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Spitzel-Affäre: Obermann kämpft um Telekom-Ruf

Spitzel-Affäre : Obermann kämpft um Telekom-Ruf

Bonn (RP). In der Überwachungsaffäre fordern Politiker und Aktionärsschützer eine rasche Aufklärung des Falls. Telekom-Chef Obermann drohte den Verantwortlichen mit harten Konsequenzen und kämpft um den Ruf des Rosa Riesen.

Im Skandal um die mutmaßliche Bespitzelung des Telekom-Managements bemüht sich Konzern-Chef René Obermann um Schadensbegrenzung. Gestern versicherte er alles zu tun, was möglich ist, um den Fall rasch aufzuklären. Kunden müssten sich zudem keine Sorgen machen, der Datenschutz sei gewährleistet. Nach Informationen dieser Zeitung will die Staatsanwaltschaft Bonn ein Ermittlungsverfahren einleiten.

Unternehmensnahe Kreise bestätigten, dass die Bonner Justizbehörde rasch eine Entscheidung fällen will. Eine öffentliche Erklärung könnte bereits heute erfolgen, sagte ein Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft. Die Telekom hatte nach den Worten eines Unternehmenssprechers am 14. Mai "Selbstanzeige” bei der Bonner Staatsanwaltschaft erstattet, nachdem der Vorgang um die Auswertung von Telefon-Verbindungsdaten eigener Manager, Aufsichtsräte und Journalisten bekannt geworden war.

Strafrechtlich könnte es unter anderem um die Verletzung des Fernmeldegeheimnisses gehen. Experten rechnen mit weitreichenden Folgen für den Telekommunikationsriesen.

Konzern Obwohl sich René Obermann mit harten Konsequenzen für die mutmaßlichen Auftraggeber gedroht hat, fürchten Experten einen nachhaltigen Imageschaden für den Konzern. Angesichts des Kundenschwunds der vergangenen Jahre sei weiterer Vertrauensverlust möglich. Noch äußern sich Analysten dazu aber vorsichtig. "Mit einem Imageschaden ist zwar zu rechnen, ob und in welchem Umfang sich Kunden bei ihrer Kaufentscheidung davon beeinflussen lassen, lässt sich schwer prognostizieren”, sagte Telekommunikationsanalyst Stefan Borscheid von der WestLB unserer Zeitung. Der Bund stärkte der Telekom als größter Aktionär gestern den Rücken.

Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre dies jedoch ein "schwerer Vertrauensverlust” für die Telekom, sagte Finanzministeriumssprecher Torsten Albig. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar will die Bespitzelungsaffäre genau unter die Lupe nehmen und forderte Konsequenzen. Offenbar hätten einige den Begehrlichkeiten nicht widerstehen können, die mit der immer umfangreicheren Sammlung personenbezogener Daten verbunden seien. Offenbar sind auch Gespräche und Kontakte mit und von Journalisten ausgewertet worden. Schaar forderte, alle von Datenschutzverstößen Betroffenen müssten vom Unternehmen benachrichtigt werden. Sollten auch Journalisten unserer Zeitung von den Abhörmaßnahmen betroffen sein, behält sich unsere Zeitung rechtliche Schritte vor. Nach Ansicht der Grünen sollen Opfer von Abhöraktionen künftig Schadenersatz erhalten.

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Aktienkurs Der Aktienkurs legte wider Erwarten gestern sogar zu, gehörte zu Handelsbeginn sogar zeitweise zu den Gewinnern des Dax. Finanzanalysten glauben nicht, dass der ohnehin dümpelnde Kurs weiter fällt. "Angesichts der Größe des Konzerns gehen wir nicht davon aus, dass der Kurs langfristig unter den Vorwürfen leiden wird”, erklärte Stefan Borscheid von der WestLB. Der Überwachungsskandal habe laut Experten nichts mit den operativen Geschäftsfeldern der Telekom zu tun, nach der eine Aktie bewertet und gehandelt werde.

Kunden Laut Telekom hat der vermeintliche Skandal zunächst keine Konsequenzen, da Kundendaten nicht betroffen waren und Gespräche nicht abgehört werden dürfen. Ein Sprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik rät Kunden jedoch, sensibler zu werden für das gesprochene Wort und einen Telefonanbieter auszuwählen, der die Privatsphäre gewährleistet.

(RP)