Nachfolger gesucht: RWE will Kronprinz für Großmann küren

Nachfolger gesucht: RWE will Kronprinz für Großmann küren

Essen (RP). Am Montag berät der Aufsichtsrat nicht nur die Strategie nach dem Atomausstieg, sondern will auch einen Vizechef installieren. Der kann in einem Jahr Jürgen Großmann beerben. Die Kommunen wollen Rolf-Martin Schmitz, aber auch ein Mann aus der zweiten Reihe ist im Spiel.

Der Vertrag von RWE-Chef Jürgen Großmann endet erst im September 2012. Doch die Suche nach einem Nachfolger läuft bereits auf Hochtouren. Auf der Aufsichtsrats-Sitzung am Montag soll eine Vorentscheidung fallen. Dann wollen die Kontrolleure einen Vize küren, der sich ein Jahr lang beweisen und Großmann im Herbst 2012 beerben könnte, wie unsere Redaktion aus Eigentümer-Kreisen erfuhr.

Der Personalausschuss des Aufsichtsrates soll voraussichtlich schon am Sonntag zu einer vorbereitenden Sitzung zusammenkommen. "Keinen Kommentar zu Aufsichtsrats-Angelegenheiten", sagte dazu RWE-Sprecher Volker Heck.

Die Kommunen, die rund 20 Prozent an RWE halten, wollen Rolf-Martin Schmitz auf den Schild heben. Darauf haben sich die führenden Städte informell verständigt, wie es heißt. Der 54-jährige Ingenieur ist seit 2009 im RWE-Vorstand für das operative Geschäft verantwortlich.

Schon damals haben die Gewerkschaften seine Wahl unterstützt. Der gebürtige Gladbacher kennt das Geschäft von allen Seiten. Er begann seine Karriere beim Stromversorger Steag, war Chef der Eon Kraftwerke und der Kölner Rheinenergie. Auch in der Politik ist er gut vernetzt: Beim Eon-Vorgänger Veba führte er einst die Abteilung Wirtschaftspolitik und war zwischendurch auch Präsident des Branchenverbandes BDEW.

Doch Aufsichtsrats-Chef Manfred Schneider hat sich auch in der zweiten Reihe der Führungsriege umgeschaut. In der Öffentlichkeit bereits aufgefallen ist Arndt Neuhaus (45), der aus dem Ruhrgebiet stammt, lange bei der Unternehmensberatung McKinsey war und seit Jahresanfang Chef der Deutschland AG ist. Aber auch Hanns-Ferdinand Müller (46), Chef der RWE Vertriebs AG und zuvor RWE-Bevollmächtigter der Kommunen, hat sich profiliert.

  • Der Weg zum deutschen Atomausstieg

Abgehängt ist dagegen offenbar Leonhard Birnbaum (44), derzeit Strategie-Vorstand bei RWE. Großmann, der den klugen Analytiker von McKinsey geholt und ihn erst jüngst bei den Verhandlungen mit Gazprom in Szene gesetzt hat, würde Birnbaum gerne als Nachfolger sehen. Aber Kommunen und auch der Aufsichtsratschef sollen abgewunken haben: Birnbaum sei zu sehr forscher Zahlenmensch.

Klar ist, dass der neue starke Mann in Essen aus dem Konzern selbst kommen soll. Nach den externen Chefs Jürgen Großmann und Harry Roels, die nicht immer eine glückliche Hand im Umgang mit den schwierigen Eigentümern und Gewerkschaften hatten, sei das angebracht, heißt es. Damit haben sich auch andere Spekulationen wie Lanxess-Chef Axel Heitmann, den der Aufsichtsrats-Chef aus alten Leverkusener Tagen kennt, oder gar Eon-Forschungsvorstand Klaus-Dieter Maubach erledigt.

Bei der Sitzung des RWE-Aufsichtsrats am Montag geht es auch um die Strategie des Essener Konzerns nach der deutschen Energiewende. Die hat RWE ebenso wie Eon und EnBW das Geschäft verhagelt. Am 11. August stellt RWE seine Halbjahreszahlen vor, ein Gewinneinbruch wird erwartet. Großmann hat bereits angekündigt, dass RWE bis zum Jahr 2013 Firmenteile im Wert von acht Milliarden Euro verkaufen will, um mehr Spielraum zu gewinnen.

Der bereits beschlossene Verkauf von Töchtern wie Amprion (Höchstspannungsnetz) oder Thyssengas bringt 1,5 Milliarden Euro. Nun stellt RWE auch noch Vertriebstöchter wie Süwag (Frankfurt), VSE (Saarbrücken), die Koblenzer Elektrizitätswerke sowie die Berliner Wasserwerke ins Schaufenster, verlautet aus Konzernkreisen.

Festhalten will RWE dagegen an der britischen Tochter nPower. Erst spät hat RWE sich internationalisiert. Nun wolle man den teuer erworbenen Brückenkopf nicht aufgeben, heißt es. "Keinen Kommentar", sagte dazu der RWE-Sprecher.

(RP)
Mehr von RP ONLINE