1. Wirtschaft
  2. Unternehmen

PSA Peugeot will Opel kaufen

Autobranche : Peugeot will sich Opel krallen

Der US-Autobauer General Motors will seine deutsche Tochter an den französischen Konkurrenten PSA Peugeot Citroën abgeben - doch weder Politik noch Gewerkschaften wussten bislang Bescheid.

Die mögliche Übernahme des deutschen Autoherstellers Opel durch den französischen Konkurrenten PSA Peugeot Citroën sorgt für Ärger. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sagte, es sei nicht akzeptabel, dass die beiden Unternehmen Betriebsrat, die Gewerkschaft IG Metall sowie Landes- und Bundesregierung nicht vorab informiert hätten.

Gestern war überraschend bekanntgeworden, dass der US-Autobauer General Motors (GM) einen Verkauf seiner kriselnden deutschen Tochter Opel sowie deren britischer Schwestermarke Vauxhall an den französischen Konkurrenten Peugeot prüft. Die Gespräche sind laut Nachrichtenagentur Reuters in einem fortgeschrittenen Stadium. Ein Abschluss könne binnen weniger Tage verkündet werden. Die Konzerne geben sich zurückhaltender. Man lote verschiedene Möglichkeiten zur Expansion und Kooperation aus, teilte GM mit. Es sei jedoch noch ungewiss, ob eine Einigung erzielt werde.

38.200 Mitarbeiter in Europa

Politik und Gewerkschaften wurden von den Verhandlungen kalt erwischt. Sollte die Nachricht stimmen, hieß es in einer Erklärung der Gewerkschaft IG Metall und des Opel-Betriebsrates, "wäre das eine beispiellose Verletzung sämtlicher deutscher wie europäischer Mitbestimmungsrechte".

Opel gehört seit 1929 zu GM, kämpfte allerdings zuletzt mit hohen Verlusten. Das Unternehmen, das in Europa 38.200 Mitarbeiter beschäftigt, tauschte deshalb mehrfach die Chefs aus und schloss unter anderem ein Werk in Bochum. Mit neuen Modellen liefen die Geschäfte zwar zuletzt besser, Opel verpasste jedoch das Ziel, erstmals seit 1999 wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Stattdessen musste Opel-Chef Karl-Thomas Neumann ein Minus von umgerechnet 241 Millionen Euro für 2016 bekanntgeben.

Auch der französische Konzern PSA Peugeot Citroën durchlief zuletzt einem harten Sanierungskurs. Durch die Übernahme von Opel/Vauxhall könnten die Franzosen allerdings wieder zum zweitgrößten europäischen Autohersteller hinter Volkswagen aufsteigen. Diesen Rang belegt aktuell Konkurrent Renault. Die französische Regierung, die rund 14 Prozent an Peugeot hält, unterstützt angeblich die Übernahme-Pläne.

Experten bleiben skeptisch

Deutsche Politiker äußerten sich verhalten. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) forderte, dass es für die Mitarbeiter von Opel keine Hängepartie geben dürfe. Im hessischen Rüsselsheim hat Opel seinen Hauptsitz. Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee sagte: "Für mich ist wichtig, dass Opel als Marke und der Standort Eisenach erhalten bleibt und die Beschäftigten eine langfristige Perspektive bekommen." Der SPD-Politiker hofft, dass es vielleicht sogar eine neue Perspektive für das Werk gebe. Ähnlich äußerte sich die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) über das Werk in Kaiserslautern.

Doch Branchen-Experten sind skeptisch. "Das Risiko in Eisenach und Kaiserslautern ist mit dem heutigen Tag erheblich gestiegen", sagte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen: "Eins und eins ergibt in diesem Fall nicht zwei, sondern eineinhalb." Noch drastischer formulierte es ein Börsen-Analyst: "Wenn sich zwei Lahme zusammentun, wird kein Gesunder daraus." Auch Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, befürchtet harte Einschnitte. Beide Unternehmen würden sich sicherlich die Frage stellen, ob alle Standorte noch gebraucht würden, sagte Bratzel.

(RP)