Roland Koch ist weg - Probleme bei Bilfinger bleiben

Schwache Halbjahres-Bilanz : Roland Koch ist weg - Probleme bei Bilfinger bleiben

Koch ist weg - die Probleme bei Bilfinger bleiben: Das Unternehmen präsentiert eine schwache Bilanz für das erste Halbjahr. Sein Nachfolger muss einige Scherben aufkehren.

Der neue Bilfinger-Chef Herbert Bodner muss sich nach dem Weggang Roland Kochs vor allem um die Problemsparten rund um Kraftwerke und Industrieanlagen kümmern. In Europa schwächeln derzeit beide Segmente gleichzeitig. Öl- und Gaskonzerne stecken weniger Geld in Investitionen und Wartung, wie Finanzchef Joachim Müller am Montag bei der Präsentation der Halbjahreszahlen sagte.

Zudem schlage die Energiewende in Deutschland im Kraftwerksgeschäft durch. Neue Kraftwerke werden kaum noch gebaut. In den ersten sechs Monaten halbierte sich der operative Gewinn der Mannheimer nahezu.

Der Konzern steuert mit einem Sparkurs samt Stellenabbau gegen. Wegen der schlechteren Auftragslage streicht Bilfinger bis zum Jahresende im Spezialrohrbau rund 300 Stellen. Auch das bereits laufende große Sparpaket wird beschleunigt. Dadurch sollen wie bereits bekannt 2014 und 2015 weltweit zusätzlich rund 1250 Stellen in der Verwaltung wegfallen. Alles in allem arbeiten rund 70 000 Mitarbeiter für den Konzern, der sein Geld vor allem mit Dienstleistungen rund um Kraftwerke, Industrieanlagen und Gebäude verdient.

Koch hatte eine Woche zuvor überraschend seinen Rücktritt als Vorstandschef bei Bilfinger angekündigt. Als Grund nannte Hessens ehemaliger Ministerpräsident die zwei Gewinnwarnungen und Differenzen mit dem Aufsichtsrat. Bodner, Kochs Vorgänger an der Spitze des Konzerns, soll das Unternehmen wieder in ruhiges Fahrwasser führen. Er übernimmt den Chefposten übergangsweise bis zum 31. Mai 2015.

Bilfinger präsentierte nach dem Führungswechsel erwartungsgemäß eine schwache Halbjahresbilanz. Der Gewinn wurde wegen eines schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes im Energiemarkt und im europäischen Öl- und Gassektor gedrückt, wie der MDax-Konzern mitteilte.

Die Leistung blieb trotz Schwächen im Kraftwerks- und Industriedienstleistungsgeschäft von Januar bis Juni mit 3,63 Milliarden Euro aber praktisch stabil. Beim operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) im fortgeführten Geschäft war der Rückgang mit 47 Prozent auf 80 Millionen Euro hingegen deutlich. Der Gewinn sank um 19 Prozent auf 55 Millionen Euro. Dabei ist auch das zum Verkauf gestellte Tiefbaugeschäft enthalten. "Es gibt mehr als zwei Handvoll Interessenten", sagte Müller. Ein Käufer steht nach Konzernangaben noch nicht fest.

Der Auftragseingang ging mit sechs Prozent deutlich zurück. Beim Auftragsbestand lag der Rückgang bei zwei Prozent. Die vor einer Woche zum zweiten Mal in Folge gekappten Prognosen für das laufende Jahr bestätigte der Konzern.

(dpa)