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Wirtschaftsverbände: Rente ab 63 erschwert Unternehmen die Personalplanung

Wirtschaftsverbände : Rente ab 63 erschwert Unternehmen die Personalplanung

In der Debatte um die Rente mit 63 haben sich die Wirtschaftsverbände mit Kritik zu Wort gemeldet. Sie rechnen auch in den kommenden Jahren mit steigenden Antragszahlen und warnen vor den Konsequenzen.

Die Rente mit 63 führe nicht nur zu milliardenschweren Mehrbelastungen in der Rentenversicherung, sagte Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Vielen Unternehmen falle es auch immer schwerer, passenden Ersatz für die Fachkräfte zu finden.

Das bleibe nicht ohne Folgen: "Fehlende Fachkräfte erweisen sich in den Betrieben oft als Wachstums- und Innovationsbremse. Wie wir aus Betrieben hören, ist in den nächsten Jahren mit einer weiter steigenden Zahl der Anträge zu rechnen."

Seit Anfang Juli können Arbeitnehmer mit 45 Versicherungsjahren bereits zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze abschlagsfrei in den Ruhestand gehen. Derzeit gibt es eine hohe Nachfrage nach der Rente ab 63.

Auch das Handwerk sorgt sich um die Fachkräfte. Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des deutschen Handwerks, sagte: "Die Personalplanung der Betriebe ist Makulatur." Er kritisiert, dass die Bundesregierung die Folgen nicht besser abgeschätzt habe.

Viele Betriebe haben laut dem Verband nun kaum Zeit, sich auf die Situation einzustellen. Darunter müsse die Produktivität der Betriebe zwangsläufig leiden. Der Verband fordert nun eine Lösung bei der Teilzeitrente, um Mitarbeiter wenigstens im Rahmen einer Teilzeittätigkeit im Betrieb halten und die Übergänge flexibler gestalten zu können.

Wie unsere Zeitung berichtete, liegen die Kosten für die Rente ab 63 deutlich höher als zunächst angenommen. Der ursprüngliche Gesetzentwurf des Arbeitsministeriums wies aus, dass für das laufende Jahr mit 0,9 Milliarden Euro gerechnet werde und für 2015 mit drei Milliarden statt 1,5 Milliarden Euro.

Das Arbeitsministerium verwies wiederum darauf, dass die höheren Kosten in den kommenden beiden Jahren nur zu einem geringen Umfang aufgrund höherer Nachfrage nach der Rente ab 63 zustande kämen. Für 2014 seien dies 100 Millionen Euro. Weitere 250 Millionen Euro Kosten entstünden durch Ausfälle bei den Beiträgen. Die übrigen zusätzlichen Kosten kämen hinzu, weil auch die Zeiten von freiwillig Versicherten angerechnet würden. Dies sei im ursprünglichen Gesetzesentwurf nicht geplant gewesen.

Der Rentenexperte der Grünen, Markus Kurth, warf der Regierung vor, nur "scheibchenweise" mit den wahren Kosten der Rente ab 63 herauszurücken. Selbst für Eingeweihte sei es unklar, wie viele Personen langfristig abschlagsfrei mit 63 Jahren in Rente gingen.

(qua, frin)