Ölpreis-Explosion nach Anschlägen in Saudi-Arabien: Kein Grund zur Panik

Nach Anschlägen in Saudi-Arabien : Kein Grund zur Panik trotz Ölpreis-Explosion

Die Anschläge in Saudi-Arabien haben den Ölpreis um 20 Prozent in die Höhe schnellen lassen. Das zeigt, wie die geopolitischen Spannungen zunehmen. Doch es ist kein Grund zu Panikkäufen, die Börse neigt zu Übertreibungen.

Der Ölpreis ist das Fieberthermometer der Weltwirtschaft. Vor allem spiegelt er die Sorgen der Marktteilnehmer wider. Entsprechend hat der Anschlag auf Ölanlagen in Saudi-Arabien den Ölpreis um 20 Prozent explodieren lassen. Einen solchen Anstieg gab es das letzte Mal während des Golfkriegs 1991.

Zwar hat Saudi-Arabien längst nicht mehr das Gewicht auf dem weltweiten Ölmarkt wie noch in den 1970er Jahren. Die Opec, das einst so mächtige Kartell der Förderländer, ist zerstritten und hat an Macht eingebüßt. Mit dem Frackingboom in den USA ist zugleich ein neuer großer Spieler auf den Markt getreten. Doch noch immer ist Saudi-Arabien eines der wichtigsten Förderländer der Welt – und der Angriff trifft es ins Mark. Fünf Prozent der weltweiten Rohölproduktion sind nun lahmgelegt. Zugleich zeigen die Angriffe, wie stark die geopolitischen Spannungen zugenommen haben – gerade in der Golf-Region, in der der Machtkampf Iran versus Saudi-Arabien seit Jahrzehnten tobt. Impulsive Staatenlenker wie Trump heizen mit ihrer erratischen Politik diese alten Konflikte neu an.

Dennoch besteht kein Grund zur Panik. Keiner muss Hamsterkäufe an der Tankstelle oder beim Heizölhändler tätigen. Aus Saudi-Arabien kommt gerade mal ein Prozent des in Deutschland verbrauchten Öls, die Lager sind voll, und es gibt viele alternative Anbieter. Zudem fallen auf dem Ölmarkt die ersten Reaktionen nach solchen „exogenen Schocks“ oft übertrieben aus: So lange man die Ursachen des Anschlags und die Antworten der Politik nicht kennt, gehen viele Anleger auf Nummer sicher. Der Ölpreis steigt, aus Sorge vor steigenden Kerosinkosten fallen die Aktien von Fluggesellschaften. Zugleich fliehen Anleger in die Krisenwährung Gold. Doch die Börse neigt zu Übertreibungen. In der Vergangenheit war es oft so, dass die Märkte sich nach zunächst heftigen Reaktionen auf Schocks wieder beruhigten.

In der aktuellen Lage kommt mit hinzu, dass die Weltkonjunktur gerade auf Talfahrt ist, was die Ölpreise drückt. Das macht es zumindest den Nachfragern nach Öl leichter, den Schock wegzustecken. Letztlich aber entscheiden die politischen Ursachen und Reaktionen, wie sich die Lage am Golf und auf dem Ölmarkt weiter entwickelt.

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