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Rüstungs- und Automotive-Konzern: Rheinmetall schließt Nettetaler Werk

Rüstungs- und Automotive-Konzern : Rheinmetall schließt Nettetaler Werk

Der Rüstungs- und Automotive-Konzern Rheinmetall schließt sein Werk in Nettetal. Betroffen sind 400 Mitarbeiter. Die Produktion soll nach Neuss verlagert werden, wo der Konzern gerade eine neue Zentrale für die einst unter dem Namen "Kolbenschmidt" zusammengefassten Automotive-Bereiche baut.

In diesem Zusammenhang werden 100 Stellen gestrichen. "Wir versuchen, ohne Kündigungen auszukommen. Es sieht so aus, als ob das klappt", sagte gestern ein Rheinmetall-Sprecher.

In der neuen Zentrale in Neuss werden nach dem Zuzug der Nettetaler rund 1600 Rheinmetaller beschäftigt sein, davon 600 in der Produktion und knapp 1000 in der Entwicklung und in der Verwaltung. Im Nettetaler Werk werden Abgasrückführungssysteme produziert. Die Zentrale in Neuss ist im kommenden Jahr bezugsfertig.

Hintergrund der Restrukturierungen ist ein Strategiewechsel bei Rheinmetall. Der neue Rheinmetall-Chef Armin Papperger sagte gestern den von seinem Vorgänger angekündigten Börsengang der Automotive-Sparte ab.

"Ein Börsengang steht nicht mehr an", so Papperger, der den Strategiewechsel mit den guten Wachstumschancen des Bereichs begründete. In Europa werden die Mitarbeiter von den Wachstumsplänen aber kaum etwas spüren. Wachsen will Rheinmtall im Automotive-Bereich vor allem über Investitionen in China, Indien und Brasilien.

Papperger rief für Rheinmetall eine Zeit des Übergangs aus. Der Konzern soll erst 2015 wieder organisch wachsen und dann mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz erzielen. Welche Auswirkungen die anstehenden Maßnahmen auf die weltweit 21 700 Arbeitsplätze insgesamt haben werden, blieb unklar. Die Hälfte der Belegschaft ist in Deutschland beschäftigt.

In Europa und USA sieht sich das Unternehmen zudem Kürzungen der Verteidigungsetats gegenüber, die nur durch Aufträge aus anderen Regionen der Welt kompensiert werden können. Kosteneffizienz sei neben Internationalisierung und Wachstum einer der drei Eckpfeiler der neuen Strategie.

Im vergangenen Geschäftsjahr hatten die Düsseldorfer bei einem Umsatz von 4,7 Milliarden Euro mit 190 Millionen Euro unter dem Strich gut 15 Prozent weniger verdient als ein Jahr zuvor. Das operative Ergebnis (Ebit) war mit 301 Millionen Euro trotzdem das zweitbeste der Firmengeschichte gewesen.

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(RP/nbe/jco/sap)