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Rückzug aus Russland bringt SMS um Millionen​

Anlagenbau : Rückzug aus Russland bringt SMS um Millionen

Trotzdem meldet der Anlagenbauer einen Zehn-Jahres-Rekord beim Auftragseingang. Für da laufende Jahr bleibt er vorsichtig. 2023 soll es eine deutliche Gewinnsteigerung für das Unternehmen geben.

Der Stopp seines Russland-Geschäfts nach dem russischen Angriff auf die Ukraine vor vier Monaten kostet den Anlagenbauer SMS etwa 650 Millionen Euro an Auftragsvolumen. Aufträge in dieser Größenordnung seien im vergangenen Jahr aus Russland dazugekommen, müssten aber storniert werden, sagte der SMS-Vorstandschef Burkhard Dahmen bei der Bilanzvorlage des Unternehmens am Donnerstag. Nach Unternehmensangaben gibt es derzeit noch etwa 20 Projekte, bei denen noch mit den jeweiligen Kunden über eine Stornierung verhandelt wird. Diese Projekte seien aber über entsprechende Exportabsicherungen gegen mögliche Schadenersatzforderungen abgesichert. In Russland hat SMS gegenwärtig etwa 1700 Beschäftigte an den beiden Standorten Moskau und Tschljabinsk (Ural).

Der Angriff Russlands auf das Nachbarland und die Störungen in den internationalen Lieferketten werden in diesem Jahr das SMS-Ergebnis belasten. Man werde das Ergebnis des Vorjahres nicht erreichen, erklärte Finanzchef Torsten Heising. Beim Umsatz werde man aber die Drei-Milliarden-Euro-Grenze übertreffen. Im vergangenen Jahr hat SMS knapp 2,56 Milliarden Euro umgesetzt. Das waren 6,8 Prozent weniger als im Vorjahr, was das Management damit begründet, dass die Abnahmen einiger Projekte während der Pandemie verschoben worden seien. Vor Steuern hat das Unternehmen etwa 87 Millionen Euro verdient. Damit sei man nach der Pandemie zu profitablem Wachstum zurückgekehrt, so SMS. Im ersten Corona-Jahr hatte der Konzern vor Steuern einen Verlust von 126 Millionen Euro erlitten.

Der war aber auch durch Rückstellungen für den damals angekündigten Personalabbau bedingt. Das Unternehmen will Kosten in erheblichem Ausmaß einsparen. Rund 75 Millionen der geplanten 100 Millionen Euro an Einsparungen hat das Unternehmen nach Angaben von Finanzchef Heising bereits erzielt Mit dem Kostensenkungsprogramm fallen insgesamt 600 Stellen weg, 400 davon am Standort Hilchenbach (Kreis Siegen-Wittgenstein), der Rest in Düsseldorf und Mönchengladbach. Der Umbau gilt damit als abgeschlossen. Die Restrukturierung habe „eine erhebliche Senkung der Arbeits- und Personalkosten ermöglicht“ , so Heising. Dass der Personalbestand bei rund 14.000 Beschäftigten trotzdem stabil geblieben ist, liege daran, dass „wir im Ausland massiv aufgebaut haben“, so Dahmen.

Immer wichtiger wird für SMS das Servicegeschäft, bei dem im vergangenen Jahr der Auftragseingang um mehr als ein Fünftel gewachsen ist. Nach einem Jahr 2021 mit einem Gesamt-Auftragseingang von 3,5 Milliarden Euro (dem höchsten seit zehn Jahren) sieht der Konzernchef über die zurückhaltende Prognose für das laufende Jahr hinaus positiv in die Zukunft. In diesem Jahr würden die angepeilten 3,4 Milliarden Euro (die vorsichtige Voraussage wegen Krieg und Störungen in den Lieferketten) wohl überboten. Und für 2023 rechnet Dahmen mit einer deutlichen Gewinnsteigerung. Was aber wohl voraussetzt, dass ein lang anhaltender Krieg der Industrie keinen Strich durch die Rechnung macht.