Rücktritt von Grube: CDU bestimmt neuen Bahnchef

Rücktritt von Rüdiger Grube : Die CDU bestimmt den neuen Bahnchef

Nach dem überraschenden Rücktritt von Rüdiger Grube beginnt die Suche nach einem Nachfolger. Die Union hat dabei den ersten Zugriff. Das sieht eine Nebenvereinbarung des Koalitionsvertrages vor.

Die Deutsche Bahn muss sich auf die Suche nach einem neuen Konzernchef machen. Wegen Streitigkeiten über die Laufzeit seines neuen Vertrages erklärte Rüdiger Grube gestern überraschend seinen Rücktritt. Der Aufsichtsrat stimmte der sofortigen Entbindung des Spitzenmanagers zu. Bis auf Weiteres übernimmt Finanzvorstand Richard Lutz den Posten.

Eigentlich sollte das Kontrollgremium in seiner für gestern angesetzten außerordentlichen Sitzung die Vertragsverlängerung des 65-Jährigen absegnen. Grube, hieß es aus Aufsichtsratskreisen, sei verärgert darüber gewesen, dass entgegen einer ursprünglichen Absprache sein Vertrag nur um zwei und nicht um drei Jahre verlängert werden sollte. Zudem sollte der Manager ohne Gehaltserhöhung weitermachen.

"Ich kann es nicht fassen"

Grubes Rücktritt erwischte die Politik völlig unvorbereitet. "Das ist in der Tat eine so nicht zu erwartende Wendung", sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Rande der CSU-Vorstandssitzung in München. Es habe in den letzten Tagen immer wieder Diskussionen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat gegeben, am Schluss habe es "wenig Einigungsbereitschaft auf beiden Seiten" gegeben. Die Nachfolge müsse nun "möglichst zügig" gelöst werden.

Auch der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) reagierte entsetzt auf die Rücktrittsmeldung. "Ich kann es nicht fassen", sagte er unserer Redaktion. Über die Gründe könne im Moment nur spekuliert werden. "Mit Grube verliert die Bahn ihren überragenden Chef, der zum jetzigen Zeitpunkt kaum ersetzbar ist", erklärte der CSU-Politiker und Vorsitzende des Bundestags-Wirtschaftsausschusses.

Grube stand seit 2009 an der Spitze der Bahn, nachdem sein Vorgänger Hartmut Mehdorn im Zuge eines Datenskandals seinen Hut nehmen musste. Unter Grubes Führung hatte der Staatskonzern 2015 erstmals einen Milliardenverlust eingefahren. Der Bahnchef schob dies damals auf Unwetter, das schwierige Geschäft im Schienengüterverkehr und insbesondere auf die Streiks der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer. Derzeit versucht der Konzern mit den Lokführern, in einer Schlichtung eine neue Streikwelle abzuwenden.

"Kühlen Kopf bewahren"

Der Aufsichtsrat kündigte an, "zeitnah" einen Ersatz für Grube zu finden. Die Suche nach einem Nachfolger ist - so kurz vor der Bundestagswahl - ein äußerst politisches Unterfangen. Nicht zuletzt, weil der frühere Kanzleramtschef und heutige Bahn-Vorstand Ronald Pofalla (CDU) als einer der aussichtsreichsten Kronprinzen gilt. Wie unsere Redaktion aus Regierungskreisen erfuhr, gibt es eine Zusatzvereinbarung zum Koalitionsvertrag 2013, wonach die CDU bei einer vorzeitigen Besetzung des Bahnchef-Postens den ersten Zugriff hat, die SPD im Gegenzug über eine vorzeitige Neubesetzung an der Spitze der Bundesagentur für Arbeit entscheiden darf.

"Ich rate allen, jetzt kühlen Kopf zu bewahren und nichts zu überstürzen", sagte der SPD-Fraktionsvize im Bundestag, Sören Bartol. "Wir müssen uns jetzt in Ruhe in der Koalition zusammensetzen und schauen, wer die Deutsche Bahn als Vorsitzender des Vorstands am besten in die Zukunft führen kann." Da gebe es niemanden, der sich sofort aufdränge - eine Spitze gegen Pofalla. Auch Verkehrsminister Dobrindt wollte sich gestern nicht vorzeitig auf seinen Unionskollegen als Nachfolger festlegen: "Wir gehen jetzt einfach auf die Suche. Es gibt jetzt überhaupt keinen Grund, jetzt im Vorfeld schon irgendwelche Namen ins Gespräch zu bringen."

(may-)
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