Pilotenstreik bei Ryanair 2018: 42.000 Passagiere bundesweit betroffen

24-Stunden-Pilotenstreik hat begonnen: 42.000 Ryanair-Passagiere bundesweit betroffen

Wegen des Pilotenstreiks müssen sich Flugkunden von Ryanair seit 3 Uhr auch in Nordrhein-Westfalen auf zahlreiche Flugausfälle einstellen. Bundesweit sind rund 42.000 Passagiere betroffen.

Beim irischen Billigflieger Ryanair hat der bislang härteste Pilotenstreik in der Geschichte des Unternehmens begonnen. Das bestätigte am Freitagmorgen ein Sprecher der deutschen Pilotengewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ (VC).

Allein am Flughafen Köln/Bonn wurden mehr als die Hälfte der für diesen Tag angesetzten Ryanairflüge gestrichen, wie ein Sprecher mitteilte. Von 54 Starts und Landungen seien 28 annulliert worden, hieß es. "Passagiere, die für Freitag einen Flug bei Ryanair oder Laudamotion gebucht haben, werden gebeten, sich auf der Website der Airline über ihren aktuellen Flugstatus zu informieren", teilte der Flughafen mit.

Auch am Flughafen der Landeshauptstadt Düsseldorf wurden sechs Verbindungen, also insgesamt 12 Flüge, abgesagt. Zwei Verbindungen beträfen Ryanair, vier weitere Laudamotion. Und am Ryanair-Stützpunkt Weeze wurden 16 der insgesamt 19 für diesen Tag angesetzten Abflüge annulliert, wie ein Sprecher sagte. Die Passagiere seien bereits informiert.

Der Ausstand in Deutschland begann um 03.01 Uhr und am Samstag um 02.59 Uhr enden. Die Piloten streiken für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter. Weitere Streiks in der Urlaubszeit hat die VC nicht ausgeschlossen, will sie aber mit einer Frist von 24 Stunden vorher ankündigen.

Der Pilotenstreik bei Ryanair in mehreren europäischen Ländern trifft an diesem Freitag rund 55.000 Passagiere - davon 42.000 allein in Deutschland. Sie konnten umbuchen oder sich ihre Tickets erstatten lassen. Weitere Entschädigungen lehnt Ryanair ab. Die irische Gesellschaft hat jeden sechsten ihrer rund 2400 geplanten Europaflüge abgesagt, weil in Deutschland, Belgien, Schweden, Irland und den Niederlanden die jeweiligen Pilotengewerkschaften ihre Mitglieder zu 24-Stunden-Streiks aufgerufen haben. Von den rund 400 Flugabsagen betreffen 250 die in Deutschland stationierten Maschinen und Crews.

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Ryanair habe offenbar mit massiven Ausfällen gerechnet und daher lieber gleich das gesamte Programm der deutschen Crews abgesagt, hatte ein Sprecher der Gewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ zuvor in Frankfurt erklärt. Das sei für das Unternehmen offenbar einfacher zu behandeln. Am Samstag soll der Betrieb wieder wie gewohnt laufen, hat Ryanair angekündigt.

Die abgestimmte Aktion ist der bislang größte Pilotenstreik in der Geschichte der größten Billig-Airline Europas, die erst seit Ende 2017 Gewerkschaften anerkennt. Vor zwei Wochen hatten zudem Flugbegleiter in Portugal, Spanien und Belgien über zwei Tage zusammen rund 600 Flüge mit knapp 100.000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen. Unter den europäischen Piloten haben bisher einzig die Iren an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ryanair hatte daraufhin den Abzug von sechs Jets samt 300 Arbeitsplätzen nach Polen angekündigt.

Der Streik endet wie angekündigt am Samstag um 2.59 Uhr. Eine Verlängerung sei nicht geplant, sagte der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Janis Schmitt. "Wir werden uns den heutigen Tag anschauen und bewerten. Wir hoffen, dass Ryanair unser Signal verstanden hat und dann zu ernsthaften Verhandlungen bereit ist."

Gewerkschaften und Ryanair beschuldigen sich gegenseitig, die seit rund sechs Monaten laufenden Verhandlungen zu blockieren. Die VC will bei der irischen Gesellschaft erstmals ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag etablieren und zieht dafür andere Fluggesellschaften als Muster heran. In den Vorschlägen sind zahlreiche Details etwa zu Dienstzeiten, Versetzungen oder Fixanteilen des Gehalts enthalten. Ryanair verweist auf vergleichsweise hohe Endgehälter ihrer Kapitäne und Copiloten. Das Unternehmen will keine Vereinbarungen treffen, die sein Niedrigkostenkonzept in Frage stellen würden.

(felt/dpa)
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