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Rheinmetall macht Rekordgewinn​

Rüstungskonzen : Rheinmetall macht Rekordgewinn

Der Rüstungshersteller bleibt vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs auf Wachstumskurs. Das Ergebnis wird allerdings dadurch getrübt, dass der Konzern seine Erwartungen bei den Aufträgen zurückschraubt. 

Ende Februar, als Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) unter dem Eindruck des Kriegsbeginns in der Ukraine das 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Stärkung der Bundeswehr in den kommenden Jahren ankündigte, war für Hersteller von Rüstungsgütern an der Börse eine Hochzeit. Die Aussagen des Kanzlers versprachen deutlich steigende Umsätze für die großen Branchenvertreter. Der Kurs der Rheinmetall-Aktie hat sich zwischen dem Zeitpunkt des russischen Angriffs auf das Nachbarland und Anfang Mai weit mehr als verdoppelt – ein Zeichen dafür, welchen Stellenwert die damalige  politische Ankündigung für Börsianer hatte.

Am Freitag gab es die umgekehrte Entwicklung: Nach der Veröffentlichung der Zahlen für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres wird deutlich, dass manche Rüstungsaufträge entgegen den bisherigen Annahmen der Unternehmen wohl doch erst im kommenden Jahr kommen werden. Die Konsequenz: Der Aktienkurs fiel zeitweise um etwa zehn Prozent, das Rheinmetall-Papier war damit im M-Dax für die mittelgroßen Börsenwerte ein großer Verlierer.

Es  gebe mittlerweile  mehr Klarheit über die Verwendung des Bundeswehr-Sondervermögens, teilte Rheinmetall am Freitag mit. Mehr Klarheit heißt in diesem Fall: Der große Auftragsboom  kommt zumindest in Teilen wohl später als gedacht. Das liegt daran, dass der Bund offensichtlich noch nicht entschieden hat, wann er was aus dem Produktportfolio von Rheinmetall (Panzer, Abwehrwaffen, Munition und anderes) haben möchte. Der Vorstandsvorsitzende Armin Papperger rechnet für das laufende Jahr jetzt noch mit Auftragseingängen zwischen zehn Milliarden und zwölf Milliarden Euro im Rüstungsgeschäft. Das wäre zwar einerseits immer noch mindestens eine Verdoppelung gegenüber dem Wert des Vorjahres, aber auch ein Rückgang um etwa drei Milliarden Euro gegenüber der Prognose, die das Unternehmen nach dem ersten Quartal abgegeben hatte. Solche Nachrichten kommen an den Aktienmärkten in der Regel sehr schlecht an.

Für das Jahr 2023 hat Rheinmetall seine Voraussage allerdings aufrechterhalten: Es bleibt dabei, dass der Konzern Rüstungsaufträge im Wert zwischen 14 Milliarden und 16 Milliarden Euro erwartet. In den kommenden Jahren werde der Konzern in vielen Ländern zur Stärkung der Verteidigung beitragen, hieß es am Freitag. „Mit unseren militärischen Systemen tragen wir Verantwortung für Sicherheit und damit auch für Frieden und Freiheit“, so Papperger. Bei der Hauptversammlung im Mai hatte er gesagt, dass sich seiner Einschätzung nach das Geschäft mit der Bundeswehr auf vier Milliarden Euro verdoppeln werde.

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Die etwas gebremste Euphorie und die Reaktion am Aktienmarkt sind trotzdem ein  Rückschlag in einem ersten Halbjahr, in dem Rheinmetall einen Rekordgewinn erzielt hat. Das operative Ergebnis ist nach Angaben des Unternehmens um acht Prozent auf  206 Millionen Euro gestiegen, netto hat sich der Gewinn auf 134 Millionen Euro mehr als vervierfacht. Rheinmetall profitiert unter anderem von deutlich steigender Nachfrage nach Waffen und Munition; hier hat sich der Auftragseingang verdreifacht. Auch andere Bereiche im Konzern haben zugelegt. „Rheinmetall bleibt auf Wachstumskurs. Beim Umsatz und beim operativen Ergebnis liegen wir nach sechs Monaten über Vorjahr. Das stimmt uns sehr optimistisch für das Geschäftsjahr 2022 insgesamt“, erklärte Konzernchef Papperger am Freitag.

  Dagegen ist das Autozuliefergeschäft ein Problem. Seinetwegen hat Rheinmetall im Juli bereits die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2022 leicht heruntergefahren. Damals revidierten Papperger und Co. bei gleichbleibender Gewinnprognose das Umsatzziel von bis dahin 15 bis 20 Prozent Wachstum auf nur noch 15 Prozent. Einer der wesentlichen Gründe für die Schwierigkeiten in der Sparte ist der Mangel an Halbleitern, der die Autobranche seit Beginn der Corona-Pandemie belastet. Vor allem deshalb ist der Umsatz in der Sparte zuletzt leicht auf 691 Millionen Euro gesunken. Im Bereich Materials and Trade (Systemkomponenten für Grundmotoren) meldet Rheinmetall zwar für die ersten sechs Monate ein Umsatzplus von satten 17 Prozent und ein stabiles operatives Ergebnis, aber die Marge hat sich insgesamt doch verschlechtert.