Überraschender Rücktritt: Opel-Chef Stracke wirft hin

Überraschender Rücktritt : Opel-Chef Stracke wirft hin

Nur 15 Monate nach Amtsantritt wirft der Vorstandsvorsitzende des angeschlagenen Autoherstellers Opel überraschend seinen Job wieder hin. Der Ingenieur Karl-Friedrich Stracke werde künftig Sonderaufgaben für den Mutterkonzern General Motors (GM) übernehmen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

Opel-Aufsichtsratschef und GM-Vorstandsmitglied Steven Girsky übernimmt den Vorstandsvorsitz übergangsweise, ein Nachfolger wird gesucht. Ein Firmensprecher erklärte, GM-Chef Dan Akerson selbst habe Stracke die neuen Aufgaben angeboten. Gründe für den Wechsel an der Spitze nannte Opel nicht.

Stracke war erst im Januar dieses Jahres zum Europachef von GM ernannt worden. Diesen Posten gibt er nun auch auf. Seit April 2011 war er Vorstandsvorsitzender der Adam Opel AG und damit verantwortlich für das weltweite operative Geschäft von Opel und der Schwestermarke Vauxhall.

Der 56 Jahre alte Manager kämpfte gegen den Niedergang von Opel.
Im Raum stehen derzeit weitere Werksschließungen und Massenentlassungen, um den Autohersteller nach Milliardenverlusten wieder profitabel zu machen. Dabei steckte er mitten in Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen weitern Jobabbau.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Nick Reilly, der als harter Sanierer angetreten war, gilt Stracke als Mann des Ausgleichs. Bei seinem Ende Juni vorgestellten Sanierungsplan verzichtete der 56-Jährige - zumindest vorerst - auf Entlassungen oder gar Werksschließungen.

Der Hesse arbeitete seit über 30 Jahren bei dem Traditionshersteller. Auch die Welt der Konzernmutter GM ist ihm nicht fremd: Vor seinem Job in Rüsselsheim war Stracke Chefentwickler des US-Autoriesen. Unter seiner Führung entwickelten Ingenieure und Techniker weltweit neue Fahrzeuge wie die Elektromodelle Opel Ampera und Chevrolet Volt.

Nach Strackes Vorstellungen will Opel den Mitarbeitern bis 2016 ihre Jobs garantieren, aber 2017 das Werk in Bochum schließen. "Langfristig gibt es aber nur eine Arbeitsplatzgarantie: Wir müssen nachhaltig Gewinne schreiben", sagte erst am Mittwoch der "Bild"-Zeitung. GM sei "zu Recht ungeduldig mit uns", erklärte Stracke.

"Karl-Friedrich Stracke arbeitete unermüdlich und unter großem Druck, um dieses Geschäft zu stabilisieren", hieß es in der Opel-Mitteilung. "Wir schätzen die zahlreichen Beiträge Karl-Friedrich Strackes zum Erfolg von GM", ließ sich GM-Vorstandschef Dan Akerson zitieren.

Opel-Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Schäfer-Klug dankte Stracke für "Arbeit und Engagement". Er forderte, "den eingeschlagenen Weg der Konsolidierung des Unternehmens gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern im gegenseitigen Vertrauen fortzusetzen".

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(dpa/dapd)