Gutachten: RWE will Unschuld an Stromausfällen beweisen

Gutachten: RWE will Unschuld an Stromausfällen beweisen

Essen (rpo). Einem Gutachten zufolge trägt der Stromkonzern RWE keine Schuld an den massiven Stromausfällen im November im Münsterland. Die von RWE selbst in Auftrag gegebene Untersuchung führt allein die extreme Wetterlage als Ursache für die Masteinstürze und Stromausfälle an.

Hinweise auf Materialfehler der Masten oder mangelnde Wartung gebe es nicht. Damit bestätigt die von mehreren unabhängigen Einrichtungen - darunter TÜV, Deutscher Wetterdienst und Universität Duisburg-Essen -erstellte Untersuchung die bisherige Argumentation des Energieversorgers. RWE hatte stets auf die außergewöhnlichen Wetterumstände verwiesen und eine Haftung für Schäden abgelehnt.

Auch das Gutachten sieht in der überdurchschnittlichen Schnee- und Eislast auf den freihängenden Starkstromleitungen die Ursache für die Masteinstürze. Die gesetzlich festgelegte Höchstbelastung des Materials sei um das 6- bis 14-Fache überschritten worden. Bei "normgemäßer Belastung" seien alle in Mitleidenschaft gezogenen Masttypen standsicher gewesen.

Insgesamt waren im Münsterland 82 Strommasten umgeknickt. Als Folge waren bis zu 250.000 Menschen zum Teil mehrere Tage ohne Strom. 52 umgestürzte Masten bestanden aus dem veralteten und wegen angeblicher Brüchigkeit in die Kritik geratenen, heute nicht mehr verwendeten Thomasstahl. Auch hier hat das Gutachten keine Materialversprödung festgestellt.

  • Schneechaos : Lage im Münsterland weitgehend stabil

Als Konsequenz aus der Schneekatastrophe kündigte RWE bei der Vorstellung des Gutachtens ein unabhängiges Netz-Audit durch den TÜV Süd und den TÜV Rheinland an. Künftig werden beide Behörden die Bau- und Instandhaltungskonzepte für das RWE-Stromnetz regelmäßig prüfen und zertifizieren. Damit reagiert RWE auf öffentliche Vorwürfe mangelnder Transparenz bei der Kontrolle seines Stromnetzes.

Aktuell bezifferte RWE die für den Konzern entstandenen Schäden durch die Schneekatastrophe auf 30 Millionen bis 50 Millionen Euro. Für von den Stromausfällen besonders betroffene Bürger hat der Konzern einen Härtefallfonds von fünf Millionen Euro aufgelegt, der "voll ausgeschöpft" werden soll, wie RWE-Energy-Vorstand Berthold Bonekamp sagte. Bisher seien 3,5 Millionen Euro ausgezahlt worden.

(afp2)
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