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RWE weitet sein Sparprogramm aus

Zweitgrößter deutscher Energiekonzern : RWE weitet sein Sparprogramm aus

Der Energiekonzern RWE muss in der Kraftwerkssparte Hunderte Millionen Euro zusätzlich einsparen. Die Gewerkschaft ist alarmiert. Ärger gibt es auch bei der Lohnrunde. Verdi droht mit Streiks. Nächste Woche tagt der Aufsichtsrat.

Die Krise beim angeschlagenen Energieriesen RWE verschärft sich. Nun erwägt der Konzern, sein Sparprogramm in der Kraftwerkssparte RWE Generation kräftig auszuweiten. Das Sparziel beim Programm "RWE Neo", das derzeit bei 800 Millionen Euro liegt, soll um mehrere hundert Millionen Euro aufgestockt werden, heißt es in Aufsichtsratskreisen.

Das Sparprogramm, das einst bei 500 Millionen Euro gelegen hatte, war im Vorjahr schon mal ausgeweitet worden. Hintergrund sind die anhaltend niedrigen Großhandelspreise für Strom, immer mehr Kraftwerke schreiben rote Zahlen. Am 19. September will sich der Aufsichtsrat der RWE AG mit Lage und Strategie des Konzerns befassen.

"Wir bestätigen, dass die Kostensenkungs-Anstrengungen bei RWE Generation an die schwierige Marktlage angepasst werden. Zu konkreten Zahlen äußern wir uns nicht", sagte die Sprecherin von RWE Generation, . Die Kraftwerkssparte baut bis zum Jahr 2016 (wie 2013 angekündigt) 2300 ihrer einst 16.800 Arbeitsplätze ab. Der Abbau soll fair und sozialverträglich erfolgen.

Verdi droht mit Streiks

Die Beschäftigten sind gleichwohl alarmiert. "Angesichts einer möglichen Ausweitung des Sparprogramms Neo ist es umso wichtiger, dass der Tarifvertrag Beschäftigungssicherung schnell kommt, damit die Betroffenen eine Perspektive bekommen", sagte Hans-Peter Lafos unserer Redaktion. Lafos sitzt für die Gewerkschaft Verdi im RWE-Aufsichtsrat. "Entlassungen darf es bei RWE nicht geben."

Zum Jahresende läuft der Kündigungsschutz-Vertrag im Konzern aus. Seit Monaten ringt RWE mit den Gewerkschaften um eine Folgeregelung. Personalvorstand Uwe Tigges will den Stellenabbau zwar ohne Kündigungen schaffen, will dies aber nicht festschreiben, um genug Flexibilität für den Umbau zu haben. Zugleich fordert er eine Nullrunde für 2014.

Nun reicht es Verdi. Die Gewerkschaft will den Lohn-Tarifvertrag kündigen und droht mit Streiks: "Wir wollen den Tarifvertrag kündigen und fordern eine branchenübliche Lohnerhöhung. Nullrunden sind mit uns nicht zu machen", sagte Lafos. Der jüngste Abschluss für Stadtwerke etwa sieht ein Lohnplus von 3,3 Prozent vor. Lafos macht Druck: "Am 30. September entscheidet die Verdi-Tarifkommission über die Kündigung des Tarifvertrags. Ab Januar muss sich der Konzern auf Streiks einstellen."

Job-Plattform soll geschaffen werden

Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern steckt laut RWE-Chef Peter Terium in der "schwersten Krise aller Zeiten". Das Überangebot an Ökostrom hat die Großhandelspreise von einst 60 auf 38 Euro je Megawattstunde fallen lassen. Erst im August hatte RWE die Stilllegung von weiterer Kraftwerks-Kapazität angekündigt. "Durch unsere angespannte wirtschaftliche Situation kommen wir um einen weiteren Personalabbau nicht herum", hatte Vorstand Tigges jüngst in einem Brief an alle Mitarbeiter geschrieben. "Ende 2016 rechnen wir mit 61.000 Kollegen. Dies bedeutet einen Rückgang von über 17 Prozent allein seit 2011."

Um den Umbau sozialverträglich zu schaffen, will Tigges noch in diesem Jahr die Job-Plattform "Switch" starten. Diese soll sich etwa um Mitarbeiter kümmern, deren Stelle wegfällt, und sie intern vermitteln. Langfristig sei es das Ziel, mit dem Einsatz interner Kollegen auch Zeitarbeitsfirmen zu verdrängen, so Tigges. Die Gewerkschaften fürchten, dass Switch zu einer "Überhangs GmbH" wird: einer Beschäftigungsgesellschaft, die am Ende kündigt, wenn es nicht gelingt, die Mitarbeiter intern oder extern zu vermitteln.

Um im operativen Geschäft besser zu werden, hat RWE das Fortbildungs-Programm "New Way of Working" gestartet. Es soll Mitarbeiter effizienter und kundenfreundlicher machen. Auch der Aufsichtsrat setzt ein Zeichen: Reiste er für seine jährliche Strategie-Sitzung früher ins Ausland (2013 nach Warschau), trifft man sich nächste Woche in Essen. Gespart werden muss überall.

(anh)