Machtprobe zur Urlaubszeit: Piloten drohen Lufthansa mit Blitz-Streik

Machtprobe zur Urlaubszeit : Piloten drohen Lufthansa mit Blitz-Streik

Der Lufthansa drohen Streiks noch in den Ferien. Die Piloten drohen dem Unternehmen: Ab "sofort" sei mit Ausständen zu rechnen. Kein Passagier werde aber erst auf dem Flughafen davon erfahren. Nicht nur für Urlauber, auch für den neuen Lufthansa-Chef Carsten Spohr kommt die Machtprobe zur denkbar schlechtesten Zeit.

Die drohenden Streiks der Lufthansa-Piloten könnten nach Angaben der Vereinigung Cockpit (VC) kurzfristiger angekündigt werden als bei der massiven Streikwelle im April. "Damals haben wir den Streik 72 Stunden vorab angekündigt", sagte Cockpit-Vorstandsmitglied Markus Wahl am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. "Jetzt ist es auch denkbar, dass wir diese Vorlauffrist ein wenig kürzer halten."

Zwar müsse "ab sofort" mit Streiks gerechnet werden, sagte Wahl. Doch würden Ausstände rechtzeitig angekündigt. "Es wird kein Passagier erst am Flughafen erfahren, dass sein Flug nicht stattfindet. Er wird ausreichend Zeit haben, auf anderem Weg an sein Ziel zu kommen."

Spohr muss zum Ende der Ferien einen teuren Arbeitskampf fürchten.

Der jüngste Streik vor erst vier Monaten im April ist dem Unternehmen noch in unschöner Erinnerung. Drei Tage lang lähmten die Lufthansa-Piloten im April ihr Unternehmen. Tausende Flüge fielen beim härtesten Streik in der Firmengeschichte aus, Hunderttausende Passagiere mussten auf Züge und Autos umsteigen. Jetzt könnte der Arbeitskampf zum Ende der Urlaubszeit erneut losgehen.

Um die Übergangsversorgung in ihrer jetzigen Form zu retten und höhere Gehälter durchzusetzen, macht die mächtige Pilotenvereinigung Cockpit (VC) massiv Druck. Es geht nicht allein um Geld, sondern auch um die Ausrichtung des umsatzstärksten Luftverkehrskonzerns Europas.

Getrieben vom Kostendruck in der Branche will die Lufthansa unter Führung Spohrs, seit Mai im Amt, neue Wege suchen, um wieder mehr Geld zu verdienen. Billigangebote sollen ebenso kommen wie Premium-Dienstleistungen. Der Markt wird härter für den umsatzstarken aber vergleichsweise renditeschwachen Konzern. Billigflieger wie Easyjet und Ryanair oder staatlich gestützte Angreifer-Airlines wie Turkish oder Emirates drücken die Margen und machen der "Kranich-Linie" das Leben schwer.

Die Lufthansa will Kostennachteile gegenüber Wettbewerbern verringern, dabei sollen die Piloten ein Teil des Konzepts sein. Denn Spohr setzt auf Crews außerhalb der bestehenden Lufthansa-Tarife und auf einen strengen Sparkurs.

Das Personal ist nach dem Kerosin der wichtigste Kostenblock der Airline. Beim jüngsten Tarifstreit im April bezifferte Lufthansa ihre steigenden Pensionsverpflichtungen zum Jahresende 2012 im Inland auf gut 11 Milliarden Euro. Etwa 40 Prozent sind davon für die Piloten reserviert, die aber nur 10 Prozent der Belegschaft ausmachen.

Dennoch können gesunde Lufthansa-Piloten mit einem hohen Jahreseinkommen nach wie vor weitgehend selbst entscheiden, wann sie in den lukrativ gepolsterten Vorruhestand gehen. Das Einkommen sinkt im Vorruhestand schon wegen des Wegfalls der Zulagen, ist aber dennoch üppig. In der obersten Kapitänsstufe beträgt das Grundgehalt 193 000 Euro, inklusive Zulagen können mehr als 255 000 Euro brutto im Jahr erreicht werden.

Im Schnitt gehen die Lufthansa-Kapitäne derzeit mit knapp 59 Jahren in den vom Unternehmen bezahlten Vorruhestand. Lufthansa will das Eintrittsalter wegen der hohen Kosten und der auf 65 Jahre hochgesetzten Altersgrenze für Verkehrspiloten merklich erhöhen.

Dagegen wendet sich die Gewerkschaft. "Man kann einen Piloten nicht ins Cockpit zwingen, der sich nicht fit fühlt", hatte sich der VC-Präsident Ilja Schulz beim dreitägigen Streik im Frühjahr verteidigt. Die Belastungen im Alter seien hoch, Mitarbeiter müssten vorzeitig ausscheiden können und trotzdem eine gesicherte Altersversorgung haben.

Dagegen betonte die Lufthansa mit Blick auf die erneute Streikandrohung der Piloten, es gehe darum, die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns "gemeinsam in einem enorm schwierigen Marktumfeld" zu sichern. Es gebe keinen Grund, die Gespräche nun zu beenden. "Diese Entscheidung ist in keiner Art und Weise nachvollziehbar."

Dennoch drohen nun Streiks, Flugausfälle und ein Imageschaden für die Lufthansa. Und als wäre das nicht genug: Sollte es zum erneuten Ausstand kommen, könnte das Umsteigen auf die Bahn dieses Mal zum Problem werden. Auch die Lokführergewerkschaft GDL steckt in einem Tarifkonflikt und droht mit Streiks. Am kommenden Mittwoch (27. August) haben die Lokführer in Fulda zunächst zu einer Protestversammlung aufgerufen.

(dpa)
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