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Metro-Mitbegründer: Otto Beisheim ist tot

Metro-Mitbegründer : Otto Beisheim ist tot

Der Mitgründer und Großaktionär des Handelskonzerns Metro, Otto Beisheim, ist tot. Beisheim sei am Montagmorgen in seinem Haus in Rottach-Egern am Tegernsee tot aufgefunden worden, teilte die Otto-Beisheim-Gruppe mit.

Der 89-Jährige habe "an einer nicht heilbaren Krankheit" gelitten und sei "aufgrund der Hoffnungslosigkeit seiner gesundheitlichen Lage aus dem Leben geschieden".

Um fast keinen bedeutenden Unternehmer der Nachkriegszeit ranken sich so viele Legenden wie um den Milliardär Otto Beisheim. Auf Hauptversammlungen der Handelskonzerns trat der verschwiegene Unternehmensgründer schon einmal inkognito auf - Müller, verriet das kleine Schildchen an seinem Revers. Der Metro-Großaktionär, der am Montagmorgen in seinem Haus in Rottach-Egern am Tegernsee tot aufgefunden wurde, hat in seinem Leben die Öffentlichkeit gemieden. Beisheim wurde 89 Jahre alt.

Geboren wurde er am 3. Januar 1924 in der Nähe von Essen als Sohn eines Gutsverwalters. Während des Zweiten Weltkrieges sei Beisheim ab 1942 im Arbeits- und Heeresdienst tätig gewesen, bestätigte eine Sprecherin des Familienbüros der Otto Beisheim Gruppe auf Anfrage. Bei der Waffen-SS sei Beisheim Kradmelder und Funker in einem niedrigen Dienstgrad gewesen.

Aufstieg begann in den 60ern

Der Aufstieg Beisheims zu einem der reichsten Männer Europas begann in den 60er Jahren. Eine Geschäftsreise in die USA veränderte das Leben des gelernten Lederwarenkaufmanns mit einem Schlag: Er lernte dort den Cash-und-Carry-Handel kennen und gründete 1964 im bayerischen Rottach-Egern und wenig später in Mülheim an der Ruhr die ersten Selbstbedienungs-Großhandelsmärkte. Die Idee erwies sich als Goldgrube.

Metro, an der Beisheim zuletzt mit knapp zehn Prozent beteiligt war, schluckte Wettbewerber um Wettbewerber. Neben Beisheim sind derzeit auch die Duisburger Familien Schmidt-Ruthenbeck und Haniel als Großaktionäre über einen Pool beteiligt. Nach einem Aktienverkauf durch Haniel in diesem Monat ist der Anteil des Pools jedoch derzeit auf knapp 46 Prozent gesunken. Gut 44 Prozent der Anteile sind im Streubesitz.

Heute gehören zur Metro Group Waren- und Kaufhäuser, SB-Großmärkte, Discounter und Fach- und Verbrauchermärkte: Von Galeria Kaufhof, Saturn und Media Markt, bis Real/Extra und zahlreiche Cash & Carry-Betrieben im In- und Ausland. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei rund 66,7 Milliarden Euro. Weltweit beschäftigt die Gruppe rund 280.000 Mitarbeiter.

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"Otto Beisheim hat über viele Jahrzehnte die Metro zu einem weltweit führenden Handelskonzern aufgebaut und damit maßgeblich ein Stück Wirtschaftsgeschichte geschrieben", so Metro-Aufsichtsratschef Franz Haniel. Das Unternehmen würdigte Beisheim als einen "Pionier und eine Legende der deutschen und internationalen Handelsbranche". "Er war bis zuletzt der Metro Group eng verbunden, auch dafür danken wir ihm."

Im vergangenen Jahr war die Metro AG nach 16 Jahren in der höchsten deutschen Börsenliga aus dem DAX abgestiegen. Vor allem eine schwache Kursentwicklung war dem Unternehmen zum Verhängnis geworden.
Beisheims Erbe wird jetzt in die beiden gemeinnützigen Prof. Otto Beisheim-Stiftungen in München und in Baar in der Schweiz übergehen, wie die Agentur Brunswick mitteilte. Beisheims Frau war schon 1999 gestorben, das Ehepaar hatte keine Kinder.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Otto Beisheim - der Metro-Gründer

(AFP/dpa/csi/felt)