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Autobauer in der Krise: Opel vertagt Streit um Werksschließungen

Autobauer in der Krise : Opel vertagt Streit um Werksschließungen

Arbeitnehmer und Management von Opel haben ihren Konflikt um Überkapazitäten und weitere Einsparungen vertagt. Der Aufsichtsrat fasste am Mittwoch in Rüsselsheim keine Beschlüsse über die weitere Sanierung der chronisch defizitären GM-Tochter.

Beide Seiten bekräftigten lediglich ihre Bereitschaft, Opel profitabel zu machen. Dazu seien Maßnahmen nötig, um Umsätze zu steigern, Margen zu erhöhen und Kosten zu reduzieren. "Hierfür haben sich die Parteien auf eine Fortsetzung ihres Dialogs verständigt, um gemeinsam die optimale Strategie zur Verbesserung der finanziellen Lage des Unternehmens zu erarbeiten", hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme von GM und den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat sowie der Opel-Geschäftsleitung.

Damit ließen beide Seiten die Konfrontation im Aufsichtsrat nicht nach außen dringen. Kontrovers debattiert wird über den Geschäftsplan, mit dem das Management das Europageschäft mit den beiden Marken Opel und Vauxhall aus den roten Zahlen führen will. Zu den Maßnahmen, die im Aufsichtsrat diskutiert werden, gehören neben neuerlichen Einbußen der Arbeitnehmer und einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeiten nach Angaben aus Arbeitnehmerkreisen auch Werksschließungen.

Die IG Metall hatte dem Mutterkonzern aus Detroit in den vergangenen Tagen vorgehalten, er wolle Opel zu Tode sparen. Die Gewerkschaft wirft dem Management vor, die Marke Opel durch das Drohen mit Werksschließungen weiter zu beschädigen. Sowohl Käufer als auch die Belegschaft würden durch die ständige Debatte um die Zukunft der Arbeitsplätze verunsichert. "Dem sinkenden Marktanteil hinterhersparen, das ist der alte Crash-Kurs, den General Motors bei Opel seit zwanzig Jahren fährt", sagte Bezirkschef Armin Schild, der auch im Aufsichtsrat von Opel sitzt.

Dass Opel erfolgreich sein könne, zeige der zaghafte Versuch in Russland. Opel könne kurzfristig 60.000 Fahrzeuge außerhalb Europas exportieren. Die Belegschaftsvertreter verlangen bereits seit längerem, dass GM seiner Tochter den Export außerhalb Europas erlaubt, um die Werke auszulasten. Statt in Milliarden verschlingende Abfindungen und Werksschließungen solle das Geld lieber in Forschung und Entwicklung gesteckt werden.

Allianz mit Peugeot

Opel leidet darunter, dass sich die Verbraucher in Südeuropa wegen der Staatsschuldenkrise kaum noch neue Autos in die Garage stellen. In den beiden ersten Monaten verkauften die Marke mit dem Blitz und ihre britische Schwester Vauxhall ein Fünftel weniger Autos. Um die Kosten in Europa zu senken, ist GM auch eine Allianz mit dem ebenfalls schwächelnden französischen Autobauer Peugeot eingegangen. Erste gemeinsame Projekte sollen bis zum Jahresende anlaufen. Das erste gemeinsam entwickelte Auto soll 2016 auf den Markt kommen. Bis dahin müssen die beiden Partner ihre Kosten auf eigene Faust zurückschrauben.

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Als gefährdet gelten die beiden Opel-Werke in Bochum und in Ellesmere Port in Großbritannien. Im Ruhrgebiet formiert sich Widerstand gegen das drohende Ende der 50 Jahre alten Fabrik mit mehr als 3000 Beschäftigten. Werksschließungen und betriebliche Kündigungen sind per Tarifvertrag bis Ende 2014 ausgeschlossen.
Erst danach könnte Opel daran gehen, die von GM auf eine halbe Million Fahrzeuge pro Jahr bezifferte Überkapazität in Europa zu verringern. Bereits bei der zurückliegenden Sanierung vor drei Jahren hatten die europaweit zuletzt fast 40.000 Opelaner hohe finanzielle Einbußen hinnehmen müssen.

Analysten schätzen, dass Peugeot eine noch größere Zahl an Werken schließen muss, weil Opel seine Kosten in der zurückliegenden Sanierungsrunde bereits um ein Fünftel gesenkt hatte. Damals fielen 8000 Arbeitsplätze weg, das Werk in Antwerpen wurde dichtgemacht.

Mehr Leiharbeiter

Produktionschef Peter Thom hatte die Werke unlängst über einen "Wunschzettel" der Geschäftsleitung informiert. Dieser sieht nach Angaben der Arbeitnehmer unter anderem mehr Leiharbeit, weniger Stammbeschäftigte und flexiblere Arbeitszeitmodelle ohne Zulagen vor. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte unter Bezug auf Thoms Präsentationsunterlagen berichtet, die Opel-Werke seien nur zu drei Viertel ausgelastet.
Jede fünfte Fabrik in Europas Automobilindustrie sei überflüssig. Als Konsequenz fordere die Opel-Spitze sofortige Zugeständnisse auf zahlreichen Feldern. Zu dem Forderungskatalog gehöre ein erneuter Verzicht auf Tariferhöhungen sowie auf Teile des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes. Dadurch sollen die Beschäftigten wie schon 2010 und 2011 auch weiter 265 Millionen Euro im Jahr an Einsparungen aufbringen.

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(REU)