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Gerichtsurteil: Nutella-Etikett kann irreführend sein

Gerichtsurteil : Nutella-Etikett kann irreführend sein

Das Etikett auf Nutella-Gläsern kann Verbraucher mit seinen Angaben zu Fett und Vitaminen in die Irre führen. Es könne nämlich beim Einkauf der Eindruck entstehen, dass die Nuss-Nougat-Creme wenig Fett, aber viele Vitamine enthält, entschied das Oberlandesgericht Frankfurt am Main in einem am Donnerstag vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) bekannt gemachten Urteil.

Der Verband hatte gegen den Nutella-Produzenten Ferrero geklagt. Das Unternehmen hatte für die auf dem Etikett angegebenen Prozentangaben zur empfohlenen Tagesmenge unterschiedliche Grundmengen benutzt. Die Angaben zu Nährstoffen wie zum Beispiel Fett wurden in Bezug auf eine Menge von 15 Gramm berechnet, die von Vitaminen dagegen von 100 Gramm.

Gerichtsurteil: Nutella-Etikett kann irreführend sein

Das hatte laut vzbv zur Folge, dass bei Vitaminen Werte von 30 und 78 Prozent erreicht werden, bei Kohlenhydraten und Fett dagegen nur von drei bis sieben Prozent.
Das Oberlandesgericht Frankfurt entschied nun, dass beim Einkauf die Gefahr bestehe, dass der Verbraucher die genannten Prozentzahlen auf dieselbe Produktmenge beziehe. Dies könne eine relevante Irreführung zur Folge haben. Ferrero war für eine Stellungnahme zu dem Urteil zunächst nicht zu erreichen.

Ferrero kündigte an, gegen das Urteil vor den Bundesgerichtshof zu ziehen. Das Unternehmen zeigte sich überzeugt, dass die Gestaltung des Etiketts "transparent und verständlich" sei. Zudem entspreche die Kennzeichnung eindeutig allen gesetzlichen Vorgaben. Zugleich kündigte Ferrero aber an, dass ab Ende des Jahres neue Etiketten die Nährwertangaben sowohl in 100 Gramm als auch pro Portion enthalten werden. Das Unternehmen begründete dies damit, dass es "auf Klarheit und Transparenz Wert legt."

Es ist nicht das erste Mal, dass Ferrero wegen irreführender Aussagen über seine Produkte Kritik einstecken muss. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hatte dem Konzern im Juni den "Goldenen Windbeutel" für die dreisteste Werbelüge verliehen.
Die "Milch-Schnitte" werde als "sportlich-leichte Zwischenmahlzeit" beworben, habe aber mehr Zucker, mehr Fett und mehr Kalorien als ein Stück Schoko-Sahnetorte, hieß es damals zur Begründung.

Aktenzeiczhen: 6 U 40/11

(AFP)