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Golf von Mexiko: Ölkatastrophe kann noch vier Jahre andauern

Golf von Mexiko : Ölkatastrophe kann noch vier Jahre andauern

London (RPO). Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko findet kein Ende – und das kann auch noch vier weitere Jahre so bleiben. BP-Boss Tony Hayward gab erstmals offiziell an, wie viel Öl man im lecken "Macondo"-Ölfeld vermutet: mehr als sieben Milliarden Liter. Bisher seien erst drei bis sechs Prozent ausgelaufen.

London (RPO). Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko findet kein Ende — und das kann auch noch vier weitere Jahre so bleiben. BP-Boss Tony Hayward gab erstmals offiziell an, wie viel Öl man im lecken "Macondo"-Ölfeld vermutet: mehr als sieben Milliarden Liter. Bisher seien erst drei bis sechs Prozent ausgelaufen.

Angesichts der Ausströmung werde es zwei bis vier Jahre dauern, bis das Feld leer sei. Derzeit treten geschätzt fünf bis acht Millionen Liter am Tag aus, wovon laut Hayward und diversen Experten ein am Leck in ca. 1600 Meter Tiefe angebrachter Trichter 2,5 bis drei Mio. Liter am Tag absauge.

BP will fünf Milliarden Dollar über Anleihen einsammeln

Der angeschlagene Konzern BP will im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko einem Fernsehbericht zufolge mit einer Anleihe fünf Milliarden Dollar einsammeln. Die Zinsen für die ungesicherte Schuldverschreibung könnten zwischen acht und zehn Prozent betragen, berichtete CNBC am Freitag.

BP hat sich auf Druck der US-Regierung bereit erklärt, einen 20 Milliarden Dollar schweren Fonds einzurichten, um Schadenersatzansprüche zu befriedigen. Dazu setzt der Konzern auch auf die Hilfe von Banken. Einem führenden Banker zufolge bemüht sich der Energieriese bei sieben Instituten um sieben Milliarden Dollar an Krediten.

BP hatte Anfang des Monats vor Investoren erklärt, über Barmittel von fünf Milliarden Dollar sowie noch nicht in Anspruch genommene Kreditlinien über 5,25 Milliarden Dollar zu verfügen. Weitere 5,25 Milliarden Dollar seien bereits bewilligt und stünden zum Abruf bereit.

Hayward jedenfalls ist nicht mehr für das tägliche Krisenmanagement zur Bewältigung der Ölpest zuständig. Hayward übergibt diese Aufgabe nun an Geschäftsführer Bob Dudley, wie Verwaltungsratschef Carl-Henric Svanberg dem Sender Sky News sagte.

Musikstars wollen BP bei Konzerten boykottieren

Nun droht BP wegen der Ölpest auch noch Ungemach von unerwarteter Seite. Die US-Rockband Korn hat andere Stars der Musikbranche dazu aufgerufen, bei ihren Konzerttourneen Benzin von BP zu boykottieren. Nach Angaben der Band haben sich Lady Gaga, Creed und die Backstreet Boys dem Aufruf angeschlossen.

Unterdessen haben Prominente wie Justin Bieber, Cameron Diaz, Lenny Kravitz und Ryan Secreast zugesagt, am Montag in einer zweistündigen Sondersendung von CNN aufzutreten, bei der Geld für die Opfer der Ölkatastrophe gesammelt werden soll. Moderator der Show wird Larry King sein.

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BP ist im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko eine Allianz mit dem Hollywood-Star Kevin Costner eingegangen. BP-Manager Doug Suttles und der US-Schauspieler präsentierten am Freitag die Technologie von Costners Firma Ocean Therapy Solutions, die den Kampf gegen die Ölkatastrophe deutlich beschleunigen soll. Die Zentrifugen mit der sogenannten V-20-Technologie trennen den Angaben zufolge extrem effektiv Öl von Wasser. Pro Minute filtern die Ölabscheider demnach knapp 760 Liter und erreichen dabei einen Reinheitsgrad von 99 Prozent.

BP kauft von Costners Firma 32 der Ölabscheider. "Das ist wahre Technologie mit wahrer Wissenschaft dahinter", sagte Suttles. Zusammen mit anderen Methoden im Kampf gegen die Ölpest könnten damit künftig täglich 128.000 Barrel Öl aus dem Meereswasser gefiltert werden. Aus dem Bohrloch am Boden des Golf von Mexiko strömen der US-Regierung zufolge täglich rund 60.000 Barrel Öl. Drei Zentrifugen sollen nun zur gesunkenen Ölplattform transportiert werden, der Rest soll innerhalb von 60 Tagen entlang der Küste des US-Bundesstaates Louisiana eingesetzt werden. Die Ölplattform "Deepwater Horizon" war am 20. April explodiert und zwei Tage später gesunken.

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(RTR/felt)