Airline stoppte den Betrieb ohne Vorwarnung: Regierung leitet Verfahren gegen Spanair ein

Airline stoppte den Betrieb ohne Vorwarnung : Regierung leitet Verfahren gegen Spanair ein

Sämtliche Maschinen der angeschlagenen Fluggesellschaft Spaniar bleiben vorerst am Boden. Mehr als 22.000 Passagiere waren betroffen - nun drohen der Fluggesellschaft hohe Strafen. Verkehrsministerin Ana Pastor kündigte am Samstag an, dass die Regierung ein Verfahren gegen die Arline eingeleitet habe.

Der pleitebedrohten spanischen Fluggesellschaft Spanair drohen wegen der Einstellung des Betriebs hohe Strafen. Spanair könnte demnach zur Zahlung von Geldbußen im Umfang von insgesamt neun Millionen Euro verurteilt werden.

Spanair hatte in der Nacht zum Samstag ohne Vorankündigung den Betrieb angesichts der finanziell schlechten Aussichten vollständig eingestellt. Gut 22.700 Passagiere waren von der Maßnahme betroffen und mussten auf andere Flüge umgebucht werden. Nach Angaben von Pastor sollen an diesem Wochenende und am Montag insgesamt 647 Flüge ausfallen.

Passagiere wurden gebeten, für "umfassende Informationen" auf der Internetseite der Fluggesellschaft nachzusehen. Am Samstag war das Online-Portal der Spanair jedoch zeitweise nicht erreichbar.

Pastor beschuldigte Spanair, das Unternehmen habe gegen die Verpflichtung verstoßen, eine kontinuierliche Dienstleistung zu garantieren. Außerdem habe Spanair die Rechte der Passagiere nicht respektiert. Für beide Verstöße könnte der Fluggesellschaft eine Geldstrafe von je 4,5 Millionen Euro auferlegt werden. Zudem könnte die Lizenz entzogen werden, sagte die Verkehrsministerin.

Die spanischen Gewerkschaften forderten, dass die von starken Verlusten und hohen Schulden gebeutelte Airline mit Blick auf die schwierige Situation der Mitarbeiter so schnell wie möglich ein Konkursverfahren einleitet.

Spanair war in eine finanziell prekäre Lage geraten, nachdem Qatar Airways bekanntgegeben hatte, dass man nicht beim katalanischen Unternehmen einsteigen wolle. Zusätzlich hatte die Regionalregierung von Katalonien am Freitag erklärt, sie könne Spanair nicht länger finanziell unterstützen. Das "derzeitige Wirtschaftsklima" und die "europäische Gesetzgebung bezüglich des Wettbewerbs" machten dies unmöglich. Das für den Luftverkehr zuständige spanische Ministerium veröffentlichte eine Erklärung, in der es die Spanair aufforderte, "seine Verpflichtungen gegenüber den Passagieren zu erfüllen". Das Ministerium koordiniere alternative Transportmöglichkeiten.

Die 1986 gegründete Fluggesellschaft hatte 2010 einen Verlust von 115 Millionen Euro eingeflogen, im Jahr zuvor waren es 186 Millionen Euro. 2011 hatte die frühere Tochter der skandinavischen SAS insgesamt 12,5 Millionen Passagiere befördert. Spanair beschäftigt direkt und indirekt mehr als 4000 Mitarbeiter.

Spanair ist die viertgrößte Fluggesellschaft Spaniens und verfügt über eine Flotte von 36 mehrheitlich schon älteren Flugzeugen. Bis zuletzt flog sie 19 nationale und 24 internationale Ziele an. Das Unternehmen war allerdings schon seit Jahren in finanziellen Schwierigkeiten.

Ein Spanair-Flieger war im August 2008 kurz nach dem Start auf dem Flughafen Madrid-Barajas abgestürzt und in Flammen aufgegangen. Von 172 Menschen an Bord kamen 154 ums Leben.

Die skandinavische SAS verkaufte Spanair kurz nach dem Unglück an das Tourismusunternehmen Consorci de Tourisme de Barcelona und die Privatinvestoren Catalana dIniciatives. Da sie aber weiterhin eine Beteiligung von elf Prozent hält, kündigte sie nun Abschreibungen in Höhe von insgesamt etwa 1,7 Milliarden Schwedischen Kronen (190 Millionen Euro) an. Wie das Unternehmen am Freitagabend auf seiner Internetseite mitteilte, ergibt sich die Summe aus noch ausstehenden Forderungen, aus Garantien sowie aus Kosten durch die Einstellung des Betriebs von Spanair. Auswirkung auf das laufende Geschäft hätten die Abschreibungen dank guter Vorbereitung kaum, hieß es.

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(APD/dpa)