Berlins Flughafen-Chef: Rainer Schwarz soll entmachtet werden

Berlins Flughafen-Chef : Rainer Schwarz soll entmachtet werden

Der Geschäftsführer des Berliner Großflughafen BER, Rainer Schwarz, soll nach den Pannen und den mehrfachen Verschiebungen des Eröffnungstermins entmachtet werden.

Schwarz soll künftig nicht mehr als Sprecher der Geschäftsführung fungieren und lediglich den laufenden Betrieb der Flughäfen Tegel und Schönefeld verantworten, erfuhr unsere Redaktion aus einer Verabredung der Eigentümer Bund, Berlin und Brandenburg. Die Finanzhoheit für den Bau des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg-International, Kürzel BER, soll dem 55-jährigen Flughafen-Chef entzogen und einem neuen Manager übertragen werden, der derzeit noch gesucht wird.

Im Gespräch ist nach Informationen unserer Redaktion in Berliner Regierungskreisen der bisherige Finanzchef des Münchner Airports, Thomas Weyer. Weyer war bereits von 2004 bis 2008 für die Planung des Berliner Großflughafens zuständig, gab den Posten aber nach internen Streitigkeiten entnervt auf. Sein Haus in Berlin soll Weyer allerdings stets behalten haben. Anfang 2004 war Weyer von dem in der Flughafenplanung erfahrenen Baukonzern Hochtief als Geschäftsführer Technik in das Planungsunternehmen für den neuen Berliner Flughafen gewechselt.

Unter seiner Regie erfolgte etwa die Neuausschreibung des Terminalbaus, nachdem die ursprünglichen Angebote den geplanten Kostenrahmen weit überschritten hatten. Mit den Gegebenheiten des Flughafens ist Weyer also vertraut. Neben dem neuen Technik-Chef Horst Amann soll Weyer nach Informationen unserer Redaktion das Projekt nun zu Ende bringen. Er soll den Angaben zufolge auch Sprecher der Geschäftsführung werden.

Die Flughafen München GmbH (FMG) weist diese Darstellung zurück. Weyer stünde für einen Wechsel nicht zur Verfügung. Es habe diesbezüglich auch keinerlei Gespräche zwischen Thomas Weyer und den Gesellschaftern der Berliner Flughäfen gegegeben.

Bund drohte mit Blockade finanzieller Mittel

Bisher sträubte sich vor allem Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Chef des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft, gegen eine Ablösung von Geschäftsführer Rainer Schwarz. Doch nachdem nun angeblich das Bundesverkehrsministerium, Eigentümer des Hauptstadtairports sind der Bund, Brandenburg und Berlin, intern signalisiert haben soll, dass weitere finanzielle Mittel an personelle Veränderungen in der Geschäftsführung geknüpft würden, sollen Wowereit und Platzeck die Personalrochade vorgeschlagen haben.

Die Gesamtkosten des Flughafens belaufen sich inzwischen auf 4,3 Milliarden Euro. Das ist etwa doppelt so viel wie beim Baustart im Jahr 2006 angenommen. Alleine Berlin soll 444 Millionen Euro mehr zahlen als ursprünglich geplant. Der Bund soll knapp 300 Millionen Euro nachschießen, was die Koalitionsregierung aus Union und FDP bisher ablehnt. Nach mehreren Verschiebungen für den ERöffnungstermin einigte sich der Aufsichtsrat des Flughafens inzwischen auf den 27. Oktober 2013 als Starttermin für den Betrieb des Airports. Die Eröffnung am 3. Juni dieses Jahres war kurzfristig geplatzt, weil die Brandschutzanlage nicht rechtzeitig fertig wurde.

5500 000 Euro erhält Flughafen-Chef Schwarz

Wegen der Pannen steht Flughafen-Chef Rainer Schwarz seit Wochen unter Druck. Der 55-Jährige, der vor seinem Engagement in Berlin Geschäftsführer des Düsseldorfer Flughafens war, soll angeblich auch Kürzungen bei seinem Gehalt hinnehmen. So wollen die Eigentümer dem Manager die Bonuszahlungen für dieses und das vergangene Jahr streichen. Unter den Chefs der Berliner Landesunternehmen liegt Schwarz mit Jahresbezügen von angeblich 555000 Euro an zweiter Stelle. Sein Grundgehalt beträgt laut Geschäftsbericht rund 318000 Euro. Nach Angaben der "Bild am Sonntag" hat Schwarz zudem bei Vollendung seines 65. Lebensjahres einen Pensionsanspruch von drei Prozent seines Grundgehaltes für jedes vollendete Dienstjahr. Als Höchstsatz würden ihm als Pension 45 Prozent seines Gehalts lebenslang zustehen, also 142.875 Euro im Jahr.

(brö)
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