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Neuer Karstadt-Eigentümer: René Benko - Aufstieg eines Abbrechers

Neuer Karstadt-Eigentümer : René Benko - Aufstieg eines Abbrechers

Der 37-jährige Karstadt-Eigentümer wurde einst als Wunderkind gefeiert. Er hat sich ein Multimillionen-Imperium gebaut und schart einen illustren Beraterkreis um sich. Dass er nun in Österreich als vorbestraft gilt, trübt indes das Bild.

Ein Mittdreißiger, der sich auf politischem wie gesellschaftlichem Parkett gleichermaßen geschickt bewegt, der am Gardasee wählen kann, ob er mit dem eigenen Hubschrauber fliegt oder doch lieber mit seinem Ferrari fährt, der schon als Twen über ein aberwitziges Vermögen verfügte, von dem andere ein Leben lang träumen - das ist genug Stoff fürs Kino. Und vielleicht verfilmt ja tatsächlich irgendwann mal jemand das Leben von René Benko. Dann taucht womöglich auch das eine oder andere Karstadt-Warenhaus auf der Leinwand auf - wo doch die Komplett-Übernahme des Traditionskonzerns durch Benko offenbar unmittelbar bevorsteht. Die Immobilienholding Signa, die der Familie Benko gehört, würde Alleineigentümer, nachdem sie schon 75 Prozent der Anteile am Sporthaus-und am Premium-Geschäft gekauft hatte und mehrere Warenhaus-Immobilien besaß.

Bis vor drei Jahren kannten in Deutschland die wenigsten den Namen René Benko. Dann schickte sich der Ehemann und Vater von drei Kindern, der auf Bildern immer jungenhaft wirkt, an, die deutsche Warenhaus-Branche aufzumischen. Er wollte der Metro deren Tochter Galeria Kaufhof abkaufen, aber letztlich scheiterte der Deal. Und so schien das Kapitel "Einzelhandel in Deutschland" für Benko schon beendet - bis er bei Karstadt einstieg und den Spekulationen um eine Warenhaus-Großfusion neue Nahrung lieferte. Das ist jetzt wieder so. Benko durfte damals vier Monate den sogenannten Datenraum bei Galeria Kaufhof inspizieren und weiß, wo bei beiden Unternehmen die Überkapazitäten liegen und was zusammenpasst. Und vor allem, was in sein Immobilien-Konzept passt. Wer sich das "Kaufhaus Tyrol" im Herzen von Innsbruck anschaut, bekommt eine Vorstellung davon, wie es mit Karstadt weitergehen könnte. Eine kleinteilige "City-Shopping-Welt" mit vielen Einzelanbietern. 55 Shops auf 33 000 Quadratmetern und fünf Stockwerken. Die rentabel erscheinendste Möglichkeit, mit den dazugehörigen Immobilie Geld zu verdienen.

Immobilien prägen Benkos Leben. Vor 15 Jahren - da war er gerade mal 22 - gründete er die Signa-Gruppe. Damals begann die Karriere eines Mannes, dessen Berater- und Partnerkreis mittlerweile zu einer illustren Schar geworden ist - angefangen von dem früheren österreichischen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer über Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und den griechischen Reeder George Economou bis hin zum israelischen Diamantenhändler Beny Steinmetz, mit dem er den Kauf des KaDeWe in Berlin vollzog. Steinmetz und Benko hätten sich damals nur wenige Wochen gekannt, heißt es, aber die hätten Steinmetz genügt. Sein Vertrauen war so groß, dass er seinem neuen Partner rund 550 Millionen Euro überließ - seinerzeit die Hälfte des gesamten Karstadt-Investments.

Das ist gemeinhin nicht der vorgezeichnete Lebensweg für jemanden, der mit 17 die Schule abgebrochen hat. Der junge Benko, Sohn eines städtischen Angestellten und einer Kindergärtnerin, hat sogar sein Abitur verpasst, weil er anderswo Dachböden renovierte. Dafür entdeckte er dort Kostbarkeiten, die bei den Eigentümern in Vergessenheit geraten waren, und machte sie zu Geld. In seiner Heimat galt er schon als Wunderkind, als hierzulande noch kaum jemand von ihm Notiz genommen hatte, er war früh Millionär, ist längst Multi-Millionär. Er war "Tiroler des Jahres", "Mann des Jahres", "Immobilienmanager des Jahres", er hat eine Frau geheiratet, mit der Ex-Fußball-Star David Beckham (Manchester United, Real Madrid) mal mehr oder weniger eng liiert war. So bedient man das allgemeine Bild von schillerndem Leben.

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René Benko, ein Mann ohne Makel, einfach nur spektakulär, Glamour-Figur, perfekter Menschenfänger? Nein. Seit Montag gilt Benko in Österreich als vorbestraft. Er hat auch beim Obersten Gerichtshof verloren in einem Prozess, der ihm im August 2013 eine Verurteilung wegen "versuchter verbotener Intervention" eingebrockt hatte. Benko hatte über seinen Steuerberater in Italien Einfluss auf ein Verfahren nehmen wollen. Nun ist er also vorbestraft. "Aber nur in Österreich, nicht in Deutschland", hat sein Sprecher dazu gesagt. Vorsichtshalber, damit kein Kritiker sagen kann, Karstadt habe schon wieder einen zweifelhaften Eigentümer.

(RP)