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RWE will seine Töchter zusammenlegen

"Stammhaus-Konzept" : RWE will Töchter zusammenlegen

Während Eon sich aufspaltet, setzt RWE auf ein "Stammhaus-Konzept" und will Töchter verschmelzen. Das spart Verwaltung und Vorstände. Der Strompreis-Verfall setzt RWE zu, der neue Block Westfalen geht womöglich nie ans Netz.

Eon antwortet auf die Branchenkrise mit Aufspaltung, RWE geht den entgegengesetzten Weg und besinnt sich auf seine Wurzeln: Der zweitgrößte Versorger will Töchter miteinander oder auf die Mutter verschmelzen.

Das wird unter dem Titel "Stammhaus-Konzept" diskutiert, wie es in Gewerkschaftskreisen heißt. Der Aufsichtsrat will sich am 4. März mit dem "Stammhaus-Konzept" befassen. "Wir begrüßen die Pläne. Sie bedeuten weniger Verwaltung, weniger Vorstände, weniger Aufsichtsräte", sagte ein Gewerkschafts-Vertreter. Schon jetzt werden frei werdende Vorstandsstellen teilweise nicht mehr nachbesetzt, zudem gibt es Abfindungsprogramme.

RWE hat in guten Zeiten einen Wasserkopf an Verwaltung aufgebaut. Unter der Mutter RWE AG sind allein acht Töchter aufgehängt. Sie sind AG, GmbH oder SE (Europäische Aktiengesellschaft) - und entsprechend mit mehrköpfigen Vorständen und bis zu 20-köpfigen Aufsichtsräten ausgestattet.

Meist haben die Töchter selbst noch Töchter. So hat die RWE Deutschland AG (Essen) eine Tochter, die RWE Vertriebs AG ( Dortmund), mit der sie nun verschmolzen werden könnte. Daneben wird diskutiert, die Ökostrom-Tochter Innogy auf die Mutter oder die Erzeugungstochter Generation zu verschmelzen. RWE-Vorstand Rolf Martin Schmitz hatte bereits erklärt, man könne auf Dauer konventionelle Stromerzeugung und Ökostromgeschäft zusammenführen. Womöglich lässt man aber auch Hüllen an einzelnen Standorten bestehen. Denn der Konzern ist bei den Kommunen im Wort, die 25 Prozent der Aktien halten. "RWE hat zugesagt, dass Dortmund ein prominenter Konzernstandort bleiben wird", sagte ein Sprecher der Stadt Dortmund. Da hier mit RWE Effizienz, RWE Vertrieb, Westnetz Firmen säßen, die für die Energiewende wichtig seien, rechne Dortmund sogar mit weiteren Arbeitsplatzeffekten, mahnte die Stadt.

Der RWE-Sprecher sagte zur Stammhaus-Diskussion: "RWE diskutiert viele Wege, wie sich der Konzern effizienter aufstellen kann. Es gibt aber noch keine Entscheidungen. Zu Aufsichtsrats-Angelegenheiten äußere ich mich nicht."

Die Lage des Konzerns ist ernst. 2013 fuhr er einen Milliarden-Verlust ein. RWE leidet unter den Folgen der Energiewende. Erstmals hat der Vorstand auch nicht schon in der Aufsichtsrats-Sitzung im Dezember die komplette mittelfristige Finanzplanung vorgelegt. Das soll nun am 4. März nachgeholt werden. "Die Generation brauchte noch, um ihre Planungen anzupassen", hieß es im Aufsichtsrat. Die Kraftwerke können gegen den Verfall der Börsenpreise nicht mehr ansparen. Gestern kostete eine Megawattstunde Strom für Lieferung in 2016 rund 32 Euro, einst waren es 60 Euro. Jeder Euro Strompreis-Senkung bedeutet für RWE eine millionen-schwere Einbuße. Spätestens 2017 würde Generation mit roten Zahlen in der Finanzplanung auftauchen, hieß es. Da hilft auch der Verkauf der Fördertochter Dea wenig.

Hinzu kommen immer neue technische Probleme. In Hamm hat RWE mit 23 Stadtwerken das Steinkohle-Kraftwerk Westfalen gebaut, beide Blöcke sollten schon 2011 am Netz sein. Der eine (Block E) hat es mit Mühe 2014 geschafft. Der andere (Block D), in dem es Ärger mit dem Kessel gab und Salzsäure die Turbine beschädigte, geht womöglich nie ans Netz. "Wie es nun weitergeht, ist Gegenstand der Gespräche mit RWE. Dabei diskutieren wir alle Optionen. Wir prüfen auch, welche Folgen es haben würde, wenn Block D nie ans Netz geht", erklärte der Sprecher der Stadtwerke Osnabrück, die für die 23 Stadtwerke sprechen. Erst vor kurzem hat RWE-Chef Peter Terium den Kommunen mitgeteilt, dass noch keine Entscheidung getroffen worden sei. "Wir planen weiter, das Kraftwerk in Hamm mit beiden Blöcken zu betreiben", so RWE gestern.

(RP)