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Insolventer Brot-Hersteller: Offenbar Kaufinteressent für Müller-Brot

Insolventer Brot-Hersteller : Offenbar Kaufinteressent für Müller-Brot

Die pleitegegangene Großbäckerei Müller-Brot wird möglicherweise verkauft. Er habe mit mehreren potenziellen Investoren am Freitag Kontakt aufgenommen, sagte der vorläufige Insolvenz-Verwalter Hubert Ampferl.

Einer sei an der Großbäckerei und dem Filialnetz interessiert. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" hatte sich der Insolvenz-Verwalter am Freitag auch mit mehreren Großbäckereien unterhalten. Diese sind offenbar an einem Teil der 240 Filialen interessiert. Etwa 80 von ihnen betreibt Müller-Brot noch selber, die anderen sind an Franchise-Nehmer verpachtet.

Immer noch Probleme mit der Hygiene

Die pleitegegangene Großbäckerei aus dem oberbayerischen Neufahrn hat ihre Hygieneprobleme noch immer nicht bewältigt und muss ihre Produktion weiter ruhen lassen. Die Reinigungsarbeiten hätten nicht ausgereicht, sagte der Leiter der Hygiene-Task-Force, Thomas Becker, am Freitagabend nach stundenlanger Inspektion der Anlagen in Neufahrn. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Hubert Ampferl fehlte Geld für die Putzfirmen.

Ende Januar war die Backfabrik stillgelegt worden, nachdem dort verdreckte Maschinen, Mäusekot und Schädlinge festgestellt worden waren. Infolge der Zwangspause brachen die Umsätze ein. Am Donnerstag meldete die Unternehmensleitung Insolvenz an. 1300 Arbeitsplätze stehen auf der Kippe.

25 Spezialisten inspizierten am Freitag stundenlang einzelne Bereiche des 55.000 Quadratmeter großen Firmenareals. Die Überwachungsbehörden ließen eine Wiederaufnahme der Produktion nicht zu, auch nicht in Teilen des Unternehmens. Die Kontrolleure fanden Becker zufolge weiter Ungeziefer und Lebensmittelrückstände. Die Reinigungskräfte hätten ihre Arbeit immer wieder unterbrochen, weil sie nicht bezahlt worden seien, sagte er.

"Das Unternehmen verfügt über keinerlei Liquidität mehr"

Die Konten von Müller-Brot sind offensichtlich leergeräumt. Der vorläufige Insolvenzverwalter Ampferl sagte: "Das Unternehmen verfügt über keinerlei Liquidität mehr." Er müsse jetzt erst einmal mit den Gläubigern verhandeln, dass diese Mittel für Reinigungsarbeiten zur Verfügung stellen. Ampferl räumte ein, dass der weiter geltende Produktionsstopp bei der Suche nach potenziellen Investoren nicht hilfreich sei. Ein konkretes Kaufinteresse für Müller-Brot gebe es bislang nicht.

Ampferl war am Freitag mit einem Team von 15 Betriebswirten und Juristen in Neufahrn. Auf mehreren Betriebsversammlungen wurden die Beschäftigten über die Situation informiert.

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Empörung über Gesellschafter

Scharfe Kritik wurde an den Gesellschaftern von Müller-Brot, Klaus Ostendorf und Michael Philipps, laut: "Aus purer Profitgier hat Müller-Brot die Hygiene im Betrieb vernachlässigt", sagte der DGB-Landesvorsitzende Matthias Jena. Für dieses Management-Versagen müssten jetzt allein die Beschäftigten büßen. Ostendorf und Philipps seien Multimillionäre, die mit ihrem Geld Banken und Investoren gewinnen könnten, um den Betrieb zu stützen. Doch für sie zähle nur die Größe der eigenen Geldkoffer, sagt Jena.

Auch Mustafa Öz von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warf den Eignern vor, sie entzögen sich ihrer Verantwortung: "Sie hätten die Mittel, das Unternehmen zu retten", sagte er. Stattdessen ließen sie es fallen.

Die SPD-Abgeordnete Sabine Dittmar sagte: "So unappetitlich die Zustände bei der Müller-Brot-Produktion waren, so unappetitlich zeigt sich nun die Firmenführung." Es sei "absolut verachtenswert", sich die Mitarbeiter und die Schulden durch einen Insolvenzantrag "jetzt elegant vom Hals schaffen zu wollen".

Biendl und Weber dürfen wieder backen

Unterdessen wurde der wegen Hygienemängeln verhängte Produktionsstopp gegen eine Großbäckerei im Landkreis Regensburg aufgehoben. Die Firma Biendl und Weber in Donaustauf könne ab sofort wieder in die Produktion von einsteigen, teilte das Landratsamt Regensburg mit.

(APD)