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Nordrhein-Westfalen: Jeder dritte Azubi in NRW ist unzufrieden

DGB-Ausbildungsreport : Jeder dritte Azubi in NRW ist unzufrieden

Überstunden, ausbildungsfremde Aufgaben – es gibt so manches, was Azubis an ihrer Ausbildung bemängeln. In NRW jedenfalls ist jeder dritte Lehrling unzufrieden mit seiner Ausbildung, wie der aktuelle DGB-Ausbildungsreport zeigt. Das sind mehr als noch im vergangenen Jahr.

Überstunden, ausbildungsfremde Aufgaben — es gibt so manches, was Azubis an ihrer Ausbildung bemängeln. In NRW jedenfalls ist jeder dritte Lehrling unzufrieden mit seiner Ausbildung, wie der aktuelle DGB-Ausbildungsreport zeigt. Das sind mehr als noch im vergangenen Jahr.

Bereits zum siebten Mal hat die Gewerkschaftsjugend des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in NRW 7000 Auszubildende danach befragt, wie zufrieden sie mit ihrer Ausbildung sind. Zwar kann ein Großteil der Befragten dies bejahen, doch der Anteil der Unzufriedenen wächst. "Über 32 Prozent der Auszubildenden geben an, mit der Qualität der Lehre nicht zufrieden zu sein", sagte Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des DGB NRW. Er nannte es zudem "alarmierend, dass sich der Wert im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht verschlechtert hat".

Die sogenannte Ausbildungszufriedenheit ist demnach um drei Prozent gefallen und damit auf den niedrigsten Wert seit dem ersten Ausbildungsreport. Besonders unzufrieden sind laut dem Report Auszubildende zum Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk. Sie belegen den letzten Platz im Ranking der Ausbildungsberufe. Den vorletzten Rang belegen die Hotelfachleute. Überhaupt, so heißt es, seien Lehrlinge im Hotel- und Gaststättenbereich weiterhin mit großen Problemen konfrontiert. So landeten die angehenden Köche auf Platz 21 von 25.

Am unteren Ende der Tabelle landen aber auch die Zahnmedizinischen Fachangestellten sowie Maler und Lackierer. Auch Friseure landen gerade einmal auf dem 19. Platz. Gewinner sind dafür auch in diesem Jahr wieder die Bankkaufleute, gefolgt von den Industriekaufleuten und dem Industriemechaniker.

Bankkaufleute sind die Gewinner im Ranking

Laut dem DGB-Report gibt es auch einen Zusammenhang zwischen schlechter Ausbildungsqualität, niedriger Vergütung und hoher Abbrecherquote. Als Beispiel wird die Ausbildung zum Friseur herangezogen. Die Lehrlinge verdienten rund 469 Euro pro Monat (Bankkaufleute: 935 Euro), landeten beim Ranking auf Platz 19, und die Abbrecherquote sei mit 44,6 Prozent sehr hoch. Bei den Bankkaufleuten liegt sie bei gerade einmal sechs Prozent.

Die Studienmacher stellen abermals fest, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Qualität der Ausbildung und der Größe eines Betriebes. Je größer der Betrieb, umso mehr könne das Unternehmen eine strukturierte Ausbildung bieten. Auch fielen weniger ausbildungsfremde Aufgaben an.

Ausbildungsfremde Tätigkeiten müssen aber inzwischen mehr Lehrlinge als im Jahr zuvor verrichten, wie die Umfrage ebenfalls ergab. 12,2 Prozent der Befragten gaben an, dass sie solche Aufgaben "immer" oder "häufig" machen müssten. Das ist ein Anstieg um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Auch in Bezug auf die fachliche Anleitung äußerten die Befragten Kritik. Zwar haben 92,5 Prozent der Azubis in NRW einen Ausbilder, doch 11,4 Prozent sagten, dass ihr Ausbilder "selten" oder "nie" präsent sei. Und immerhin 7,5 Prozent haben erst gar niemanden, der sie fachlich anleitet.

38,1 Prozent machen regelmäßig Überstunden

Ebenso hoch wie nie ist die Zahl der regelmäßigen Überstunden, die die Auszubildenden in Nordrhein-Westfalen ableisten müssen. 38,1 Prozent der Befragten bejahten diese Frage, das ist ein Plus von 2,6 Prozent. Und 20 Prozent der Befragten erhalten dafür auch keine gesonderte Bezahlung oder einen Freizeitausgleich.

Das ist selbst bei den Auszubildenden so, die noch unter 18 Jahren sind und für die bezüglich der Arbeitszeiten die Vorgaben des Jugendarbeitsschutzgesetzes gelten. 16,9 Prozent (plus zwei Prozent) der Befragten sagten, dass sie durchschnittlich mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten müssen. Und knapp ein Drittel gab an, regelmäßig Überstunden leisten zu müssen.

Der DGB fordert daher auch, dass die Qualität der Ausbildung in den schlecht bewerteten Branchen deutlich verbessert werden müsse. Hierbei seien auch die Kammern gefragt, denn sie hätten die gesetzliche Aufgabe, die Berufsaubildung zu fördern, zu überwachen und für eine gute Qualität zu sorgen.

(das)