Medienbericht RTL behält offenbar Gruner+Jahr-Kernmarken und stellt Zeitschriften ein

Berlin · Nach dem Zusammengehen des TV-Senders RTL mit Gruner+Jahr sollen die Kernmarken des Hamburger Traditionsverlags Insidern zufolge erhalten bleiben. Zeitschriften wie die Flaggschiffe „Stern“, „Geo“, „Brigitte“ und „Capital“ sollten weitergeführt werden.

 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von RTL Deutschland hängen eine Flagge mit dem Logo des Gruner + Jahr-Verlags nach einer "aktiven Mittagspause" vor dem Verlagsgebäude am Baumwall gegen mögliche Verkäufe der Zeitschriften ab.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von RTL Deutschland hängen eine Flagge mit dem Logo des Gruner + Jahr-Verlags nach einer "aktiven Mittagspause" vor dem Verlagsgebäude am Baumwall gegen mögliche Verkäufe der Zeitschriften ab.

Foto: dpa/Marcus Brandt

Das erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von mehreren mit der Sache vertrauten Personen am Montag. Viele Titel sollen demnach jedoch eingestellt und einige verkauft werden. Dies gelte für kleinere Ableger etwa von der „Brigitte“ oder von „Geo“, die teilweise unprofitabel seien. Es dürfte zu einem Jobabbau im dreistelligen Bereich kommen, hieß es. RTL wollte dies nicht kommentieren und verwies darauf, dass RTL-Chef Thomas Rabe die Belegschaft über seine Pläne am Dienstagmorgen in der Verlagszentrale am Hamburger Baumwall informieren wolle.

Rabe will in mehreren Info-Runden mit Führungskräften, Betriebsrat und der gesamten Belegschaft in Hamburg sowie Köln die Zukunft des Medienkonzerns skizzieren. Beobachter erwarten, dass es einen Sparkurs mit Jobabbau auch für RTL geben dürfte. Rabe wird auch mit Hamburgs Regierungschef Peter Tschentscher und Mediensenator Carsten Brosda zusammentreffen.

Die Konzernmutter Bertelsmann und ihre TV-Tochter RTL Group hatten 2021 angekündigt, dass RTL Deutschland und Gruner+Jahr 2022 zusammengelegt werden sollen. Inzwischen haben viele Führungskräfte von Gruner+Jahr das Unternehmen verlassen. Topmanager aus Gütersloh und Köln haben zuletzt alle Verlags-Titel genau unter die Lupe genommen und geprüft, was behalten und was womöglich verkauft werden sollte.

Rabe, der aktuell in Personalunion Chef von Bertelsmann, der RTL Group und RTL Deutschland ist, hat betont, dass man für die geplanten Investitionen im wichtigen Streaming-Geschäft Ressourcen neu verteilen und Strukturen hinterfragen müsse. „Das Magazingeschäft steht beispielsweise aktuell besonders unter Druck“, hatte Rabe im Herbst in einem internen Interview gesagt. „Darum werden wir das Titelportfolio überprüfen und nur solche Titel mit RTL zusammenführen, die wirklich synergetisch sind.“

(zim/Reuters)