Warenhauskette meldet Insolvenz an Wie es bei Real jetzt weitergeht

Mönchengladbach · Der Geschäftsbetrieb wird bis auf Weiteres fortgeführt, andere Handelsunternehmen sollen möglichst zusätzliche Standorte übernehmen. Aber ein Teil der Filialen wird wohl keinen Abnehmer finden.

 Real steckt seit Jahren in der Krise.

Real steckt seit Jahren in der Krise.

Foto: dpa/Oliver Berg

Kurz nach der erneuten Übernahme durch den Investor SCP hat sich bei der Warenhauskette Real die Krise massiv verschärft. Die Real GmbH hat am Freitag beim Amtsgericht Düsseldorf einen Insolvenzantrag gestellt. Ein Verfahren in Eigenverwaltung solle es dem Unternehmen ermöglichen, „den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten und gleichzeitig Verhandlungen mit Wettbewerbern über die mögliche Übernahme von ‚mein real‘-Standorten zu führen“, teilte Real mit. Bei einer Eigenverwaltung bleibt die amtierende Geschäftsführung im Amt, ihr wird dann ein Sachwalter zur Seite gestellt.. Das Amtsgericht Düsseldorf bestätigte auf Anfrage den Eingang und die Anordnung eines Insolvenzeröffnungsverfahrens.

Nach aktuellem Stand wird das Unternehmen also ausgeschlachtet, eine Komplettübernahme des Warenhaus-Betreibers, die SCP noch im August ins Auge gefasst hatte, ist wohl endgültig vom Tisch. Der russische Investor hatte Real vor drei Jahren von der Metro übernommen und anschließend bis Juni des vergangenen Jahres rund 160 Standorte vor allem an Kaufland, Edeka, Globus und Rewe abgegeben. Ein weiterer Teil wurde geschlossen. Im Juni 2022 kaufte das Frankfurter Family Office Tischendorf Real, gab es aber schon elf Monate später nach dreistelligen Millionenverlusten an SCP zurück.

Real-Chef Bojan Luncer erklärte am Freitag: „Wir haben das Unternehmen im Mai in einer Krisensituation übernommen und alle Anstrengungen darauf ausgerichtet, es mit einem tragfähigen Konzept zurück auf die Erfolgsspur zu bringen. Trotz umfassender operativer Verbesserungen konnten zuvor getroffene fehlgeleitete operative Managemententscheidungen vor dem Hintergrund des herausfordernden gesamtwirtschaftlichen Umfelds nicht schnell genug korrigiert werden.“

Was jetzt übrig geblieben ist, könnte für Käufer weniger attraktiv sein, weil Vermieter beispielsweise nicht bereit sind, bei den Mieten Nachlässe zu gewähren, weil das Geschäft in diesen Häusern ohnehin schlechter läuft oder weil diese Häuser aus anderen Gründen nicht ins Portfolio eines möglichen Käufers passen. „Die Geschäftsführung wird alle Anstrengungen zur Restrukturierung gemeinsam mit einem Sachwalter unternehmen, mit dem Ziel, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten“, teilte Real mit. Der Kölner Handelskonzern Rewe unterstütze dies als strategischer Partner. Aktuell hat Real nach eigenen Angaben noch etwa 5000 Beschäftigte. In Nordrhein-Westfalen gibt es  noch 13 Niederlassungen: Coesfeld, Dinslaken, Düsseldorf, Euskirchen, Gelsenkirchen, Hagen, Heiligenhaus, Herne, Kamp-Lintfort, Köln, Monschau, Wuppertal und Wülfrath.

Der Insolvenzantrag ist der vorläufige Tiefpunkt hinter eine jahrelange Krise bei Real. Schon zu Metro-Zeiten galt die Kette als schwächster Teil der Handelsfamilie, den in den 2000-er Jahren bereits der damalige Vorstandsvorsitzende Eckhard Cordes loswerden wollte. Perfekt machte den Deal dann aber mehr als ein Jahrzehnt später erst Cordes‘ Nachfolger Olaf Koch, unter dem in den ersten Jahren seiner Amtszeit stückweise das Auslandsgeschäft verkauft wurde, ehe es 2015 auch in Deutschland ans Eingemachte ging: Real kündigte den Flächentarifvertrag, es wurden Niederlassungen geschlossen. Der Flächentarifvertrag wurde durch einen mit der Gewerkschaft Verdi geschlossene sogenannten Zukunftstarifvertrag ersetzt, ohne dass die Lage des Unternehmens sich besserte. 2018 kam Real erneut auf die Metro-Verkaufsliste, nach zähen Verhandlungen bekam SCP gemeinsam mit dem Immobilieninvestor X-Bricks den Zuschlag.

Jetzt also ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Wie viele tatsächlich weitergeführt werden können, bleibt offen. Der Mönchengladbacher Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein hatte in der vergangenen Woche unserer Redaktion gesagt, aus seiner Sicht sei nur ein Drittel der Häuser dauerhaft überlebensfähig.