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Grosse Marken: Nokia - Handykult mit Methode

Grosse Marken : Nokia - Handykult mit Methode

Düsseldorf (RP). Das Unternehmen ist der ganze Stolz der Finnen. Immerhin bestreitet Nokia mehr als 20 Prozent des finnischen Exports. Heute hat sich die einstige Papierfabrik zum Technologiekonzern und Weltmarktführer bei Handys entwickelt. Doch die Fassade bröckelt.

In den vergangenen 15 Jahren hat es der finnische Handy-Hersteller nicht nur zum Weltmarktführer, sondern auch zur Kultmarke geschafft. Ein Grund dafür war der mutige Umbau des ursprünglich schwerfälligen Mischkonzerns zu einem Telekomriesen. Denn Nokia stand einst für eine Marke, die robuste Gummistiefel oder haltbare Radmäntel für Rollstühle fertigte.

Fredrik Idestam gründete das Unternehmen 1865 in der kleinen Stadt Nokia bei Tampere im Südwesten Finnlands, einem 700 Seelen-Dorf. Anfangs stellte Nokia Papiererzeugnisse her, die nach Russland und Großbritannien exportiert wurden. Die heutige Nokia Corporation entstand 1967 durch den Zusammenschluss der Papierfabrik mit den Finnish Rubber Works und den Finnish Cable Works. So wurde der Grundstein für ein Technologieunternehmen gelegt. Als Skandinavien schließlich 1981 mit seinem ersten Mobilfunknetz (NMT) in die Zukunft starten wollte, stellte Nokia die ersten klobigen Autotelefone für dieses Netz her. Erst sechs Jahre später folgte das erste wirklich tragbare Mobilfunktelefon, an dem sich Nutzer nicht mehr abschleppen mussten. Mit 800 Gramm galt es im Vergleich zu den 4,7 Kilo schweren Konkurrenzmodellen geradezu als Fliegengewicht.

Dass Nokia zum Inbegriff für schicke Handys mit halbwegs nachvollziehbarer Benutzerführung wurde, hat das Unternehmen vor allem einem Mann zu verdanken: Jorma Ollila. Mit seinem Firmeneinstieg 1992 versetzte er der Belegschaft zunächst einen Schrecken. Er entschlackte das damals noch 28 Sparten umfassende Unternehmen auf eine - die Telekommunikation. "Wenn Sie ein Land mit fünf Millionen Einwohnern sind, auf einer nördlichen Halbinsel leben und eine Sprache sprechen, die außer Ihnen niemand versteht, dann sollten Sie sich auf einige wenige Dinge konzentrieren und diese besonders gut machen". So lautete seine Ansage an die Belegschaft, die sich in die Köpfe brennen sollte. Den nächsten Schock verpasste der weitsichtige Manager ein Jahr später mit der Aussage, dass bald jeder ein Handy benutzen werde und Nokia deshalb Telefone entwickeln müsse, die das Internet "in die Tasche von jedermann" bringen. Gesagt, getan. 1999 kam mit dem Modell 7110 das erste internetfähige Handy heraus, das allerdings kaum einer wollte, weil 1000 Euro Internetkosten pro Monat arg abschreckend wirkten.

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Doch mit immer neuen Modellreihen, schicken Designs und leicht einprägsamer Benutzerführung gelang es Nokia, weltweit den Massenmarkt zu erobern. Lediglich bei den durch Motorola auf den Markt gebrachten ultraflachen Klapphandys hat Nokia den Trend verschlafen und massiv Umsatz einbüßen müssen.

Seit zwölf Jahren leitet der Finne Olli-Pekka Kallasvuo den Weltkonzern. Mit 51 Milliarden Euro Umsatz lässt der Mittfünfziger die Konkurrenz wieder hinter sich. Mit Apple, RIM (Blackberry) oder auch Google muss Nokia sich jedoch gegen viele neue Konkurrenten behaupten. Und da ist jedes Mittel recht. Auch Stellenabbau oder Produktionsverlagerungen. Anfang des Jahres bekamen dies rund 2300 Beschäftigte in Bochum zu spüren, weil das Unternehmen die Produktionsstätte ins kostengünstigere Rumänien verlagerte. Heftige Proteste und Angebote des Landes NRW konnten die Massenkündigungen nicht verhindern. Ein Imageverlust folgte.

Zwar spürt Nokia offiziell nichts von einem Handy-Boykott. Doch Unternehmenschef Kallasvuo will nun 1,5 Milliarden Euro einsparen. Und das nicht mehr bis 2010, sondern bis zum Jahreswechsel. Denn der Erfolg von Nokia hatte schon immer Methode. Nur dass die heutige nicht nur Innovation, sondern auch knallhartes Kalkül heißt.