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Riesner empfiehlt Qiagen-Aufsichtsratschef den Rücktritt

Nach geplatzter Übernahme : „Ich bin froh, dass Qiagen unabhängig bleibt“

Mitgründer Detlev Riesner sieht den Biotech-Standort Hilden gestärkt. Nach dem geplatzten Thermo-Fisher-Deal empfiehlt er Chefkontrolleur Hakan Björklund den Rücktritt: „Der Aufsichtsrat hat nicht gut nachverhandelt.“

Nach dem Scheitern der Übernahme sind die Mehrheit der Anleger und die Mitarbeiter bei Qiagen erleichtert. Die Aktie legte am Freitag zeitweise um weitere drei Prozent zu. Nur 47 Prozent der Aktionäre hatten das Angebot des US-Konzerns Thermo Fisher angenommen, der Qiagen für 43 Euro je Aktie und damit für 11,3 Milliarden Euro übernehmen wollte. Das ist gemessen am Wert des Unternehmens, der wegen der erfolgreichen Corona-Tests kräftig gestiegen war, zu wenig, fand die Mehrheit der Aktionäre. Wir sprachen mit dem Düsseldorfer Universitäts-Professor Detlev Riesner, der Qiagen einst mitgegründet und lange den Aufsichtsrat geführt hatte, über die Folgen.

Sind Sie erleichtert?

Riesner Ich bin froh, dass die Übernahme mit klarer Mehrheit gescheitert ist und Qiagen unabhängig bleibt. Das ist gut für den Biotech-Standort Hilden, nun droht in der Hildener Zentrale keine Streichung mehr von Stellen in Zentralfunktionen. Forschung, Entwicklung und Produktion wären wohl in Hilden geblieben. Vor allem ist es gut für die deutsche Biotech-Branche. Da haben wir mal ein deutsches Start-up, das Weltspitze ist und dann wird es gleich in die USA verkauft – dieses Schicksal bleibt Qiagen nun erspart.

Was ändert sich nun für Qiagen?

Riesner Qiagen schaut nach vorn und kann sich nun wieder voll auf das Geschäft konzentrieren, ohne durch den Übernahmekampf abgelenkt zu sein. Das Unternehmen wird mit voller Kraft neue genbasierte Tests auf Krankheiten entwickeln, was es so gut kann wie kein anderes.

Der Aufsichtsrat hatte sich hinter das Angebot von Thermo Fisher gestellt. Muss Aufsichtsrats-Chef Hakan Björklund gehen?

Riesner Wenn ich Aufsichtsrats-Chef wäre, würde ich die Verantwortung übernehmen und zurücktreten. 2019 war das Angebot von Thermo Fisher noch annehmbar, doch die Wertsteigerung durch die zusätzlichen Leistungen in der Corona-Krise wurde nicht ausreichend berücksichtigt. Der Aufsichtsrat hat nicht gut nachverhandelt, wie die Reaktion der Mehrheit der Aktionäre zeigt. Qiagen wäre zu billig verkauft worden.

Was können die Aktionäre nun tun?

Riesner Sie können eine außerordentliche Gesellschafterversammlung einberufen, um Konsequenzen zu diskutieren und zu entscheiden.

Auch der Vorstand um Thierry Bernard hatte die Annahme der Offerte empfohlen. Ist er nun beschädigt?

Riesner Das sehe ich nicht, das ist primär Sache des Aufsichtsrates. Der Vorstand muss sich nun ganz auf das Geschäft konzentrieren können.

Die Entwicklung des Corona-Tests hat den Wert von Qiagen kräftig erhöht. Bleibt das Unternehmen ein Übernahmekandidat?

Riesner Qiagen bleibt ein attraktives Unternehmen und wird damit immer wieder in den Fokus großer Konzerne geraten. Doch der beste Schutz gegen einen neuen Übernahmeversuch ist die Wertsteigerung, zumindest für einige Zeit.