Änderungen ab 2024 Welche Folgen die Ausweitung der Pfandpflicht hat

Berlin · Für Milchgetränke in Plastikflaschen müssen Verbraucherinnen und Verbraucher ab dem kommenden Jahr mehr Geld bezahlen. Hintergrund ist, dass die Pfandpflicht auf diese Produkte erweitert wird. Was Verbraucher und den Handel konkret erwartet.

Ab nächstem Jahr muss auch für milchhaltige Getränke ein Pfand von 25 Cent gezahlt werden.

Ab nächstem Jahr muss auch für milchhaltige Getränke ein Pfand von 25 Cent gezahlt werden.

Foto: dpa/Lukas Schulze

Die Schlange am Pfandautomaten könnte bald noch länger werden: Ab Januar 2024 wird die geltende Pfandpflicht auf milchhaltige Getränke in Plastikflaschen ausgeweitet. Das sieht das Verpackungsgesetz (VerpackG) vor. Was das für Verbraucher bedeutet, wie Handelskonzerne und Umweltorganisationen auf die Ausweitung blicken und was aktuell schon gilt.

Für welche Behältnisse besteht momentan eine Pfandpflicht?

Seit ihrer Einführung im Jahr 2003 wurde die Pfandpflicht immer wieder erweitert – zuletzt 2022. Seitdem sind alle Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff pfandpflichtig. Je nach Behältnis variiert die Höhe des Pfands dabei: Auf Mehrweg-Bierflaschen aus Glas wird momentan etwa ein Pfand von acht Cent pro Flasche erhoben. Bei Flaschen mit Bügel beträgt dieses 15 Cent. Bei anderen Mehrweg-Flaschen aus Glas oder PET fallen ebenfalls 15 Cent an, auf Einwegflaschen und -dosen gibt es 25 Cent Pfand. Außerdem wird eine entsprechende Abgabe auf Bierkästen erhoben – und auch für seine leeren Joghurtgläser kann man im Laden Geld zurück bekommen.

Was ändert sich nun zum 1. Januar 2024?

Genau genommen endet nächstes Jahr die Übergangsfrist, die der Gesetzgeber bislang für Pfand bei Milchgetränken eingeräumt hat. Das hat zur Folge, dass Getränke in Plastikflaschen mit einem Milchanteil von mindestens 50 Prozent um den Pfandbetrag von 25 Cent teurer werden. Für Dosen mit Milchgetränken gilt die Pfandpflicht bereits seit 2022. Folglich wird die Regel damit nur auf weitere Behältnisse ausgeweitet.

Was sagen die Handelskonzerne zur Ausweitung der Pfandregel?

Auf Anfrage unserer Redaktion teilte ein Sprecher der Rewe Group mit, dass sowohl Rewe als auch Penny „dank intensiver Vorbereitung gut auf die Ausweitung der Pfandpflicht“ vorbereitet seien und „alle rechtlichen Vorschriften einhalten“ würden. Netto, Lidl und Aldi Süd ließen eine Anfrage unbeantwortet. Kritisch äußerte sich derweil Antje Gerstein, Geschäftsführerin des Handelsverband Deutschland (HDE). Sie befürchtet im Falle von Milchbehältnissen besondere Hygienerisiken. „Da Milchprodukte gerinnen, verbleiben zudem häufig größere Reste in den Gebinden als bei Wasser, Bier oder Säften“, sagte sie dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

Wie stehen Umweltorganisationen zur Erweiterung der Regelung?

Greenpeace begrüßt die Ausweitung der Pfandpflicht. „Mehrweg ist das neue Normal“, erklärte Viola Wohlgemuth, die bei der Organisation für Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschutz tätig ist, auf Anfrage unserer Redaktion. Einheitliche Systeme würden die Akzeptanz der Bevölkerung erhöhen. Deshalb sei es richtig, dass auch im Pfandsystem die Ausnahmen abgeschafft würden. Aus Sicht von Greenpeace hätte es zu der Ausweitung allerdings schneller kommen können. „Das Pfandsystem in Deutschland ist alt und bewährt“, sagte Wohlgemuth. Dass sich die neuen Regeln trotz Widerständen aus dem Handel durchgesetzt hätten, wertet sie gleichwohl als positives Zeichen. Die Bedenken seitens des HDE bezeichnete Wohlgemuth als „Panikmache“, die dazu dienen solle, die Regelung zu verhindern. Die Behältnisse für alle Lebensmittel würden „eine erhöhte Reinigung“ durchlaufen, betonte sie.

Welche weiteren Änderungen bezüglich Verpackungen sind in den kommenden Jahren geplant?

Die Pfanderweiterung stellt nur einen Teil des VerpackG dar, das ein ganzes Bündel an Maßnahmen vorsieht. Ein erster Schritt war die Ausweitung der Pfandpflicht im Jahr 2022. Außerdem ist das Gesetz auch dafür verantwortlich, dass seit Januar 2023 eine Mehrwegangebotspflicht in der Gastronomie besteht. In weiteren Schritten sieht es vor, dass sich der PET-Anteil in Getränkeflaschen auf 25 Prozent (bis 2025) bzw. auf 30 Prozent (bis 2030) erhöhen soll.

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