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Düsseldorfer Unternehmen insolvent Was bei Peek & Cloppenburg schiefgelaufen ist

Düsseldorf · Der Düsseldorfer Modehändler kämpft mit den Folgen von Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Zusätzlich hat die Krise hausgemachte Gründe.

Eine Anzeigetafel an der Filiale im Weltstadthaus von Peek & Cloppenburg in Köln.

Eine Anzeigetafel an der Filiale im Weltstadthaus von Peek & Cloppenburg in Köln.

Foto: dpa/Oliver Berg

Immer, wenn in den vergangenen drei Jahren ein Unternehmen in eine schwere Krise geriet, mussten die Folgen der Pandemie und des Ukraine-Krieges zumindest mit als Gründe herhalten. Das ist im Falle des Düsseldorfer Modehändlers Peek & Cloppenburg, der jüngst ein Schutzschirmverfahren beantragt hat, nicht anders. Dreistelliger Millionenverlust in zwei Pandemie-Jahren, dann der Ukraine-Krieg mit steigenden Energiekosten und nachlassender Konsumlust bei Verbraucherinnen und Verbrauchern – kennt man alles, beispielsweise vom Essener Warenhauskonzern Galeria.

Aber das Negativumfeld im Handel ist nur ein Teil der Wahrheit: Natürlich haben zwei Lockdowns in Deutschland die Geschäfte im Nicht-Lebensmittelhandel in dieser Zeit maßgeblich beeinträchtigt, natürlich wirken die Folgen des Krieges nach. Aber wie bei Galeria hat auch bei Peek & Cloppenburg die Krise nach Expertenmeinung zusätzlich hausgemachte Gründe: „Der stationäre Handel hat in der Pandemie zweifellos Federn gelassen, aber es gibt kleine Händler, die auch in schwierigen Zeiten gut leben“, sagt der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein.

Wieder, müsste man sagen. Denn das Jahr 2022 hat bei manchen wegen des Nachholbedarfs eine Aufholjagd ausgelöst, das Umsatzminus im stationären Bekleidungshandel gegenüber 2019 beträgt nur noch 6,4 Prozent. Da sind auch Händler dabei, die das mittlere Preissegment bedienen. „Das Luxussegment und der Discountbereich funktionieren noch, aber in der Mitte bricht das Geschäft weg“, erklärte P&C-Geschäftsführer Thomas Freude – aber das stimmt in dieser Allgemeingültigkeit nicht.

Wie häufig liegt ein Kern des Problems im Internetauftritt. „P&C hat die Entwicklung von Anfang an verschlafen“, meint Heinemann. Ein Kardinalfehler sei gewesen, dass die Onlineshops zunächst von der 2013 gegründeten Fashion ID betrieben worden seien, anstatt dass Peek & Cloppenburg seinen eingeführten Markennamen in irgendeiner Form genutzt hätte.

P&C hat das seinerzeit mit der Namensgleichheit mit P&C Hamburg (vom Sohn eines P&C-Düsseldorf-Mitbegründers 1911 gegründet) und den damit verbundenen juristischen Problemen begründet, aber das reicht Heinemann nicht: „Man hätte andere Varianten wie nur Cloppenburg auch für das stationäre Geschäft wählen können.“ 2016 ging www.peek-cloppenburg.de dann doch, vor einem Jahr kündigte P&C das Ende von Fashion ID an.

Jetzt bewegt sich der Konzern in dem Bemühen, stationäres und digitales Geschäft branchentypisch zu verzahnen, irgendwo zwischen den Welten. Einerseits will Geschäftsführer Freude „unverändert an unserer Multibrand-Omnichannel-Strategie festhalten“. Aber: Der Fokus liege jetzt „klar auf unserem Kerngeschäft im stationären Einzelhandel und damit bei unseren Stores“.

Online bleibe ein wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells, doch hier wolle man zurückhaltender agieren als in den Jahren zuvor. Hohen Investitionen in der Vergangenheit hätten keine entsprechenden Erträge gegenübergestanden, räumt P&C ein, also wird da gespart, bei Marketing und Logistik. Dabei kommt die Kundschaft womöglich nicht mehr in dem Ausmaß in die Stores wie vor der Pandemie, so wird Online also eher wichtiger.

Auf jeden Fall, so hat der Konzern angekündigt, sollen die Niederlassungen erhalten bleiben. Daran hat Heinemann erhebliche Zweifel: „Ein Insolvenzverfahren führt im stationären Handel in der Regel dazu, dass mindestens ein Drittel der Filialen geschlossen werden.“ Mit entsprechenden Verlusten an Arbeitsplätzen in den Häusern.

Dem widerspricht P&C bisher: „Es geht nicht darum, Häuser zu schließen oder auf der Fläche Personal einzusparen. Unsere Verkaufshäuser sind nach wie vor Magneten in den Innenstädten“, heißt es. Aber wenn man mit alteingesessenen Kundinnen und Kunden redet, dann vermissen die schon jetzt mitunter das Personal auf der Fläche, von dem sie sich eigentlich die Beratung für ihren Einkauf gewünscht hätten. Und dass in manchen Städten alternative Nutzungskonzepte für zumindest Teile der P&C-Flächen diskutiert werden, spricht auch nicht dafür, dass alle an eine unveränderte Zukunft der Niederlassungen glauben.

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