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Ackermanns Erben: Radikalumbau der Deutschen Bank eingeleitet

Ackermanns Erben : Radikalumbau der Deutschen Bank eingeleitet

Die Deutsche Bank ist im Umbruch. Ende Mai endet nach zehn Jahren die Ära Ackermann. Seine Nachfolger stellen anscheinend bereits die Weichen für die Zeit danach. Die neue Führungsmannschaft nimmt Formen an.

Offiziell verlässt Josef Ackermann die Deutsche Bank erst am 31. Mai. Doch seine Macht schwindet wohl schneller als erwartet. Die Altlast Kirch-Prozess bekam der Schweizer nicht vom Tisch, weil sich in der Bank keine Mehrheit für den ausgehandelten Millionenvergleich fand.

Nun scharen seine Nachfolger noch vor der Amtsübernahme ihre Getreuen um sich - und setzen Ackermann-Vertrauten den Stuhl vor die Tür. So zumindest sind auf den ersten Blick die Meldungen zu deuten, die aus den Frankfurter Zwillingstürmen nach außen sickerten.

Von einem "stillen Putsch" ist am Donnerstag in Medienberichten die Rede, von der "Entsorgung von Altmanagern", von "Abschusslisten".
Nach Harmonie, die Ackermann zur Jahresbilanz Anfang Februar beschwor, klingt das nicht. "Wir sind zehn Jahre ein stabiles Team gewesen", sagte der scheidende Vorstandsvorsitzende damals.

Nägel mit Köpfen

Bald-Chef Anshu Jain war zwar nicht sein Favorit für die Nachfolge, hätte in jedem Fall aber weiterhin "eine ganz prominente Rolle" in Deutschlands größter Bank gespielt, beteuerte Ackermann.

Nun versuchen Jain (48) und Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen (63)
anscheinend Nägel mit Köpfen zu machen, noch bevor sie offiziell ihre neuen Posten übernehmen. Risikovorstand Hugo Bänziger - der als ein Kandidat für die Ackermann-Nachfolge galt - soll angeblich ebenso gehen wie Personal- und IT-Vorstand Hermann-Josef Lamberti.

Im Gegenzug stehen drei Manager auf dem Sprung in den Vorstand, die dem Vernehmen nach dem künftigen Führungsduo nahe stehen: Für Personal, Recht und das Europageschäft soll der Investmentbanker Stephan Leithner zuständig sein, als Nachfolger Lambertis ist angeblich der Jain-Vertraute Henry Ritchotte vorgesehen, neuer Risikochef soll der Amerikaner William Broeksmit (Spitzname "Dr. No") werden.

Undichte Stelle

Mit den neuen Gesichtern soll sich auch die Aufstellung der Geschäftsfelder ändern. "Mehr Teamplay, weniger Silodenken, Verteilung der Verantwortung auf mehr Schultern: alles in Ordnung, wiewohl es kein Patentrezept gibt, wie heutzutage eine global agierende Großbank zu führen ist", kommentiert die "Börsen-Zeitung" (Donnerstag) und erinnert zugleich daran, dass Jain und Fitschen seit Jahren Vorstandsverantwortung tragen und mögliche Schwächen in der Struktur der Bank hätten reformieren können.

Dass die Personalpläne über "Bild"-Zeitung und "Welt" in die Öffentlichkeit sickerten, noch bevor der Aufsichtsrat sie abschließend gebilligt hat, sorgt für Kopfschütteln. Selbst in der Bank scheinen viele von den Entwicklungen überrumpelt, zu den "Marktgerüchten" hüllt man sich vorsorglich in Schweigen. Im Aufsichtsrat sind Personalien zunächst Sache des vierköpfigen Präsidialausschusses, dem Noch-Aufsichtsratschef Clemens Börsig vorsitzt. Der Kreis der Mitwisser dürfte eng begrenzt sein.

Die Kommunikation erinnert an den Sommer 2011, als im wochenlangen Gezerre um einen Ackermann-Nachfolger die unterschiedlichen Lager Spekulationen lancierten. Aufsichtsratsmitglied Marlehn Thieme beklagte seinerzeit eine "Schlammschlacht".

Sollte die neue Führung so aussehen wie durchgesickert, wofür einiges spricht, ist klar: Das Duo Jain/Fitschen will dem Institut nach zehn Jahren Ackermann rasch seinen eigenen Stempel aufdrücken.

Auch wenn das mit Milliarden gestärkte Privatkundengeschäft als wichtige Stütze bleibt: Entscheidende Schlüsselpositionen wären künftig mit Investmentbankern besetzt, in der Summe - so kritisieren Finanzpolitiker der schwarz-gelben Koalition bei "Handelsblatt Online" - würde die Deutsche Bank weniger deutsch.

(dpa)