RWE baut in der Braunkohle 6000 Stellen bis 2030 ab

Nach Kohle-Einigung : RWE baut in der Braunkohle 6000 Stellen bis 2030 ab

Der Essener Energieversorger RWE baut 6000 Stellen in der Braunkohle bis 2030 ab, bis 2023 sollen es bereits mehr als 3000 Stellen sein. Das sagte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz am Donnerstagmittag vor Journalisten.

Wegfallen sollen die Stellen in Kraftwerken und Tagebauen. Der Abbau soll demnach sozialverträglich erfolgen, dabei helfe die Altersstruktur des Unternehmens: Für Beschäftigte ab 58 Jahre soll es das vom Bund bezahlte Anpassungsgeld geben. Für jüngere Mitarbeiter soll es Entschädigungen geben.

Schon in diesem Jahr soll der erste Block zusätzlich vom Netz. Insgesamt will RWE bis Ende 2022 rund drei Gigawatt vom Netz nehmen. Die Tagebaue Hambach und Inden enden 2029, Garzweiler wird bis 2038 ausgekohlt. Die Umsiedlungen und der Abriss von Dörfern soll in geplantem Umfang weitergehen.

Insgesamt hat RWE derzeit gut 10.000 Mitarbeiter in der Braunkohle. Das Unternehmen sieht sich durch die Vereinbarungen zum Kohleausstieg weit über die ursprünglichen Erwartungen hinaus belastet. „Wir werden deutlich mehr Kraftwerkskapazität in deutlich kürzerer Zeit vom Netz nehmen müssen, als wir ursprünglich erwartet hatten“, sagte Schmitz weiter.„Das zeigt die volle Tragweite der Entscheidung.“

Die von der Bundesregierung zugesagte Entschädigung von 2,6 Milliarden Euro liege deutlich unterhalb des tatsächlich für RWE entstehenden Schadens von rund 3,5 Milliarden Euro, teilte RWE mit. Entgangene Gewinne, die durch die vorzeitigen Stilllegungen nicht mehr erwirtschaftet werden könnten, seien in der Gesamtsumme nicht enthalten.

Bund und Länder hatten sich am Mittwochabend auf den Fahrplan für die Abschaltung von Kohlekraftwerken in Deutschland geeinigt. Der ist bis 2038 anvisiert – nun soll aber geprüft werden, ob der Ausstieg möglicherweise schon drei Jahre früher abgeschlossen werden kann.

Für das vorzeitige Abschalten von Kraftwerken bekommen Betreiber Entschädigungen von 4,35 Milliarden Euro, wie Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach am Donnerstag von einer guten Einigung für den Klimaschutz. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, acht „sehr alte und dreckige“ Kraftwerksblöcke sollten nun schnell vom Netz, der erste schon Ende des Jahres: „Der Kohleausstieg beginnt sofort, er ist verbindlich.“

Zum Gesamtpaket zählt, dass das neue und umstrittene Steinkohlekraftwerk Datteln 4 in Nordrhein-Westfalen des Betreibers Uniper ans Netz gehen soll. Die Politik werde die Inbetriebnahme nicht verhindern, sagte Altmaier. Dies habe auch mit der komplexen Systematik von Entschädigungsleistungen zu tun. Vor allem Umweltverbände hatten bereits scharf kritisiert, dass ein neues Steinkohlekraftwerk ans Netz geht - weil es angesichts der Klimakrise ein völlig falsches Signal setze.

Der Hambacher Wald in Nordrhein-Westfalen soll dauerhaft erhalten bleiben. Auch RWE sagte das nun zu. „Der Forst bleibt stehen“, sagte Schmitz. RWE werde die dafür erforderlichen Schritte einleiten. Der umkämpfte Wald war zum Symbol für den Kampf deutscher Klimaschützer gegen die Kohleverstromung geworden.

(anh/hebu/dpa)