NRW-Unternehmen: Jede dritte IT-Firma mit Hannelore Kraft unzufrieden

Unternehmen in NRW : Jede dritte IT-Firma mit Landeschefin Kraft unzufrieden

Die IT-Branche wünscht sich mehr Unterstützung des Landes. Dann könnte NRW Vorreiter für Deutschland werden.

Die IT-Unternehmen in NRW fühlen sich von der Landesregierung im Stich gelassen. Knapp jedes dritte von ihnen ist mit der Unterstützung des Landes etwa beim Breitbandausbau unzufrieden, die Hälfte der Informations- und Kommunikationstechnologie-Betriebe bewertet die Hilfe nur als durchschnittlich. Dies zeigt eine Studie, die unserer Redaktion vorliegt.

Vor allem von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) wünscht sich die Branche mehr Einsatz. "Der Wirtschaftsminister hat das Thema erkannt, aber es ist noch nicht an der Landesspitze angekommen", kritisiert Ingo Wolf, Manager bei IKT.NRW, dem Netzwerk der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Er fordert, das Thema digitale Wirtschaft zur Chefsache zu machen: "Angela Merkel hat den Startschuss zur Digitalen Agenda gegeben - so ein Signal wäre auch in NRW wünschenswert."

Nirgendwo sonst sind die Voraussetzungen so gut wie hier: Neben großen Industrieunternehmen wie ThyssenKrupp gibt es in keinem anderen Bundesland so viele Firmen aus der Informations- und Kommunikationstechnik. Neben den Großkonzernen Vodafone, Telekom und Unitymedia gibt es rund 23.000 weitere Unternehmen, die in der digitalen Welt ihr Geld verdienen. Insgesamt beschäftigt die Branche rund 190.000 Mitarbeiter und macht jährlich knapp 100 Milliarden Euro Umsatz. Damit werden 47 Prozent des deutschlandweiten Umsatzes der Branche in NRW erzielt. Perfekte Voraussetzungen, um beim Thema "Industrie 4.0", der Vernetzung alter und neuer Industrien, eine führende Rolle zu spielen.

Doch ohne die Hilfe der Politik geht dies aus Sicht der Unternehmen nicht. Vor allem bei den Themen IT-Sicherheit, dem Hauptthema beim Tag der Infomations- und Telekommunikationswirtschaft am 20. November in Bochum, und Fachkräftegewinnung sieht die Branche große Herausforderungen. Auch der Breitbandausbau müsse weiter vorangetrieben werden, fordern Unternehmen in der Studie der IT-Verbände Bitkom, Networker NRW und IKT.NRW. In Teilen des Landes ist schnelles Internet noch nicht flächendeckend verfügbar, etwa in den Kreisen Viersen und Kleve.

Geschäftsmodelle müssten die Unternehmen zwar selbst entwickeln, sagt Bernd Schmidt, Landessprecher NRW beim Bitkom: "Aber es braucht eine politische Flankierung". Dafür setzt sich NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin ein: "Wir sind als Partner gefragt, der die Unternehmen dabei unterstützt, beim hohen Innovationstempo mitzuhalten und sich einen Platz auf den Wachstumsmärkten von morgen zu sichern". Für ihn persönlich stehe das Thema daher ganz oben auf der Tagesordnung.

Auch in Berlin registriert man das Engagement des Wirtschaftsministers - viel mehr jedoch nicht. Der CDU-Politiker Thomas Jarzombek, Mitglied im Bundestagsausschuss "Digitale Agenda", vermisst bei Hannelore Kraft das nötige Interesse an der digitalen Wirtschaft: "Ich wüsste nicht, wen man in der Staatskanzlei zum Thema digitale Wirtschaft anrufen könnte".

Trotz allem bleibt die Branche optimistisch. 90 Prozent der Betriebe rechnen bis 2016 mit Wachstum.

(frin)
Mehr von RP ONLINE