Wer wird Stracke Nachfolger?: Opelaner befürchten Tod auf Raten

Wer wird Stracke Nachfolger? : Opelaner befürchten Tod auf Raten

Zwei Vorstände werden als Nachfolger für den geschassten Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehandelt: Strategie-Chef Thomas Sedran und Produktions-Chef Peter Thom. Der eine ist ein harter Sanierer. Der andere ist ein noch härterer Sanierer. Beides heißt für Bochum nichts Gutes.

Am Tag nach dem überstürtzten Rücktritt von Opel-Chef Karl-Heinz Stracke zeichnete sich am Freitag ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Nachfolge ab: Opel-Strategiechef Thomas Sedran und Produktionschef Peter Thom seien die Favoriten, hieß es übereinstimmend in Gewerkschaftskreisen und auf den Fluren der Rüsselsheimer Opel-Zentrale, wobei die meisten auf Sedran wetten. Für die gut 22.000 deutschen Opelaner werden beide Personalien schmerzhaft. Von Sedran dürfte ein harter Sanierungskurs zu erwarten sein — und von Thom ein sehr harter.

Thomas Sedran - Der Chef-Stratege

Sedran (47) ist seit 1. April im Opel-Vorstand dafür verantwortlich, Geschäftsstrategien für das langfristige Wachstum des Autobauers zu entwickeln. Er kam erstmals während der Beinahe-Pleite vor gut drei Jahren mit Opel in Kontakt — als Sanierungsberater. Damals war Sedran noch Leiter des Geschäftsbereichs Europäische Automobilindustrie bei der Unternehmensberatung AlixPartners.

Zuvor war er bei Roland Berger, wo er Daimler und VW gut kennengelernt hat. Sedran erarbeitete damals den so genannten Rettungsplan "Viability", der in der ursprünglichen Version die Schließung der Werke in Bochum und Antwerpen sowie den Verkauf des Werkes in Eisenach vorsah. Später wurde der Plan abgemildert: Lediglich Antwerpen wurde geschlossen, allerdings mussten die Opelaner 8000 Stellen abbauen und allein in Deutschland auf 176 Millionen Euro Gehalt pro Jahr verzichten. Als Opel noch mit der Bundesregierung um Staatshilfen rang, legte Sedran die Pläne im Kanzleramt vor.

Obwohl erst seit wenigen Monaten im Opel-Vorstand, hat der Chef der Opel-Mutter General Motors, Dan Akerson, ihm seine wohl wichtigste strategische Aufgabe in Europa übertragen: Sedran koordiniert die Milliarden-Kooperation von Opel und PSA (Peaugeot/Citroën), die Akerson im März angeschoben hatte, und die irgendwann zu gemeinsamen Modellen führen soll. Sedran gilt als jemand, der seine Meinung deutlich sagt, der aber auch an die Zukunft von Opel glaubt. Vorausgesetzt, die dramatischen Überkapazitäten von derzeit geschätzt 30 Prozent können abgebaut oder anderweitig genutzt werden — etwa von PSA, die gerade ebenfalls 8000 Stellen einsparen.

Peter Thom - Der Produktions-Sanierer

Thom (49) ist seit Januar Produktionsvorstand. Vor ihm haben die Betriebsräte am meisten Angst, weil er für eine sehr deutliche Spar- und Sanierungspolitik steht. Thom hat zum Beispiel vor wenigen Wochen veranlasst, dass der neue Opel Astra nicht mehr in Deutschland, sondern in England und Polen gebaut wird, was den Druck auf die deutschen Werke noch einmal erhöht hat.

Außerdem hat er sich am 12. Juni bei einem Treffen von Vorstand, Betriebsrat und Gewerkschaften in Rüsselsheim laut Teilnehmerkreisen klar für die Schließung des Bochumer Werkes ausgesprochen. In einer Sitzung des Aufsichtsrats-Finanzausschusses soll Thom berichtet haben, dass für die Schließung des Bochumer Werkes bereits Rückstellungen von mehr als 500 Millionen Euro gebildet worden seien. Opel äußert sich dazu auf Anfrage nicht. Die angeblichen Schließungspläne für Bochum blieben aber bis heute öffentlich unwidersprochen.

Weder der Betriebsrat, noch die NRW-Landespolitik, die mit Opel über die Zukunft des Bochumer Werkes verhandelt, wollen es sich jetzt schon mit einem der beiden Kandidaten verderben. Die offiziellen Aussagen zum aktuellen Führungschaos bei Opel sind höflich bis belanglos. Hinter vorgehaltener Hand herrscht aber ein ganz anderer Ton. Ein Betriebsrat: "So dicht vor der Abwicklung standen wir noch nie. GM spart uns jetzt Stück für Stück an die Wand."

IG-Metall warnt vor Vertragsbrüchen

Im Zuge des Managementwechsels bei Opel bringt sich die Gewerkschaft für harte Auseinandersetzungen in Stellung. IG-Metall-Chef Berthold Huber pochte in der "Süddeutschen Zeitung" vom Samstag auf die strikte Einhaltung der Arbeitsplatzgarantie bis 2016 und drohte, den Preis für Werkschließungen hochzutreiben.

Huber warnte die Konzernmutter General Motors vor Vertragsbrüchen. "Wer Opel aufgeben wollte, muss wissen: Das wären die teuersten Werksschließungen, die ein Konzern jemals in Deutschland versucht hätte", sagte er. "Das würde Unsummen kosten." Die IG Metall werde "knallhart" darauf bestehen, dass GM die Verträge einhält. Die Garantien für die Werke und die Arbeitsplätze müssten bis Ende 2016 weiter gelten. "Wir geben keinen einzigen Standort preis".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Karl-Friedrich Stracke

(RP/sap/afp/felt)