Bremer Fluglinie in Schwierigkeiten: OLT Express Germany stellt Insolvenzantrag

Bremer Fluglinie in Schwierigkeiten: OLT Express Germany stellt Insolvenzantrag

Geplante Stellenstreichungen, rote Zahlen und gestrichene Flüge - die deutsche Luftfahrt steckt in einer Krise. Jüngstes Opfer ist die kleine Bremer Fluglinie OLT Express Germany. Ein Insolvenzverwalter soll nun entscheiden, wie es weitergeht.

Die Krise in der deutschen Luftfahrt zieht immer weitere Kreise. Nun hat die ins Schlingern geratene Bremer Fluglinie OLT Express Germany Insolvenz angemeldet. Dies bestätigte der Sprecher des Unternehmens, Matthias Burkard, am Dienstag. Die rund 500 Mitarbeiter hätten die jüngste Entwicklung "mit Bestürzung aufgenommen", sagte der Sprecher. Wie es mit ihnen weitergeht, muss der Insolvenzverwalter entscheiden.

Mit dem kleinen Unternehmen gerät erneut eine deutsche Fluglinie in massive Schwierigkeiten. "Die deutsche Luftfahrt steckt in einer Krise", sagte eine Sprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft.

Die Großen der Branche rüsten sich mit Sparprogrammen fürs Überleben. Die seit Jahren angeschlagene zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin will 900 Mitarbeiter entlassen. Bei der Lufthansa stehen 3500 Stellen in der Verwaltung und 650 Arbeitsplätze bei Lufthansa Technik auf der Streichliste.

Misere der Luftfahrtbranche

Vergleichsweise gut läuft es bei den Billigfluggesellschaften. So schraubte Europas größter Billigflieger Ryanair aus Irland am Montag seine Gewinnprognose nach oben. Auch der britische Konkurrent Easyjet baut sein Flugangebot weiter aus, während Air Berlin schrumpft und Lufthansa beim Wachstum auf der Bremse steht. Europas größte Fluggesellschaft überträgt einen Großteil ihrer Europastrecken derzeit auf ihre Billigflugtochter Germanwings. Unter ihrem Dach sollen die seit Jahren defizitären Direktverbindungen abseits der Drehkreuze Frankfurt und München in die schwarzen Zahlen kommen.

"Von 22 internationalen Flughäfen schreiben nur noch sechs schwarze Zahlen", verdeutlichte die Sprecherin die Misere der Luftfahrtbranche. Selbst Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt konnte die Zahl der Fluggäste im vergangenen Jahr nur noch um knapp zwei Prozent auf 57,5 Millionen steigern. Die Zahl der Flüge ging sogar zurück.

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"OLT Express ist schon die dritte Fluggesellschaft innerhalb eines Jahres, die Insolvenz anmelden musste", sagte der Präsident des Verbands, Klaus-Peter Siegloch, nach einer Mitteilung. Das Unternehmen war auf Expansionskurs, bis zwei Großaufträge wegbrachen. Daraufhin hatte die Geschäftsführung ein Sanierungskonzept erarbeitet, das der Eigentümer - eine ausländische Investmentfirma - abgelehnt hat.

40 Flüge gestrichen

Die Bremer OLT Express Germany GmbH ist nach Unternehmensangaben aus einem ursprünglich in Emden ansässigen Insel-Flugdienst mit dem Namen OLT hervorgegangen und hat sich zur Regionalfluglinie entwickelt. Nach der Übernahme durch einen ausländischen Investor wurde der Inselflugverkehr als eigenständiges Unternehmen OFD Ostfriesischer Flugdienst ausgegliedert.

Den Insolvenzantrag der OLT Express Germany wird das Amtsgericht Esslingen bearbeiten. Das bestätigte die Insolvenzabteilung des Gerichts. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde der Jurist Jan Markus Plathner von der Anwaltskanzlei Brinkmann & Partner eingesetzt.

Wie bereits am Montag startete auch am Dienstag kein Flieger der angeschlagenen Gesellschaft. Knapp 40 Flüge fielen aus. Mit 15 Flugzeugen bediente das Unternehmen zuletzt die Flughäfen Bremen, Dresden, Saarbrücken, Münster/Osnabrück und Karlsruhe/Baden-Baden.

(dpa)
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