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Nach Stromausfällen: RWE verwahrt sich gegen Kritik

Nach Stromausfällen : RWE verwahrt sich gegen Kritik

Essen (rpo). Die nach den verheerenden Stromausfällen nach dem plötzlichen Wintereinbruch im Münsterland aufkommende Kritik weist der Energiekonzern RWE entschieden von sich. "Nach unserer Berechnung hätte keiner der in Mitteleuropa verwendeten Masten der Belastung standgehalten", sagte RWE-Vorstandschef Bonekamp. Eine "absolute Vorsorge" für solche Naturkatastrophen gebe es nicht.

Zur genauen Analyse der Schäden hat Deutschlands größter Stromversorger nun einen Gutachter beauftragt. Sein Bericht soll die Grundlage sein für Gespräche mit Politik und Bundesnetzagentur über mögliche rechtliche Folgen. RWE geht aber nicht davon aus, grob fahrlässig gehandelt zu haben. "Wenn da eine Schuld ist, müssen wir uns ihr stellen. Aber ich sehe sie nicht", sagte Werner Roos, für die Stromnetze zuständiges Vorstandmitglied von RWE Energy.

Vor diesem Hintergrund wies RWE auch Vorwürfe zurück, nicht genug in die Netzinfrastruktur investiert und seine Aufwendungen für die Instandhaltung der Netze zurückgefahren zu haben. "RWE spart nicht an der Sicherheit. Es gibt keine finanziellen Limitierungen des Programms zur Mastsanierung", betonte Bonekamp. Durchschnittlich investiere das Unternehmen jährlich rund zwei Milliarden Euro in das deutsche Stromnetz. Masten und Leitungen würden regelmäßig und in zum Teil kürzeren Abständen als branchenweit üblich überprüft.

Insgesamt knickten laut RWE während der Schneekatastrophe im Münsterland 82 Masten um. 52 davon waren aus dem heute nicht mehr verwendeten Thomasstahl gebaut, der wegen angeblicher Brüchigkeit ebenfalls in die Kritik geriet. Dazu sagte Bonekamp, eine Versprödung älterer Strommasten aus Thomasstahl sei "nicht zwingend". Auch neuere Masten aus den 1990er Jahren hätten den Naturgewalten nicht standgehalten. Die Gewichtsbelastung durch Eis und Schnee habe im Münsterland um das 15-fache über dem für Stromleitungen vorgeschriebenen Grenzwert gelegen.

Seit 2001 läuft im Konzern ein Sanierungsprogramm für ältere, mit Thomasstahl gebaute Strommasten aus den 1960er Jahren. Das Programm könne aber aus technischen Gründen nicht beschleunigt werden, merkte Bonekamp an. Von den insgesamt 44 000 Strommasten im gesamten RWE-Versorgungsgebiet sind noch 28 000 Masten aus Thomasstahl. Von diesen Thomasstahl-Masten hat RWE 2846 Stück als vordringlich sanierungsbedürftig eingestuft. 70 Prozent davon seien bereits saniert, der Rest folge im nächsten Jahr, hieß es.

RWE entstand durch die Mastbrüche nach eigenen Angaben ein Schaden von 35 Millionen Euro. Die Reparaturen der zerstörten Leitungen sollen noch drei Monate dauern. Mit einem Härtefallfonds über fünf Millionen Euro will RWE von den Stromausfällen besonders betroffene Bürger unterstützen. Erste Auszahlungen sollen in Kürze erfolgen.

(afp/rm)