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Krise des Energiekonzerns: RWE kürzt Boni für Vorstände

Krise des Energiekonzerns : RWE kürzt Boni für Vorstände

Der Aufsichtsrat des angeschlagenen RWE-Konzerns will die Vorstands-Vergütung senken, damit RWE-Chef Peter Terium und seine drei Kollegen beim harten Sparkurs mit gutem Beispiel vorangehen. Die Aufsichtsräte wollen auf ihrer Sitzung am heutigen Donnerstag über die Senkung der Millionen-Boni und der Zahl der Options-Papiere beraten, wie es aus Kreisen des Gremiums heißt. Für 2012 hatte der gesamte Vorstand neben dem Fixgehalt gut 6,4 Millionen Euro an Boni sowie 4,2 Millionen Euro an Aktien-Optionen erhalten.

Zuvor hatte der Konzern, der bis Jahresende 6200 seiner 74.000 Stellen abbaut und bis 2016 weitere 6700 streichen will, den leitenden Angestellten bereits eine Nullrunde verordnet. Hans Peter Lafos, der für die Gewerkschaft Verdi im Aufsichtsrat sitzt, forderte den Vorstand auf, nachzuziehen. "Jetzt sind die Vorstände am Zug", sagte Lafos. Als Beispiel empfahl er die Commerzbank: "Dort waren die Jahresvergütungen in der Bankenkrise auf 500.000 Euro pro Vorstand eingefroren." Mit einer Kürzung würde sich RWE deutlich vom Düsseldorfer Konkurrenten Eon abheben, der zuletzt die Vorstands-Vergütungen sogar erhöht hatte.

Zugleich will der Aufsichtsrat am heutigen Donnerstag die mittelfristige Finanzplanung für 2014 bis 2016 diskutieren. Danach erwartet RWE, dass die Ergebnisse der Stromerzeugung weiter einbrechen. Branchenkreise gehen davon aus, dass der Strompreis, der in diesem Jahr im Schnitt bei 50 Euro je Megawattstunde liegt, 2014 auf 44 Euro und 2015 auf 39 Euro fällt.

Der Vorstand werde nur mit Mühe verhindern können, dass die Kraftwerks-Sparte tiefrot wird, heißt es. Entsprechend hart muss gespart werden, entsprechend zäh verlief gestern die erste Verhandlungsrunde zum "Tarifvertrag zur Begleitung von sozialverträglichen Personalanpassungsmaßnahmen". RWE will den Kündigungsschutz über das Jahr 2014 hinaus nicht verlängern, die Gewerkschaften möglichst weit. Nun wird über flexible Laufzeiten diskutiert. "Immerhin wurden die Verhandlungen nicht abgebrochen", so ein Teilnehmer.

Am Rande der Aufsichtsrats-Sitzung dürfte auch über den Nachfolger von Aufsichtsrats-Chef Manfred Schneider gesprochen werden. Schneider wird wohl spätestens 2016 aus Altersgründen aufhören. "Am Markt wird bereits gesucht", heißt es in Berater-Kreisen. Schneider hatte sich in einem Interview für den scheidenden Linde-Chef Wolfgang Reitzle begeistert. Es sei aber zweifelhaft, ob Reitzle das Amt angesichts anderer Mandate wolle, heißt es weiter. Hoffnungen auf den Vorsitz mache sich der frühere Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel, der bereits einfaches Mitglied des Aufsichtsrats ist. Einzelne Kommunen haben Werner Müller, den Chef der RAG-Stiftung, ins Spiel gebracht. Der RWE-Sprecher wollte sich zu Aufsichtsrats- Angelegenheiten nicht äußern.

(hoe)