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Streik bei Versorger abgewendet: RWE geht auf die Gewerkschaften zu

Streik bei Versorger abgewendet : RWE geht auf die Gewerkschaften zu

Der Streik beim zweitgrößten deutschen Energie-Versorger ist abgewendet. Er hat sein Angebot erhöht und bietet nun doch eine Verlängerung des Beschäftigungssicherungsvertrags. Dies war die zentrale Forderung der Gewerkschaften.

Der Arbeitskampf in der deutschen Energiebranche ist abgewendet. Am Dienstag nahmen die Gewerkschaften Verdi und IG BCE die Verhandlungen mit RWE wieder auf und verzichteten darauf, die Urabstimmung über einen Streik einzuleiten. Eigentlich waren die Tarifkommissionen genau zu diesem Zweck in Dortmund zusammengekommen. Dann hatte RWE ihnen überraschend ein neues Angebot unterbreitet: Danach ist der Energiekonzern nun doch bereit, für zwei Jahre auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, wie es in Gewerkschaftskreisen heißt. "Die Arbeitgeberseite ist bereit, den Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung für die Dauer des neuen Vergütungsabschlusses, längstens für zwei Jahre, zu verlängern", heißt es in dem Schreiben des RWE-Arbeitgeberverbandes an die Verhandlungsführer der Gewerkschaften, das unserer Redaktion vorliegt.

Die Verlängerung des Kündigungsschutzes war die zentrale Forderung der Gewerkschaften. Zum Jahresende war der Beschäftigungssicherungsvertrag für die 50.000 RWE-Beschäftigten in Deutschland ausgelaufen. Die Gewerkschaften hatten zunächst eine Verlängerung um zehn Jahre gefordert, sind inzwischen aber bereit, sich auf zwei Jahre einzulassen, wie es heißt. Der Konzern will den Kündigungsschutz zugestehen, wenn die Arbeitnehmer sich im Gegenzug flexibel zeigen bei Versetzungen. Bislang ist es nicht möglich, dass RWE Mitarbeiter etwa von der Atomkraft- in die Ökostrom-Sparte versetzt.

Auch in der Lohnfrage geht RWE auf die Mitarbeiter zu. Der Konzern kündigte ein "deutlich verbessertes Vergütungsangebot auf Basis eines zweijährigen Abschlusses" an. Bislang hatte RWE je 1,5 Prozent für die Jahre 2013 und 2014 sowie Einmalzahlungen von je 500 Euro geboten. Die Gewerkschaften hatten ursprünglich sechs Prozent gefordert.

Einigung in letzter Sekunde

Die Einigung auf neue Gespräche erfolgte in letzter Minute. Die Gewerkschaften hatten sich auf die Urabstimmung vorbereitet, RWE hatte Notfallpläne schon in der Schublade. Diese regelten vor allem die Sicherung der Stromversorgung bei einem Streik in den Kraftwerken. "Die drohende Urabstimmung und ein möglicher unbefristeter Streik haben offenbar zu einem Einlenken der Arbeitgeber geführt", betont Verdi-Verhandlungsführer Peter Lafos. Mitte Februar wollen beiden Seiten nun die Details des Abschlusses verhandeln.

Beim Düsseldorfer Konkurrenten Eon ist bereits am heutigen Mittwoch ein Abschluss für die 30.000 Mitarbeiter in Deutschland besiegelt worden. Hier ist ein Lohnplus von 2,8 Prozent erreicht worden. Eon hatte bereits 2012 erklärt, auf Kündigungen möglichst verzichten zu wollen. Bei der Urabstimmung in der vergangenen Woche hatten sich mehr als 90 Prozent der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten für Streiks ausgesprochen. Unter diesem Eindruck hatte Eon ein verbessertes Angebot vorgelegt, die Gewerkschaften bliesen den Ausstand ab.

Die Streiks bei Eon und RWE wären die ersten in der privaten Energiewirtschaft in Deutschland gewesen. Die Konzerne leiden unter der Energiewende und den Problemen im europäischen Gasgeschäft. "Wir müssen massiv Kosten senken und unser Geschäftsmodell in allen Bereichen neu austarieren", hatte RWE-Personalvorstand Uwe Tigges jüngst per Mail an die Führungskräfte geschrieben. Der Stellenabbau solle aber sozialverträglich ablaufen. RWE will bis 2015 gut 10.000 seiner 70.000 Jobs streichen. Eon baut 11.000 seiner 80.000 Stellen ab.

(RP/felt)