RWE hebt erneut die Gewinnprognose an, mehr Dividende gibt es aber nicht

Energieriese im Glück : RWE hebt erneut die Gewinnprognose an - mehr Dividende gibt es aber nicht

Der RWE-Finanzchef mahnt den Bund, den Kohlekompromiss umzusetzen: Das Misstrauen in der Belegschaft wachse. Das Operative Geschäft läuft dagegen gut.

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz kann sein Glück kaum fassen: Unter seinem Vorgänger wankte der Konzern unter Milliardenschulden und -verlusten, RWE wurde zu Innogys  Resterampe. Dann sorgte Schmitz’ Deal mit Eon dafür, dass RWE wieder eine Perspektive bekam und die Aktie abhob. Nun läuft auch das operative Geschäft überraschend gut, so dass RWE zum zweiten Mal in diesem Jahr die Prognose für 2019 anhebt: Statt einen Gewinn zwischen 1,4 und 1,7 Milliarden erwartet RWE nun zwischen 1,8 und 2,1 Milliarden Euro, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.

Dafür nannte RWE-Finanzchef Markus Krebber zwei Gründe: Das Handelsgeschäft läuft außergewöhnlich gut, zudem kann sich RWE - wie auch der Konkurrent Uniper - auf Nachzahlungen aus Großbritannien freuen. Die EU gab im Oktober grünes Licht für den zuvor von ihr  ausgesetzten Kapazitätsmarkt. Dabei erhalten die Konzerne Geld dafür, dass sie Kraftwerke in Reserve halten. RWE rechnet mit Nachzahlungen für 2018 und 2019 von 230 Millionen Euro. Das Eigenkapital von RWE ist wieder beruhigend groß, die Eigenkapitalquote liegt bei 27 Prozent (vor zwei Jahren waren es 17 Prozent).

Für die Städte und andere Aktionäre zahlt sich der Gewinnanstieg kurzfristig nicht aus: RWE bekräftigte, die Dividende für 2019 bei 80 Cent pro Aktie zu halten. „Im neuen Jahr werden wir unsere Dividendenpolitik neu aufstellen, dann werden wir austarieren, wie viel Geld wir ausschütten oder in  Wachstum investieren“, kündigte Krebber an. Investitionen würden dabei aber eine wichtige Rolle spielen, dämpfte er eine Dividenden-Euphorie.

In den ersten neun Monaten legte der RWE-Gewinn (bereinigtes Ebitda) um 27 Prozent zu auf 1,4 Milliarden Euro. Dazu trugen Braunkohle und Atomkraftwerke fast unverändert 231 Millionen Euro bei. Den Anlegern war das nicht genug, sie hatten auf ambitioniertere Ziele beim Ökostrom gehofft, die Aktie gab nach.

Spuren hinterlässt der Rodungsstopp beim Hambacher Forst: Für 2019 erwartet RWE damit 100 Millionen Euro weniger an Gewinn, zeitweise hatte man bis zu 200 Millionen befürchtet. Der Konzern ist bereit, den Forst stehen zu lassen, wenn er entschädigt wird. Auch darum geht es beim Poker mit der Bundesregierung. „Die Verhandlungen haben Fahrt aufgenommen“, sagte Krebber. Im Montag befasst sich  das Kabinett mit dem Gesetz zum Steinkohle-Ausstieg, später sollen Regelungen zur Braunkohle folgen. „Unternehmen und Mitarbeiter brauchen endlich Klarheit“, mahnte Krebber. „Die Stimmung in der Braunkohle ist von Unsicherheit geprägt. Je länger die Umsetzung des Kohlekompromiss dauert, desto misstrauischer werden die Mitarbeiter“. Im Januar hatte die Kohlekommission den Ausstieg bis 2038 beschlossen, bis heute hat das Wirtschaftsministerium keine Einigung mit der Branche  über Abschaltungen hinbekommen.