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EU-Frühwarnsystem aktiviert: Russland dreht Weißrussland Gashahn zu

EU-Frühwarnsystem aktiviert : Russland dreht Weißrussland Gashahn zu

Moskau (RPO). Russland dreht Weißrussland im Streit um offene Rechnungen den Gashahn zu. Die Lieferungen an das Nachbarland würden schrittweise um 85 Prozent reduziert.

Das erklärte der russische Gasmonopolist Gazprom. Die europäischen Kunden seien davon nicht betroffen, versicherte Gazprom-Chef Alexej Miller. Ihr Gas werde auf eine andere Pipeline durch die Ukraine umgeleitet. Der russische Präsident Dmitri Medwedew wies Miller am Montag an, die Gaslieferungen nach Weißrussland mit sofortiger Wirkung zu drosseln. Moskau legt Minsk zur Last, Schulden in Höhe von umgerechnet knapp 160 Millionen Euro für russisches Erdgas nicht beglichen zu haben.

EU-Frühwarnsystem aktiviert

Wegen des Gasstreits zwischen Russland und Weißrussland ist ein Frühwarnmechanismus für Energiekrisen aktiviert worden. Russlands Vize-Ministerpräsident Igor Setschin habe am Montagmorgen ein Schreiben an EU-Energiekommissar Günther Oettinger gesandt und damit den europäisch-russischen Mechanismus in Gang gesetzt, sagte Oettingers Sprecherin am Montag in Brüssel.

Derzeit rechnet die Kommission nicht mit Lieferausfällen für die EU. "Wir erwarten, dass die Transit-Gasströme in die Europäische Union aus Russland durch Weißrussland von dem Streit nicht betroffen sind", sagte Oettingers Sprecherin. "Heute ist nicht klar, ob wir betroffen sind oder nicht." Für den Nachmittag sei ein Treffen von russischen und EU-Energieexperten in Brüssel geplant, danach werde die Kommission mit der weißrussischen Seite sprechen.

25 Prozent des in der EU verbrauchten Erdgases kommen aus Russland, vier Fünftel davon fließen durch die Ukraine. Von Ausfällen der Lieferungen via Weißrussland könnten neben Litauen auch Deutschland und Polen betroffen sein, beide Länder jedoch "nur indirekt", sagte die Sprecherin. Normalerweise werde im Sommer für diese Länder unterirdisch Gas gespeichert, diese Bevorratung könne unter Ausfällen leiden. Litauen erhalte sein gesamtes russische Gas via Weißrussland, bei Knappheit könne hier jedoch Lettland aushelfen.

(apd/csr)