Porsche-Studie zeigt Potential von Flugtaxis

Studie zeigt Potential neuer Technik : Per Flugtaxi von Düsseldorf nach Köln

Die Zukunft der Mobilität liegt auch im Himmel, sind viele Experten überzeugt. Eine Studie zeigt nun, was mit Drohnen und Co. möglich ist. Schon in wenigen Jahren könnten sich unsere Städten dadurch verändern.

Als ZDF-Moderatorin Marietta Slomka die neue Staatsministerin für Digitales hartnäckig nach ihren Plänen und dem mangelnden Ausbau des schnellen Internets in Deutschland befragte, platzte es irgendwann aus Dorothee Bär heraus. Es gehe doch nicht nur um den Breitbandausbau, sondern auch darum, wofür man das Netz irgendwann nutzen könne, sagte die CSU-Politikerin, um dann anzufügen: „habe ich zum Beispiel die Möglichkeit, mit einem Flugtaxi durch die Gegend reisen zu können“.

Das Interview hat der Staatsministerin viel Häme eingebracht, viele hielten ihr Gerede von Flugtaxis für realitätsfern. Dabei hatte Bär nur ein Thema in die öffentliche Debatte eingebracht, über das sich digitale Vordenker schon lange Gedanken machen: Was kommt nach dem Auto?

Weltweit tüfteln Start-ups an solchen fliegenden Gefährten, im Silicon Valley, aber auch in Deutschland. Erste Testflüge zeigen, dass gar nicht mehr so viel Science Fiction, sondern sehr viel Realität in dem Thema steckt.

In einer aktuellen Studie hat die Digitalberatung Porsche Consulting nun unter anderem im Auftrag des Volkswagen-Konzerns untersucht, wie sich die Mobilität durch solche Flugtaxis bis zum Jahr 2035 verändern könnte. Ein Ergebnis: Schon ab 2025 könnten Passagiere Reisen von Düsseldorf nach Köln, Essen oder Bochum in wenigen Minuten per Flugtaxi zurücklegen, anstatt sich per Auto durch den zähen Berufsverkehr zu quälen.

Diese Grafik zeigt die mögliche Flugzeit per Lufttaxi von Düsseldorf in andere NRW-Städte. Foto: Schnettler

Laut der Studie könnten erste Flugtaxis nämlich bereits in rund sieben Jahren eine zusätzliche Mobilitätsoption sein – zunächst vermutlich in Großstädten weltweit. Sie könnten beispielsweise dabei helfen, Flughäfen und Stadtzentren zu verbinden. Ein Milliardenmarkt.

In Deutschland gibt es mit den Start-ups Volocopter und Lilium Aviation gleich zwei Unternehmen, die an (unterschiedlichen) Konzepten feilen: Während Volocopter aus dem baden-württembergischen Bruchsal einen sogenannten Multikopter baut, der mit seinen Rotorblättern ein wenig einem Hubschrauber oder aktuellen Drohnen von Hobbypiloten ähnelt, hat Lilium Aviation aus Bayern eine Art Flugzeug entwickelt, das senkrecht startet und dann wie ein Jet fliegen kann.

Gregor Grandl, Senior Partner bei Porsche Consulting und verantwortlich für die Studie „Vertikale Mobilität“, glaubt an die Chancen beider Konzepte: „Das Multikopter-Konzept ist technisch einfacher. Das könnte die Zulassung durch die Luftfahrtbehörden erleichtern“, sagt er. Multikopter könnten deshalb früher den Betrieb aufnehmen. Die aufwändigeren Tilt-x-Systeme mit schwenkbaren Tragflächen oder Rotoren, wie sie beispielsweise Lilium Aviation anbieten, erreichen höhere Geschwindigkeiten und können größere Distanzen überbrücken als Multikopter. „Insofern ergänzen sich die Konzepte – je nach Einsatzzweck“, so Grandl.

Dass bald der ganze Luftraum mit Drohnen verstopft sein wird, die Passagiere befördern, glauben die Forscher nicht. Selbst in Großstädten mit fünf bis zehn Millionen Menschen würden bis 2035 maximal 1000 Drohnen in Betrieb sein. Das liegt auch daran, dass die Kosten eines solchen Angebots zunächst noch hoch sein werden. Für die Strecke von Düsseldorf nach Essen veranschlagen die Berater einen Preis von 75 Euro. Zum Vergleich: Ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr kostet aktuell 12,50 Euro.

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