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Opel-Stammwerk: Rüsselsheim verliert Astra-Produktion

Opel-Stammwerk : Rüsselsheim verliert Astra-Produktion

Das Opel-Stammwerk Rüsselsheim verliert die Produktion des Modells Astra. Das mit Abstand wichtigste Fahrzeug des Autobauers soll ab 2015 nur noch im britischen Ellesmere Port und in Gliwice (Polen) gefertigt werden, wie Opel am Donnerstag mitteilte.

In diese beiden Werke will die Tochter des US-Autoriesen General Motors (GM) insgesamt 300 Millionen Euro investieren. Ziel bleibe aber, auch Rüsselsheim als modernstes Werk von Opel/Vauxhall in Europa voll auszulasten. Wie das konkret gehen soll, soll in Gesprächen zwischen Management und Betriebsrat geklärt werden.

Der Vorstandsvorsitzende der Adam Opel AG, Karl-Friedrich Stracke, erklärte in Rüsselsheim: "Dank der bewährten Qualität der Fahrzeuge aus Ellesmere Port und Gliwice, sowie der Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit der beiden Standorte, werden diese Werke Eckpfeiler unserer Produktion in Europa sein." Daher werde die Produktion des Astra in Rüsselsheim nach dem Auslauf des jetzigen Modells nicht fortgesetzt. Das Werk solle aber als "das modernste Werk im europäischen Produktionsverbund" auch nach Auslauf der Insignia- und Astra-Produktion erhalten bleiben.

Betriebsrat skeptisch

Der Betriebsrat von Opel hat die Entscheidung für die Produktion des neuen Astra in England und Polen scharf kritisiert. Sie sei "mehr als fragwürdig", sagte der Betriebsratschef des Bochumer Opel-Werkes, Rainer Einenkel, am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Es sei keine wirtschaftliche, sondern eine "ausschließlich politische" Entscheidung gewesen. Opel habe von vornherein auf England gesetzt und nur dort verhandelt - "hinter dem Rücken aller anderen Standorte", warf Einenkel dem Autobauer vor.

Hätte Opel wirtschaftliche Faktoren zugrunde gelegt, dann wären die Werke Bochum und Rüsselsheim ausgewählt worden, sagte Einenkel weiter. Sie hätten die höchste Auslastung und die höchste Produktivität. Bochum produziere bereits "zu hundert Prozent in drei Schichten - das, was man künftig abverlangt, bringen wir schon mit".

Opel hatte laut Einenkel Anfang des Jahres ein Forderungspaket vorgelegt und von den Arbeitnehmern jedes Werkes verlangt, auf Lohn zu verzichten, absolut flexibel zu sein und 30 Prozent Leiharbeit zuzulassen. Über dieses Paket sei aber an den meisten Standorten gar nicht verhandelt worden, sondern "hinter dem Rücken aller anderen" ausschließlich in England. Das hätten die Gewerkschaften dort zwar monatelang bestritten, doch am Mittwochabend habe die Belegschaft des Werkes Ellesmere Port dem Forderungspaket zugestimmt - "um selber am Leben zu bleiben", sagte Einenkel.

Das Werk im polnischen Gliwice (Gleiwitz) sei aufgrund der niedrigeren Löhne und der Anbindung an den osteuropäischen Markt "von vornherein" gesetzt gewesen für die Astra-Produktion. Dort habe Opel "nicht groß verhandeln" müssen.

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Zu Spekulationen, das Aus für die Astra-Produktion im Stammwerk Rüsselsheim würde die Schließung des Werkes in Bochum bedeuten, sagte Einenkel, dies sei eine Diskussion "ohne Sinn und Verstand".
Die Marke Opel würde durch diese Diskussion "nachhaltig geschädigt".

Im Werk Bochum findet am Montagmorgen eine Belegschaftsversammlung statt, zu der auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke und andere Vorstandsmitglieder kommen sollen. Die Arbeitnehmer werden "sicher eine Erklärung haben wollen" für die Entscheidungen der Geschäftsführung, sagte Einenkel.

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(dpa)