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Essen: RWE schließt Jobabbau nicht aus

Essen : RWE schließt Jobabbau nicht aus

(RP). Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern schießt heftig gegen die Politik. Das Geschäft läuft zwar exzellent, doch nun befürchtet Chef Jürgen Großmann für die Zukunft das Schlimmste. Die gesamte Planung wird überprüft.

Deutlicher hat sich ein deutscher Konzern selten von seinen optimistischen Plänen verabschiedet: "Under Review", also unter Überprüfung, stempelte der Essener Energiegigant RWE gestern quer über die bisherige Geschäftsprognose und zeigte dies Analysten und Journalisten. Im Klartext: Keiner weiss, ob RWE bis 2012 wirklich so wie bisher angekündigt, den Gewinn um fünf Prozent erhöht. "Wir müssen uns alles noch einmal anschauen", verkündete Vorstandschef Jürgen Großmann. Wegen immer neuer Belastungen durch die Politik hält er das Streichen von Stellen für möglich: "Wir schließen nichts aus. Wir werden und müssen unsere Kostenstrukturen nach den Markterfordernissen ausrichten."

Die Aussage zeigt, wie sehr sich die Energiekonzerne speziell von der Berliner Politik unter Druck gesetzt fühlen. Das aktuelle RWE-Geschäft läuft zwar mit einem Gewinnplus von 22 Prozent im ersten Halbjahr hervorragend. Doch die geplante Brennelementesteuer für Uran sei für RWE mit einer erwarteten Kostenbelastung von rund einer Milliarde Euro extrem belastend. Sie könne zum schnellen Abschalten kleinerer Reaktoren führen, sagte Großmann.

Zur Abwehr will sich der RWE-Vorstand ausgerechnet auf den mit rot-grün vereinbarten Atomkompromiss von 2002 berufen: Damals hatte die rot-grüne Regierung unter Kanzler Gerhard Schröder den Stromkonzernen die Begrenzung der Laufzeit auf 32 Jahren abgerungen und als Gegenleistung jede Form von Sonderbelastung für die Atommeiler ausgeschlossen. Jetztwill die schwarz-gelbe Regierung die Sondersteuer für Uran einführen ohne vorher festzulegen, wie lang die Laufzeit der Reaktoren verlängert wird. "Das ist nicht nur am Rande der grundgesetzwidrigen Enteignung" heißt es bei RWE-Managern. Der Coup könne indirekt den Todesstoß für alle Reaktoren einleiten, falls eine künftige rot-grüne Regierung in einigen Jahren dann die einmal eingeführte Steuer weiter hochschraube.

Als Alternative warb Großmann für einen Fonds der Stromkonzerne, in den große Teile der zusätzlichen Gewinne bei einer Laufzeitverlängerung fließen sollten. Dass die Branche dafür wirklich 30 Milliarden Euro anbiete, wollte er aber nicht bestätigen: "Wir sind gesprächsbereit und warten auf Vorschläge der Politik."

Zumindest wäre Geld da, um einen solchen Fonds zu finanzieren. Dank des Zukaufs der holländischen Essent und wegen der Kältewelle im Winter stieg der Umsatz mit Strom und Gas um mehr als zwölf Prozent auf rund 27,3 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern (Ebitda) legte um fast 22 Prozent auf über 6,1 Milliarden Euro zu.

Zum weiteren Geschäftsverlauf hieß es, dass die hohen Wachstumsraten nicht auf das zweite Halbjahr hochzurechnen seien. Zum einen sei der Essent-Effekt nur noch im dritten Quartal spürbar. Zum anderen dürfte sich das Wachstum in Ost- und Südosteuropa abschwächen. Dennoch bleibe der Konzern dabei, 2010 Betriebsergebnis und Nettoergebnis um rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern zu wollen. Die Aktie verlor gestern ein Prozent.

(RP)