Porträt: Frank Thelen - Der König der Löwen

Star in Gründer- und Startupszene: Frank Thelen - Der König der Löwen

Frank Thelen wurde durch die TV-Show "Die Höhle der Löwen" zum Star der Gründerszene. Nun will er mit seinen Plänen und Projekten hoch hinaus.

Frank Thelen steht auf der Bühne und spricht über seine Erfolge, aber innerlich kocht er. Immer wieder blickt er zum Bühnenrand, wo hektisch versucht wird, Thelens vorbereitete Präsentation ans Laufen zu kriegen. Doch es dauert - und man möchte nicht in der Haut desjenigen stecken, der es verbockt hat. Der Startup-Investor pflegt eine ziemlich direkte Art der Kommunikation. No bullshit, nennt er das.

Millionen Zuschauer erlebten das zuletzt auch wöchentlich bei Vox, wo Thelen in der Gründershow "Die Höhle der Löwen" mit anderen Investoren um Firmenanteile von Start-ups buhlte. Auch da spricht er mit den Gründern häufig Klartext.

Alle Technik-Trends verpasst?

So wie auf der Messe StartupCon in Köln, wo Hunderte Zuschauer seinem Vortrag lauschen. Thelen schimpft auf die Europäer, die fast alle wichtigen Technik-Trends verpasst hätten. Es ist eine Botschaft, die er häufig verbreitet. Ähnlich klang er auch am Freitag, als er beim Treffen der CSU-Landesgruppe im Kloster Seeon auftrat.

Dabei ist es ironischerweise ausgerechnet der Mangel an anderen europäischen Erfolgsgeschichten, der ihn momentan so gefragt macht. Denn Thelen ist so etwas wie die kleinere deutsche Version des Tesla-Gründers Elon Musk - eine Art Mittelständler-Entrepreneur, dessen Start-ups zwar keine Milliarden-Konzerne wurden, aber für deutsche Verhältnisse erfolgreich: Er hat in die Verwaltungs-App Wunderlist investiert, die Microsoft kaufte, in die Taxi-App Mytaxi, die Daimler übernahm, und in das digitale Einkaufsprospekt-Portal Kaufda, das an Axel Springer ging.

"Wir müssen Jugendlichen Helden geben. Warum spielen sie Fußball? Weil sie werden wollen wie Philipp Lahm", sagt Thelen bei einem Treffen in Bonn. Vorbilder bräuchte es auch in der Wirtschaft. "Die Kinder sollen sagen: Der baut so eine geile Rakete, das will ich auch machen."

"Totaler Loser"

Der 42-Jährige könnte so jemand sein, denn er beherrscht etwas, was auch die großen Tech-Stars aus den USA können: Er erzählt gute Geschichten. Auch sein Aufstieg wird da schnell mal zum perfekten Märchen, in dem ein "totaler Loser" (O-Ton Thelen) zum Millionär wird. Die Geschichte geht ungefähr so:

Es war einmal ein Junge in Bonn, auf den niemand so wirklich setzte; der das Gymnasium verlassen musste und dann auf die Realschule ging, "in einem harten Viertel, wo nur Sportlehrer Pausenaufsicht machen durften und auch mal Waffen gehandelt wurden". Der früher nur Skateboard fuhr, bei einem Praktikum seine Leidenschaft für Technik entdeckte, ein Start-up gründete, 1,4 Millionen Mark Wagniskapital bekam, sich eine weitere Million lieh - und alles verlor, als die Firma pleite ging.

Mit Mitte 20 stand Thelen mit mehr als einer Million Mark Schulden da. Ihm drohte die Privatinsolvenz, vor lauter Stress bekam er häufig Nasenbluten. Er verhandelte mit der Bank, schloss einen Vergleich - und zahlte bis vor wenigen Jahren monatlich 500 Euro ab.

Nach der Pleite war es eine Online-Plattform für Fotos, die er 2008 an Fujifilm verkaufte, die ihn zum Multimillionär machte. Und nun soll es Lilium Aviation sein, das Thelens Karriere auf das nächste Level hebt.

Er hat früh in das Start-up aus der Nähe von München investiert, das ein Flugzeug baut, das senkrecht wie ein Helikopter aufsteigen und dann fliegen kann. "Wir wollen Verkehrsprobleme lösen", sagt er. Der Liliumjet solle mittelfristig eine Alternative zum Auto sein. Zuletzt konnte das Start-up 90 Millionen Dollar Kapital einsammeln, unter anderem vom chinesischen Konzern Tencent.

