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Umbau der EON-Spitze: Ruhrgas-Chef soll Eon-Vorstand ablösen

Umbau der EON-Spitze : Ruhrgas-Chef soll Eon-Vorstand ablösen

Der Vertrag von Bernhard Reutersberg soll um ein Jahr verlängert werden, dann soll ihn Klaus Schäfer beerben. Der Aufsichtsrat hofft, den Konzern wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen.

Der Umbau der Eon-Spitze geht weiter: Der Aufsichtsrat will den Vertrag von Vertriebsvorstand Bernhard Reutersberg verlängern, aber nur um ein Jahr bis Anfang 2015, wie unsere Zeitung aus Konzernkreisen erfuhr. Im Februar 2015 wird Reutersberg 61 Jahre alt, zudem soll bis 2015 das Sparprogramm "Eon 2.0" umgesetzt sein, für das Reutersberg zuständig ist. Im Rahmen des Sparprogramms baut Eon 11 000 seiner 80 000 Stellen ab. Am 12. März kommt der Aufsichtsrat zusammen, um neben der Bilanz für das Jahr 2012 auch Vorstandspersonalien zu beraten.

Auch ein Nachfolger für Reutersberg sei bereits ausgeguckt, hieß es weiter. Klaus Schäfer (45), der im Jahr 2010 von Reutersberg die Führung der Ruhrgas AG übernommen hatte, soll in den Eon-Vorstand einziehen. Der Konzern-Sprecher erklärte: "Zu Personalspekulationen äußern wir uns nicht."

Schäfer genießt guten Ruf

Das traditionsreiche Essener Unternehmen Ruhrgas wird in wenigen Wochen Geschichte sein, wenn es mit der Düsseldorfer Handelstochter Eon Energy Trading zusammengelegt wird. Auch diese wird von Schäfer geführt. Der Diplom-Kaufmann, der seine Karriere einst beim Versorger Viag begonnen hatte, genießt im Konzern wegen seiner fachlichen Kompetenz und bedächtigen Art einen guten Ruf.

Damit stellt der Aufsichtsrat Eon-Chef Johannes Teyssen mittelfristig zwei erfahrene Energiemanager an die Seite. Neben Schäfer soll, wie vor Kurzem bekanntwurde, auch Leonhard Birnbaum (noch RWE) neu in den Eon-Vorstand kommen. Aufsichtsrats-Chef Werner Wenning dürfte mit den Neubesetzungen die Hoffnung verbinden, dass der Konzern in ruhigeres Fahrwasser kommt. So viel Rankünen wie bei Eon hat Wenning bislang allenfalls bei der Deutschen Bank erlebt, wo er ebenfalls im Aufsichtsrat sitzt.

Interne Kritiker werfen Teyssen vor, mit einem ruppigen Führungsstil zu einem Klima der Verunsicherung beigetragen zu haben. Auch werde der Vorstand nicht als Team wahrgenommen, heißt es. In dieser Woche war bekanntgeworden, dass die Vorstände Regine Stachelhaus (Personal) und Klaus-Dieter Maubach (Technologie und Großprojekte) den Düsseldorfer Konzern verlassen.

Durch Energiewende unter Druck

Dabei kann sich der größte deutsche Energieversorger einen zerstrittenen Vorstand nicht leisten. Eon ist wegen der Energiewende und des schwierigen Gasgeschäftes unter Druck. Auch das Auslandsgeschäft, in dem Teyssen nun verstärkt das Heil sucht, macht Ärger. In der Türkei ist der Einstieg zwar geschafft. Doch in Indien geht es nicht voran. Und in Brasilien kommt Eon gerade der Partner Eike Batista abhanden, der einen großen Teil seiner Beteiligung am gemeinsamen Versorger MPX verkaufen will. Will Eon nun den Einstieg eines unliebsamen neuen Partner verhindern, muss der Düsseldorfer Konzern selbst Milliarden in die Hand nehmen. Milliarden, die er nicht hat. Eon drücken Schulden von rund 36 Milliarden Euro.

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Der Dax-Konzern war 2012 in den brasilianischen Markt eingestiegen und wollte sich gemeinsam mit MPX zum größten privaten Energieunternehmen in dem südamerikanischen Schwellenland entwickeln. Teyssen hatte von einem "Meilenstein in der Entwicklung von Eon zum internationalen Energieunternehmen" gesprochen.

In Deutschland leidet Eon wie alle Energieversorger unter den Folgen der Energiewende. Durch den Boom des Ökostroms sind die Börsenpreise gefallen, die meisten der modernen Gaskraftwerke schreiben rote Zahlen. Zug um Zug werden die ertragreichen Atomkraftwerke abgeschaltet. Am 13. März will der Eon-Vorstand die Bilanz für das Jahr 2012 vorstellen.

(RP/anch)