die EU-Wettbewerbshüter auf den Plan. "Falls dieser Deal so bestätigt wird und wir eine entsprechende Mitteilung bekommen, werden wir ihn natürlich auch prüfen", sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia am Mittwoch in Brüssel. Erst wenn das geschehen sei, beschäftige sich Brüssel mit einem möglichen Kartellverfahren. Er rechne jedoch damit, dass Ryanair schon vorher auf die Kommission zukommen werde.

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(AFP)