Sonderzahlungen: Nur jeder Zweite erhält Weihnachtsgeld

Sonderzahlungen : Nur jeder Zweite erhält Weihnachtsgeld

Mit ihrer November-Abrechnung erhalten viele Arbeitnehmer Sonderzahlungen. Beschäftigte der Energieversorger kommen besonders gut weg, Gebäudereiniger gehen leer aus. Männer profitieren häufiger als Frauen.

Viele Geschenke, Urlaubsreisen, ein besonders feierlicher Heiligabend oder eine Investition in die Altersvorsorge - für mehr Geld am Ende des Jahres gibt es viele Verwendungsmöglichkeiten. Einige Arbeitnehmer können sich daher schon auf Weihnachten freuen: nicht nur wegen der freien Tage, sondern besonders wegen des Zusatzentgelts, das ihnen ihr Arbeitgeber überweist.

Nach einer Erhebung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) bekommen in Deutschland etwa 54 Prozent der Beschäftigten Weihnachtsgeld. Die Befragung von rund 10.100 Arbeitnehmern in verschiedenen Branchen ergab, dass sich zudem 15 Prozent Hoffnung auf eine Gewinnbeteiligung machen, 19 Prozent erhalten eine "sonstige Sonderzahlung".

Typischerweise erhalten die Beschäftigten zusätzlich zum November-Gehalt einen prozentualen Anteil ihres Monatseinkommens, der in der Regel nicht gewinnabhängig ist, erläutert WSI-Experte Reinhard Bispinck. Er kann beispielsweise als Anspruch aus Betriebsvereinbarungen oder einem individuellen Arbeitsvertrag fällig werden.

Entscheidend für den Erhalt dieser Jahressonderzahlung sei insbesondere die Tarifbindung, sagte die Stiftung. Beschäftigte mit Tarifvertrag erhielten zu 71 Prozent ein Weihnachtsgeld, Beschäftigte ohne Tarifbindung dagegen nur zu 42 Prozent. Je nach Art des Arbeitsvertrages und Geschlechts gibt es ebenfalls große Unterschiede. Laut der Umfrage bekommen Mitarbeiter mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag zu 56 Prozent die Sonderzahlung, befristet Beschäftigte nur zu 42 Prozent. Vollzeitbeschäftigte erhalten mit 55 Prozent öfter Weihnachtsgeld als Teilzeitbeschäftigte mit 42 Prozent. Unter den männlichen Mitarbeitern profitieren 56 Prozent vom Weihnachtsgeld, unter den weiblichen Angestellten dagegen nur 51 Prozent.

Das gewerkschaftsnahe WSI führt noch einen weiteren Unterschied auf: Bei den Gewerkschaftsmitgliedern bekommen 66 Prozent die Sonderzahlung, bei den nicht organisierten Befragten nur 51 Prozent. Haben die Gewerkschaften in der vergangenen Tarifrunde einen höheren Lohnabschluss erzielt, steigt auch das Weihnachtsgeld. Meist ist es an das Gehalt gekoppelt.

Prozentual profitieren 2014 die Beschäftigten in der Kautschukindustrie - mit einer Steigerung um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr - am stärksten von den Verhandlungen der Gewerkschaft. Ebenfalls höher fallen die Gratifikationen im öffentlichen Dienst (3,5 Prozent), in der Druckindustrie (drei Prozent), im Bankgewerbe (2,4 Prozent) und in der Energiewirtschaft (1,8 Prozent) aus.

Absolut betrachtet bekommen in Westdeutschland Arbeiter in der bayerischen Landwirtschaft mit 250 Euro am wenigsten Weihnachtsgeld. Am meisten erhalten die Beschäftigten der Energieversorger in Nordrhein-Westfalen (3127 Euro) - und das obwohl die Branche unter den Folgen der Energiewende leidet und Tausende Stellen abbaut. Ähnlich gut zahlt die chemische Industrie (3058 Euro). Doch es gibt auch Arbeitnehmer, die bundesweit leer ausgehen: so etwa die Beschäftigten im Gebäudereinigerhandwerk und im Bauhauptgewerbe. Generell stellten die Wissenschaftler fest, dass es nach wie vor Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland gibt. Während in Westdeutschland 57 Prozent von der Sonderzahlung profitieren, erhalten in Ostdeutschland nur 40 Prozent der Beschäftigten ein Weihnachtsgeld.

Arbeitnehmer haben generell keinen Anspruch auf Weihnachtsgeld. "Wer unsicher ist, ob ihm das Extra-Geld zusteht, wirft am besten einen Blick in den Arbeitsvertrag", rät Hans-Georg Meier, Fachanwalt für Arbeitsrecht.

(RP)
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