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Es sind Deals nach Thelens Geschmack: Früh mit eigenem Geld und großem Risiko einsteigen, aber dafür auch hohe Gewinne einstreichen, wenn die Wette aufgeht. Für 15 bis 20 Prozent der Anteile bekommen Start-ups nicht nur sein Geld, sondern Zugriff auf sein Netzwerk.

"Eine kluge Frau"

Doch inzwischen wirbt er auch für Suppen, Eiscreme oder Kräutermischungen. Es sind Investments aus "Die Höhle der Löwen". 2018 will er mit den Food-Start-ups 100 Millionen Euro Umsatz machen. "Die Food-Start-ups sind unsere stabile Basis und mit unseren Tech-Start-ups versuchen wir, bedeutende Tech-Player in Europa aufzubauen."

Es ist eine Gratwanderung, bei der der 42-Jährige aufpassen muss, dass er nicht zum Maskottchen wird. Zwar sagte er mal, dass er nicht der Dieter Bohlen des Gründertums werden wolle, doch gleichzeitig setzt Thelen viel daran, seine Medienpräsenz deutlich zu erhöhen.

Im Gespräch erwähnt er häufig, wen er inzwischen alles getroffen hat, dass er praktisch alle Minister kennt und die Bundeskanzlerin sowieso ("eine kluge Frau mit unglaublicher Energie"), auch wenn er sie nicht berate. Auch Christian Lindner und Thelen kennen sich gut, der FDP-Chef fragte den Bonner Investor zuletzt, ob er für die Partei den Bundespräsidenten mitwählen wolle.

Eigentlich sei er nie ein politischer Mensch gewesen, auch wenn er in der Vergangenheit Mitglied der CDU war und nun öffentlich mehrfach die FDP unterstützt hat. Doch nach dem Brexit-Votum und der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten habe er sich gedacht: "Verdammt, Frank, du würdest gerne mit dem Kram nichts zu tun haben, aber du kannst dich da nicht mehr raushalten. Du bist eine Person der Öffentlichkeit und wenn du nicht sagst, eine Linke oder eine AfD darf man nicht wählen, wer soll es sonst tun?"

Politiker wolle er aber noch nicht werden, ihm würde die Geduld fehlen, um in diesen ganzen Gremien zu sitzen, sagt Thelen, nur um dann hinterherzuschieben: "Aber könnte ich mir vorstellen, in zehn Jahren mal Minister zu sein? Vielleicht."

Thelen denkt gerne groß, passenderweise hat er seine neue Investment-Gesellschaft Freigeist genannt - und wenn seine Frau, eine Bonner Kieferorthopädin, anruft, ertönt Beethovens 5\., die Schicksalssymphonie.

Schwarzer Rollkragenpullover

Das Freigeist-Hauptquartier liegt in einem Bonner Gewerbegebiet am Rhein. Auf einem Regal in seinem Büro steht ein Porträt von Steve Jobs. Er ist für Thelen ein Vorbild, aber dass er genau wie der legendäre Apple-Chef auf bestimmte Kleidungsstücke bei öffentlichen Auftritten setze, bestreitet er lachend. Jobs hatte immer einen schwarzen Rollkragenpullover zu Jeans und Turnschuhen getragen, bei Thelen ist es oft ein schwarzes Hemd zu Jeans und Turnschuhen. Er trägt es bei Auftritten, beim CSU-Treffen, und auch damals in Köln.

Bei der StartupCon beantwortet er ein paar Minuten nach dem Präsentations-Fauxpas Fragen aus dem Publikum. Jeder solle seine Chance ergreifen, auch wenn es um das eigene Unternehmen geht, sagt Thelen. Eine Frau steht auf und sagt, sie und ihre Mitgründer hätten eine großartige Idee, und würden gerne fünf Minuten seiner Zeit haben.

Eigentlich hat Thelen keine Zeit für sowas, er bekommt täglich Post von Gründern, die ihm irgendwas zeigen wollen - und löscht alles rigoros. "Der Nachteil von ,Die Höhle der Löwen' ist, dass jetzt jeder, der ein Nagelstudio hat, denkt, er könnte daraus ein Millionen-Ding bauen", sagt er. Aber diesmal, hier in der Lanxess-Arena, lächelt er: "Sehr gut, weil ich es so gesagt habe, hast du gleich fünf Minuten." Das ist die andere Seite von Frank Thelen. Er steht zu seinem Wort. No bullshit.

(frin)
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